(R)ente süß-sauer

1. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Rente ist wirklich einfach: Sie beginnt mit einem rrrrollenden „rrr“ und endet mit Ente. Spätestens dann mutieren Wünsche zu Wahrheiten…

Bekanntlich ist Hoffnung keine Strategie, aber das, was erst zum Schluss stirbt. Viel zahlt man ein, man bekommt aber zu wenig heraus. Wo der Rest bleibt, weiß ich nicht. Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes und das oft unverdient. Bitte darüber nicht so viel nachdenken! Sonst bestellt man beim Chinesen auch noch „Rente süß-sauer“. 

Ach, man könnte das Geld auch aus dem Fenster werfen, wenn es nicht automatisch vom Lohn abgezogen würde. Die Fenster-Variante ist da wesentlich effektiver, zieht aber auch Einbrecher an.

Damit man als Rentner später noch kraftvoll zubeißen kann, benötigt es nicht nur ein ordentliches Gebiss, sondern auch etwas zwischen die Zähne. Experten raten daher, für diese Zeit etwas zu sparen und legen allerhand Leimspuren aus – kostenlos sogar. Aber wovon sparen, wenn irgendwann jeder zum Mindestlohn arbeitet? Bis dahin wird das Alltägliche noch teurer und die Füllmengen der bunten Verpackungen kleiner. Nur eines ist gewiss: Das Geld bleibt billig – und trotzdem kann man es sich nicht leisten. Über etwaige Zusammenhänge fragen Sie den Experten Ihres Vertrauens. Oder geben es einfach aus. Aber wofür?

Wegen des Alters hört man derzeit, immer wieder, man komme um Aktien nicht herum. Völliger Unsinn! Neun von zehn Leuten schaffen das. Die meisten von ihnen schreiben ja Aktie auch mit „X“ wie AleXis Tsipras. Irgendwie unsicher und halten die Axie für die Schwägerin von Ajax. Damit schmirgelt man nicht nur die Spüle, sondern auch den Geldbeutel blitzeblank.

Das Geld lieber ausgeben, sagen sie, vielleicht für ein Ei-Fon im Sechserpack aus der Freilandhaltung. Ja, die Leute glauben viel. Sonst würde ja die Reklame nicht so perfekt funktionieren. Ich denke ja, die Wachstumsmärkte der Zukunft, in die man investieren sollte, sind Dummheit und Marihuana. Aber dazu später mehr…

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

4 Kommentare auf "(R)ente süß-sauer"

  1. FDominicus sagt:

    Mein Glück, daß ich diesem System so gut wie völlig entkommen bin. Meine Alterversorge könnte ich spielend allein aus einer anderen Abgabe finanzieren. Aber davor sei das selbst verbriefte Recht jedermann beliebig berauben zu können.

  2. Habnix sagt:

    Zurück zu alten Werten viele Kinder aber ohne das diese dem Staat ihren Lohn als Rente abdrücken.

    Da war sie wieder die Lohnabhänggkeit.

    Wie kommen wir dazu zu glauben das bei Lohnabhängigkeit alles gut geht und die Regierung in ihrer Verzweiflung sich an ihre Versprechen hält?

    Ein Übel unserer Zeit ist die Lohnabhängigkeit, denn die hält stehts einen Adolf Hitler bereit.

    Und wenn das Bargeld weg ist, wie wollen wir dann fliehen?

    Die Lohntüte weg. Das war der erste Streich.
    Das Bankgeheimnis weg. Das war der zweite Streich .
    Das Bargeld weg. Das war der dritte Streich.
    Kein Recht auf die eigenen Organe. Das wird der vierte Streich.
    „Wer seine Organe nicht spenden will, muss das vorher ausdrücklich bei einer Stelle persönlich angeben.“
    Das Recht auf Sterbehilfe.Das wird der fünfte Streich.

    Lohnabhängig und ohne Lohntüte und nur ein Konto bei einer Bank ohne Bankgeheimnis, dann ist das so als wenn mein Portmonnaie bei der Bank irgend ein X-beliebiger Dritter hat, den ich nicht kenne und jeder Gangster sieht rein ob noch was zu holen ist.

    Am 1. April 2005 verschwand das Bankgeheimnis in Deutschland nun vollständig.

    Hauptbetroffene sind Rentner, Erben, Studierende, Empfänger von ALG I+II(HartzIV), Sozialgeld, BAföG, Kindergeld und Wohngeld.

    Ein Anfangsverdacht oder ein richterlicher Beschluss sind dann nicht mehr nötig.

    Fünf Tage vor Weihnachten, am 19. Dezember 2004 wurde dieses Gesetz heimlich still und leise von Hans Eichel im Bundestag eingebracht und vollzogen.

    Wenn damals nur mit der Lohnabhängigkeit A. H. alles machte, um wieviel mehr lässt sich mit der Kontoabhängigkeit für Regierungen heute erreichen?

