Rendite-Junkies bei der Beschaffung

30. September 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wer das Radfahren lernt, sollte nach dem ersten Sturz schnell wieder aufsteigen und weitermachen. Am Finanzmarkt haben einige dieses Prinzip verfeinert und fahren nach jedem Sturz noch ein bisschen riskanter. So kraxeln nach den letzten Prügeln auch die High Yield Anleger erneut aufs Renditerad…

Als die Anleihen und Aktien aus den so genannten Emerging Markets verprügelt wurden, haben Investoren den Unterschied zwischen Buchgewinn und realisiertem Gewinn auf die harte Tour kennen gelernt. Viele Anleihen waren unverkäuflich, bei geringen Handelsvolumina fielen viele Papiere um bis zu 30 Punkte. Auch bei Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen aus Brasilien, Indien, Indonesien und anderen beliebten Anlageregionen weiteten sich die Geld-Brief-Spannen massiv aus.

Anleihen von Emittenten aus dem Junk-Segment litten ebenfalls, wenn auch deutlich weniger als die Fremdwährungspapiere aus den Emerging Markets. Weiterhin erfreuen sich die Anleihen schwacher Unternehmen großer Beliebtheit. Ähnlich wie bei den oft dubiosen „Mittelstandsanleihen“ schielen unbedarfte Investoren nur auf die Rendite. Die mit Sicherheit stattfindenden Ausfälle werden kleinere Häuser schon operativ überfordern, von den finanziellen Verlusten ganz zu schweigen.

Bemerkenswert ist die geradezu euphorische Wiederkehr der Anleger in das High-Yield-Segment in den vergangenen Wochen. Nach deutlichen Abflüssen im Sommer ist fast wieder das Niveau des Nettozuflusses vom Mai 2013 erreicht. In einem Rekordemissionsjahr, bei Rekordtiefs bei den Renditen und sehr schwachen Erträgen und Cash Flows meinen nun viele, auch noch in dieses Segment strömen zu müssen.

Die Daten der Mittelbewegungen zeigen, dass es sich bei dieser Tendenz nicht generell um eine neu erwachte Liebe zu Unternehmensanleihen handelt. Aus den Fonds im qualitativ besseren Investment Grade Bereich fließen die Gelder weiterhin ab, während Positionen in High Yield Mandaten wieder ausgebaut werden. Ein Großteil der Zuflüsse stammt aus ETFs.

 

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Auf Emissionsrekorde folgt im High Yield und Leveraged Loan Markt mit Zeitverzug immer ein Rekord bei den Ausfällen. Einfach die Rendite der Bonds als wahrscheinliche Rendite eines Bond-Investments zu erwarten führt in die Irre. Ein teurer Irrtum.

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Die Argumentation für eine Neuanlage, es sei doch in den letzten Jahren prima gelaufen, ist eigentlich zu tumb, um sie ausgiebig zu kommentieren. Es gibt Zeiten, in denen die Renditen für Ausfälle in ausreichendem Maße entschädigen, und es gibt Zeiten, in denen das nicht der Fall ist. Zu sagen „High Yield“ ist generell eine gute Assetklasse ist wie jede vergleichbare Generalisierung unsinnig. Alles zu seiner Zeit.

An den Finanzmärkten wird bekanntlich mit Schrot geschossen. Selbst wer sich nur aus Unwissenheit in der Nähe befindet kann eine ordentliche Ladung abbekommen. Direkt vor die Flinte stellen sollte man sich besser nicht. Für die Einschätzung des Aufenthaltsorts genügt die Kenntnis der aktuellen Daten und ein kurzer Blick in die Historie.

Aber allen Erfahrungen der Vergangenheit zum Trotz werden sich auch nach diesem großen Halali wieder einige Depots unter den Erlegten finden.


 

15 Kommentare auf "Rendite-Junkies bei der Beschaffung"

  1. FDominicus sagt:

    Nun die nicht Rendite Junkies scheinen mir nicht besser dran zu sein. Oder waren die diversen Schuldenschnitte nur „eingebildet“. Unser Problem ist ja nicht zu viel Rendite sondern zu viele Schulden und zu viele Versprechen bei negativer Rendite für den Anleger.

