Goldcrash voraus… Aber in welche Richtung?

17. November 2009 | Kategorie: Kommentare

Was tut sich da am Edelmetallmarkt? Für die Besitzer von echtem Gold und Silber als Versicherung gegen Verrücktheiten in der Finanzwelt mag das etwas weniger spannend sein. Nicht aber für diejenigen, die gehebelt mit 180 Sachen unterwegs sind. Es stellt sich gerade jetzt die Frage, wer in den nächsten Tagen wen überfahren wird. Die Longs die Shorts? Oder umgekehrt?

Hoppla! Ich bin von meiner Parkbank gesprungen und schaue mir die Wechselkurse der Edelmetalle an. Atemberaubend, welche Macht hinter Gold und Silber steckt. Kennen wir das nicht? Erinnerungen an 2005, 2006 und 2008 werden wach… Wie weit werden die Kurse noch steigen bevor sie fallen? Wir wissen es nicht. Angesichts der extremen Positionierungen am Terminmarkt bleibe ich noch ein paar Minuten vor dem Bildschirm sitzen. Longs und Shorts zücken ihre Messer – bereit zum Angriff. Zuvor werden die Klingen geschärft.

Ich benutze ganz bewusst das Wort „Wechselkurs“.

Es juckt in den Fingern, schnell gehebelt durch die Edelmetallmärkte zu jagen, Wellen zu reiten und den Haifisch mit dem Mittelfinger zu grüßen. Mit Turboscheinen kann man turboschnell gewinnen und turboschnell vom Surfbrett fallen. Gold ist bis auf 1.024 USD vorgerückt, Silber hat die 17 Dollar-Grenze überrannt. Na gut, das wissen Sie ja schon.

Interessant sind die Diskussionen. Angesichts der Short-Überhänge auf einem nie da gewesenen Niveau (270.797 Kontrakte, Stand bis 8.September) gehen viele jetzt schon stündlich von einem starken Einbruch der Notierungen aus – wie im März 2008. Aus Fehlern lernt man. Oder auch nicht. Nach sechs Monaten hat der Mensch den Schmerz vergessen, statistisch gesehen. Gespannt darf man auf die nächsten Positionierungsdaten von der CFTC warten. Diese werden immer freitags um 21 Uhr bekannt gegeben. (Hier klicken)

Zu vermuten wäre, dass der Berg an Long – und Shortkontrakten in der Zwischenzeit noch deutlich höher geworden ist. Sind 270.000 Short-Überhänge bei Gold genug, um die Kurse zum Rutschen zu bringen? Offenbar noch nicht. Müssen es 500.000 Kontrakte werden? Vielleicht. Man weiß es nicht. Oder kommt es zum Showdown, und die Spekulanten walzen die großen Shorties nieder? Oh, das wäre heiter, ein Spektakel der Extraklasse – besser als das Finale einer Fußballmeisterschaft! Doch es sollte in Betracht gezogen werden, dass Edelmetalle auch politische Metalle sind. Die großen Short-Spieler haben nicht nur das Geld, sie haben auch die Macht und die Unterstützung bzw. die Deckung ihres Handelns. Es ist daher eher wahrscheinlich, dass sie nichts unternehmen werden, auf welchem Wege auch immer.

Was passieren könnte

In den letzten Jahren war es jedes Mal ein Jauchzen der Bugs mit anschließendem Blutbad. Wie funktioniert das? Den Long-Spekulanten wird erst ein gehöriger Schreck eingejagt, indem der Goldpreis plötzlich ins Rutschen kommt. Die letzten Käufer erleiden die ersten Verluste, die sich dann mit weiter fallenden Kursen ausweiten. Reißen Stop Loss-Marken, verstärkt sich der Druck auf den Preis und eine Kettenreaktion kommt in Gang. Immer mehr Longs ziehen die Reißleine und geben auf. Damit können die Shorts deren Position übernehmen. Und sollte der Preisrutsch nicht reichen, kann man ja noch etwas nachhelfen, wenn man mächtig genug ist. Die einzige Frage ist, wann der Abverkauf diesmal passiert.

Extreme Ausschläge nach oben und später nach unten passierten immer nur, wenn es auch extreme Positionierung an der COMEX gab. Und das ist gerade der Fall. Viele die ich kenne, haben inzwischen eine Absicherung über Optionen eingebaut. Das könnte etwas zu früh gewesen sein, wie sich heute herausstellt. Doch wie weit werden die Kurse steigen, bevor sie fallen? Charttechnisch wäre der Weg für Gold und Silber frei. Werden die Longs etwa die großen Shorties so unter Wasser drücken können, dass sie ertrinken? Und wo wäre die Ertränkungsgrenze? Gute Frage.

Ach, ich sollte mich doch wieder zurück auf die Parkbank setzen und die letzten Sonnenstrahlen des Sommers genießen. Wer Edelmetalle als Versicherung ansieht und die Gier im Keller eingesperrt lässt, der kam ganz gut durch die letzten Jahre, ohne die käuflichen Turboeffekte auf Papierbasis. Sollte Gold das nominale Allzeithoch von 1.032 USD/Unze überspringen, wäre dies nur der Beweis, dass der Dollar sein Allzeittief gegenüber dem Gold auffrischt. Mehr nicht. Was bedeutet das für die physischen Unzen unterm Kopfkissen? Nichts. Denen ist es egal. Vielleicht bekommen sie ja bald Geschwister, zu niedrigeren Preisen.

schon gesehen? Silber für Anfänger

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