    Tipp: Selbstversorgung von Nahrung und Energie so gut es geht.Mit Solar/Wind oder Bachlauf und Pflanzengefäße für Kräuter,Salat,Erdbeeren u.s.w.

  3. Insasse sagt:

    „Viel zahlt man ein, man bekommt aber zu wenig heraus. Wo der Rest bleibt, weiß ich nicht. Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes und das oft unverdient.“

    Ich zahle nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, sondern in ein Versorgungswerk. Ob das in Zeiten der (realen) Null- und Negativzinsen eine Privilegierung ist, möge ein jeder selbst entscheiden. Immerhin wird den Einzahlenden auch der Verwaltungskostenanteil mitgeteilt: ca. 2 Prozent der eingezahlten Beiträge. Hört sich erst einmal nicht so viel an, ist es aber. Auf lange Frist wirkt sich dieser Abzug ganz erheblich aus. Von diesem Verwaltungskostenanteil leben jetzt (!) die Angestellten des Versorgungswerks, die mein Geld (mehr schlecht als recht) verwalten und was ich zudem gar nicht will. Genauso ungeheuerlich ist der Umstand, dass mir im Zuge dieser Zwangsversorgung die Verfügungshoheit über die Geldanlage entzogen wird. Das Versorgungswerk entscheidet, wie die eingezahlten Beiträge angelegt werden. Und das Versorgungswerk muss sich seinerseits an staatliche Vorgaben zur Geldanlage halten. Wie diese Vorgaben aussehen, dürfte den hiesigen Forumslesern hinlänglich bekannt sein (es gelten die gleichen Regeln wie für Versicherungen).

    Vollends verrückt wird es aber damit, dass die späteren Entnahmen aus dem selbst Ersparten, also die Rente, neuerdings vom Staat als steuerpflichtige Einnahme bestimmt wurde und dieser sich also über die Institution der Zwangsaltersversorgung eine zusätzliche Einnahmequelle, welche er ohne diese Einrichtung nicht hätte, verschafft.

    Der Normalzustand wäre nämlich folgender: Ich erarbeite Geld und entscheide, ob und wie ich fürs Alter spare. Ich entscheide auch selbst, wie ich meine Ersparnisse anlege. Kein Dritter lebt von einem Teil meiner sauer verdienten Ersparnisse nur deshalb, weil er dieses verwaltet und mir dann auch noch vorrechnet, was ich von meinem Geld zurückerhalte. Im Alter entnehme ich den Teil des Angesparten, den ich zum Leben brauche. Und versteuern müsste ich da gar nichts mehr.

    Fazit: Diese Art der staatlich angeordneten Zwangs(alters)vorsorge ist eine typisch sozialistische (!) Systemkomponente: Der Beitragszahler, also der Leistende, wird zum Empfänger einer staatlichen Leistung „umgedreht“ (= Entzug von Freiheit und Erzeugen von Abhängigkeit). In den Verwaltungen werden Zombies durchgefüttert, welche den Beitragszahler bevormunden und gegängeln. Der Staat eröffnet sich einen neuen Weg zu Zwangsabgaben (= Steuern).

    Das angesparte Geld wäre im Ergebnis allemal besser angelegt, wenn man es einfach nur ohne Zinsen auf dem Konto liegen lassen würde. Gar nicht daran zu denken, dass es auch nur halbwegs vernünftig investiert wird.

    Ja, das Geld ist nicht weg, es hat zu einem guten Teil nur jemand anderes und zwar völlig unverdient. So ist er eben, der Sozialismus.

  4. astroman sagt:

    Ja, die alternde Gesellschaft wird es wohl so richtig schön in der Mitte spalten, wenn man den heutigen Trend fortschreibt: In die, die keine Assets erben und damit in der Rentenphase den Gürtel deutlich enger schnallen müssen, und die, die Assets erben und damit zusätzliche Kapitaleinkünfte bzw. -mittel haben, um die gesetzliche Rente aufzustocken. Dazwischen gibt es noch ein paar %-Punkte, die aufgrund besonders hoher Einkommen auch ohne Erbe sparen können und ihr Level halten werden.

    Den Eindruck, dass sich der Mindestlohn von unten nach oben fressen wird, habe ich leider auch. Wenn ich mir angucke, wie sich die Einstiegsgehälter der Akademiker in unsere Branche „entwickelt“ haben, ist mir einiges klar. Und das liegt leider nicht an gierigen Managern, sondern einfach daran, dass der Markt aufgrund des Preisdruckes nicht mehr hergibt. Und wenn schon die Uni-Abgänger im Ballungsgebiet mit vernünftigen Jobs kaum sparen können fürs Alter, wie bitte schön dann zahlreiche andere? (Ist es auf dem Land vielleicht viel besser und wir müssen nur umziehen und umschulen?)

    Wir sind vermutlich im wirtschaftlichen Spätsommer in good ol‘ Germany. Na ja, nach dem Winter kommt aber auch irgendwann wieder der Frühling.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.