    Von Sicherheit bei Staatsanleihen zu sprechen ist m.E. auch unangebracht. Und ja Risiko halt ich eine Risikoprämie für sehr angebracht. Warum ich unsichere 2-3 % einer Anleihe von Frankreich einer Unternehmensanleihe vorziehen sollte, leuchtet mir ganz und gar nicht ein.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo FDominicus,

      der Vergleich von Äpfeln und Birnen ist in der Finanzbranche zwar beliebt jedoch selten hilfreich. Die oben dargestellte Datenreihe zeigt die Ausfälle im US HY Bereich. Wenn man Staatsanleihen als Vergleich heranziehen will, sind folglich Treasuries zu wählen. Von „diversen Schuldenschnitten“ kann man folglich (zumindest noch) nicht sprechen. Seit den 70ern haben viele mit Treasuries sehr gut verdient und viele mit HY Bonds sehr viel verloren.

      Wer 1995 oder 2006 in HY Bonds investiert hat, dem ging es finanziell zumindest nicht besser als vor dem Investment. Wir halten das aktuelle Renditeniveau für ähnlich unattraktiv. Wenn von zwei Personen einer hässlich hässlich ausschaut, ist der andere aber nicht zwangsläufig attraktiv. Wie wir auch an anderer Stelle erwähnten, haben wir nichts gegen eine bestimmte Assetklasse einzuwenden. Ebensowenig halten wir aber eine Assetklasse generell für die allzeit richtige Wahl. Das gilt unserer Meinung nach für alle Assetklassen.

      Bei High Yields halten wir die Entschädigung, die die Renditen der entsprechenden Papiere derzeit bieten für nicht ausreichend. Was bei einem drastischen Zinsanstieg der Treasuries bei den Junkbonds zahlreicher US-Firmen los wäre, möchte man sich lieber nicht ausmalen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  2. Bankhaus Rott sagt:

    @All
    Ein kleiner Nachtrag,

    viele denken bei HY Bonds an „normale“ Unternehmensanleihen, die halt einen Tick unter dem Investment Grade notieren und ansonsten vergleichbar sind mit den senior unsecureds von Unternehmen wie BASF oder P&G. Das ist nicht der Fall.

    Der Großteil der HY Anleihen besticht durch sehr spezielle Ausgestaltung der Anleihebedingungen (covenants), durch die regelmäßige Möglichkeit des Emittenten zum Call der Anleihe (begrenzt das Aufwärtspotenzial bei rückläufigen Spreads/Zinsen deutlich), durch vollkommen unattraktive Ausgestaltung wie bei „pay in kind“-bonds oder eine Kombination dieser Merkmale.

    Beste Grüße, einen schönen Abend der versammelten Leserschaft
    Bankhaus Rott

  3. FDominicus sagt:

    Ich bin von Unternehemensanleihen im klassischen Sinn ausgegangen. Es gibt aber auch eine prinzipiellere Frage. Warum sollte man Staatsanleihen kaufen? Was wird wohl der Staat damit machen? Nun Sie haben darauf keinen Einfluß, Sie wissen aber was er sonst so macht. Nehmen wir mal die Rettungsschirme. Dafür braucht auch D „Geld“ (oder etwas was sich so „nennt“ , haben wir Luft im Haushalt für mal eben 30 – 50 Mrd? Wohl kaum unser Haushalt beläuft sich irgendwo um 360 Mrd und wir hatten seit Jahrzehnten immer ein Defizit, teilweise bis über 10 %. Das Geld was hier eingesammelt wurde wird geht geradewegs in die Schuldenzahlung von anderen EU Staaten. Wer derzeit Staatsanleihen kauft, unterstützt damit die Regierung bei diesen „Rettungs“schirmen.

    Ich persönlich habe damit ein Problem und gehe dem aus dem Weg in dem ich keine Staatsanleihen von welchem Staat auch immer kaufe. Das schaue ich mich lieber bei den Mittelstandsanleihen um und überlege mir wer wohl bis zum Ende der Laufzeit noch „da“ ist. Sollten sich für diesen Weg mehr Leute entscheiden wäre das sicherlich durchaus beeinflussender als z.B. unsere Wahl von etwas mehr als einer Woche….

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo FDominicus,
      der Artikel sollte auch nicht als Werbung für den Kauf von Staatspapieren angesehen werden 🙂

      Bei den Mittelstandsanleihen sind wir sehr vorsichtig, Sie vermutlich auch. Denn leider ist der Staat beleibe nicht der einzige, der nicht mit Geld umgehen kann.

      Immerhin gibt es seit Jahren erstmals Anzeichen, dass das unselige Risikogewicht nach Basel zumindest diskutiert wird. Vor allem die absurde Gewichtung mit Null bei gut eingestuften Staatsanleihen ist nichts anderes als eine Subventionierung staaticher Defizite. Eine Anhebung der Gewichte oder eine Abschaffung des unseligen Konzeptes hätte weit reichende Folgen für Staatsanleihen. Allerdings ist ein solcher Schritt wohl kaum im Sinne der Schuldenkönige …

      Beste Grüße,
      Bankhaus Rott

      • FDominicus sagt:

        „Bei den Mittelstandsanleihen sind wir sehr vorsichtig, Sie vermutlich auch. Denn leider ist der Staat beleibe nicht der einzige, der nicht mit Geld umgehen kann.“

        Nun das ist ja angebracht. Es gibt nämlich doch etwas wie Zusammenhang von „Rendite“ und Risiko – wenn man eben keine systemrelevante Bank ist oder gar ein systemrelevanter Staat 😉 Deswegen ja auch die Frage sieht die Firma das Ende der Laufzeit? Genau diese Frage kann man sich aber rein theoretisch natürlich auch bei Griechenland stellen. Was hatte noch das Handelsblatt in 2010 empfohlen. Kaufen Sie Anleihen von Griechenland http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/handelsblatt-aktion-wir-kaufen-griechische-staatsanleihen/3426508.html

        Bitte lesen Sie auf dem Link einfach mal ein bisschen nach. Was dann so daraus werden kann:
        http://www.zeit.de/2011/28/F-Griechenland-Anleihen
        http://www.bild.de/politik/inland/griechenland/wie-bild-mit-griechenland-anleihen-verlor-27459252.bild.html
        Irgendwo hat auch noch ich glaube ein Handelsblatt Autor geschrieben wie er sich so nach dem Haircut fühlt….

        „Vor allem die absurde Gewichtung mit Null bei gut eingestuften Staatsanleihen ist nichts anderes als eine Subventionierung staaticher Defizite“

        In der Tat, trotz allem werfen Anleihen noch Zinsen ab. Können also eigentlich nicht risikofrei sein. Denn wo es kein Risiko gibt wird es mit der Rendite „schwierig“. Und ja hier ziehen Banken, Staaten und Zentralbanken an einem unguten Seil.

        Ich weiß nicht mehr genau was die Konditionen der Billion war die die EZB an die Banken verteilte. Aber nehmen wir grob einfach mal an, die Banken bekommen das Geld zu 0.5%, bekommen aber für die Staatsanleihen 1,5 % dann bleibt dazwischen die schlappe Summe von 100 000 000 000, was selbst für Banken ziemlich annehmbar ist. Und das ganze „risikolos“ – oder so….

      • Michael sagt:

        Sei keinem die Freude genommen.

        Wer aber höheres Risiko will gehen, es gibt immer wieder ganz gute Finanzanlagen. Da zahlt sich an sich aus, eher mehr Risiko zu gehen und mit 75% Rendite zu leben für ein reines Finanzinvestment – zumeist taktische Investments Zeit zu kaufen oder genug Teile einer gesamten Umfelds rund um ein Geschäft zu finanzieren, dass die Position gestärkt ist/bleibt/wird. Dazu muss man sich aber auskennen, ist bei den High Yield Bonds nicht anders. Letztere sind sogar wenig transparent.

        Ich weiß zwar nicht in welchen Mengen man solche Bonds kauft, aber, in anderen Fällen kann man durchaus mischen und die Einstiegshürde ist bei 50k USD für ein abschätzbares Risiko.

        Selbst bei biederen Unternehmensanleihen für zwar beachtlich große und durchaus renomierte Mittelstandsunternehmen gilt, Sein und Schein sind selten deckungsgleich. Selbst dort im Schnitt ist der Totalausfall möglich und teils sogar vorhersehbar. Das frisst sämtliche andere Erträge. Da brauchen sie noch nicht mal High Yield Bonds von irgendwem irgendwo. Große Unternehmen sind nicht ‚besser‘ sie sind stabiler finanziert als eher risikoreiche aber doch durchaus wertschöpfende Unternehmen.

        Was macht ein niederes Rating bei einem Kredit an ein ’solides‘ Unternehmen. Just wenn im Erfolgsfall eher die Anleihen zurückgerufen werden können. Bleibt in Summe in niederverzinstes Risiko.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo FDominicus,

    ach, der Herr Steingart und sein Werbeblättchen. Dem Unfug hatten wir uns seinerzeit im Februar 2012 ausführlich gewidmet, in der Tat immer wieder köstlich.
    http://www.rottmeyer.de/entwurf-kurz-notiert-furs-stutzungstagebuch-janner-2012/

    Die Frage, ob es einen Emittenten am Ende der Laufzeit noch gibt, sollte man sich immer stellen, unabhängig davon, ob es sich um einen Staat oder ein Unternehmen handelt.

    Zu den Mittelstandsanleihen werden wir bei Gelegenheit noch etwas schreiben, natürlich kann man nicht alle Emittenten dieses Segments über einen Kamm scheren, aber allein die bisherigen Ausfälle/Restrukturierungen machen das Risiko einer Fehleinschätzung deutlich. Wir glauben, dass viele das Verlustrisiko unterschätzen und sich allein von den höheren Riskoprämien anlocken lassen. Ein einziger Ausfall aber kann die höhere Rendite zahlreicher Investments auslöschen. Und das Verlustrisiko ist angesichts der teils lächerlichen Eigenkapitalquoten von in diesem Segment emittierenden Firmen enorm. Die recoveries im Fall der Fälle werden dementsprechend
    niedrig ausfallen.

    Wie wichtig die Rendite nach Ausfällen ist, zeigt der Vergleich vom BondM Index mit dem iBoxx Euro Corporates Index (Investment Grade Corps & Fins). Ausgehend von den Daten der Börse Stuttgart hat der Index seit zurückgerechnetem Startwert 2011 mehr als 7% verloren. Der iBoxx hat im gleichen Zeitraum 16,8% zugelegt. Der eine oder andere Bondpicker wird sagen, was interessieren mich die Ausfälle der anderen. Aber irgend jemand hat wie immer auch den Abfall im Depot.

    Wie Sie sagen, es gibt einen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko. Aber das Schöne am Markt ist doch, dass jeder kaufen kann, was er persönlich für gut hält.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • bigpuster sagt:

      Liebes Bankhaus Rott,

      nach jahrelangem Lesen Ihrer Beiträge und diverser lauter und leiser Lacher, haben Sie mich neben dem Amusement vor einigen Fehlinvestitionen bewahrt. Danke dafür.

    • FDominicus sagt:

      Ich wollte nur daran erinnern, daß es eben dieses Verhältnis Risiko / Rendite gibt. Und das KEINE Anleihe riskikolos sein kann. Es ist auf Äußerste ärgerlich, daß „platt“ ausgedrückt ein Kredit für einen Staat behandelt wird als wäre es „bares Geld“ wert. Ich weiß unser „Geld“ ist nur ein Schuldschein. Aber für den Kredit gilt auch immer es ist nicht raus, das Sie alle Schuldscheine die man heute reinsteckt auch am Ende der Laufzeit wiederbekommt. Dazu kommt noch die permanente Preissteigerung durch das unverdrossene Drucken von noch mehr Schuldscheinen, die dann aber nicht „rausgerechnet“ werden dürfen.

      Es ist aber hier eine einfache persönliche Entscheidung, ich habe meine letzte Staatsanleihe vor ca 3 – 4 Jahren verkauft und werde wohl kaum je wieder eine kaufen.

      Nur noch eine kleine Spitze:
      „Wie Sie sagen, es gibt einen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko. Aber das Schöne am Markt ist doch, dass jeder kaufen kann, was er persönlich für gut hält.“

      Hier möchte ich eine kleine Erweiterung dazu schreiben „dass jeder „noch“ kaufen kann“. Denn das ist ja so auch nicht wahr. Bestimmte Anleger sind mehr oder minder verpflichtet „gute“ Anleihen zu kaufen. Nun ja gute im Sinne von den Staaten, somit gilt das kaufen was man will nur eingeschränkt. Es gilt noch für Privatanleger. Aber Zwangsanleihen und ähnlich sind ja nichts wirklich Neues….

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo FDominicus,

        ja, mit dem „noch“ haben Sie natürlich Recht. Im Grunde sind ja auch Steuern mit der Zwangsanleihe zumindest verwandt 🙂

        „Es ist auf Äußerste ärgerlich, daß “platt” ausgedrückt ein Kredit für einen Staat behandelt wird als wäre es “bares Geld” wert.“ Schön gesagt und wahr dazu.

        Beste Grüße
        Bankhaus Rott

  5. Michael sagt:

    Habe da heut aus der Zeitung ein Beispiel für so ein Mittelding zwischen dem das sie beschreiben und einer ’normalen‘ Unternehmensanleihe ….
    http://www.egger.com/AT_de/38623.htm

    Das ist keine Empfehlung, aber 100 Mio. Volument gestückelt auf EUR 1000.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Michael,

      vorsicht, mit dem von Ihnen genannten Papier bewegt man sich auf ganz anderes Terrain. Das Papier ist eine sogenannte Hybridanleihe, eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital. Mehr oder weniger scherzhaft könnte man sage, die Chancen entsprechen der Vergabe von Fremdkapital, die Risiken der Bereitstellung von Eigenkapital. Neben den Kündigungsrechten sind die im Vergleich zu nicht nachrangigen Papieren deutlich geringen Ansprüche im Insolvenzfall von Bedeutung.

      Gerne werden diese nachrangigen Papiere Privatkunden aufgeschwatzt, der Köder ist die vermeintliche hohe Rendite für eine Anleihe. Es handelt sich aber nicht um eine normale unbesicherte Anleihe (senior unsecured) sondern um ein nachrangiges Papier. Die kleine Stückelung bei Ramschanleihen, in der Branche „Retail-Size“ genannt, dient in der Regel dem Anzapfen der privaten Investoren. Man wird die Ursache einer solchen Emission nicht in Menschenfreundlichkeit finden sondern entweder in der Hoffnung (a) Papiere zu schlechteren Konditionen als an Institutionelle verkaufen zu können oder (b) überhaupt von jemandem Geld zu bekommen, weil keine Bank und kein instutioneller Käufer interessiert ist.

      Dem von Ihnen verlinkten Emittenten möchten wir derartiges Gebaren natürlich in keiner Weise unterstellen.

      Mit der Rendite-Masche hat unlängst auch der niederländische Netzbetreiber Tennet eine sogenannte Bürgeranleihe, ebenfalls ein Nachrangpapier, beworben. Das einzige was man den Schaffern dieser Kampagne entlastend anrechnen könnte, wäre vollkommen Unwissenheit, was man da den Bürgern ins Depot legen wollte. Aber diese Unwissenheit würden wir natürlich niemanden unterstellen.

      Wir unterbreiten bekanntlich keine Anlagevorschläge, möchten aber daran erinnern, dass es oft eine gute Idee ist, ein Wertpapier nicht zu kaufen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Michael sagt:

        Danke. War als Beispiel gedacht, da ich oben sagte, ein wenig mehr Risko gehen in einem Umfeld das man genau kennt ist besser. Eher wegen dem Titel – Rendite Junkies. Da geht es dann eher in Eigenkapital ähnliche Varianten.

        Stand am Samstag in der Zeitung. Habe das angehängt. Danke für die Erklärung.

        In Österreich sind Unternehmensanleihen entweder besser verzinst als ein Sparbuch (voest alpine bspw…) oder wie sie zurecht sagten, ein Abzockpapier. Das sagt die Erfahrung im Moment. Werden wir sehen ob die Güte steigt, wenn die Wiener Börse ihre Sparte aufmacht.

        So ‚Abzockpapiere‘ hatten wir schon öfters. Wenn nicht renommiert dann ist Vorsicht geboten. Eine konkrete sog. Unternehmensanleihe ging raus und dann war die Insolvenz da. Merger nachher und wieder weiter …

        Ich will dem holzverabreitenden Unternehmen gar nichts unterstellen. Gott behüte. Hoffe die haben viel Erfolg. Das müsste man sich anschauen und vorort mal checken und selbst dann braucht man Branchenkenntnis und im Werkstoff. Die Konditionen sind Hölle. Dann ziehen sie noch 25% KEST ab.

        Andere Hybrid Anleihe
        http://www.voestalpine.com/group/de/investoren/anleihen/
        Das Spektrum ist sehr breit, heißt aber sehr ähnlich.

        Losgelöst davon, auch bei Aktien. Was sollte man wissen, wenn man so wie ich einfach nach einem Crash kauft. Aber wann sind die Unternehmen nicht mehr billig im Sinne es bestünde Übernahmegefahr. Der Punkt ist spannend. Es ist zumeist eine starke Tendenz da, den Punkt nachhaltig zu überschreiten, insbesondere bei Unternehmen die auf Eigenständigkeit setzen.

        // Nachtrag
        Ich mache solche Sachen wie oben erwähnt 70k USD mit 75% auch nicht. Das war ein Beispiel für jemanden, der den Unternehmer genau kennt und das Business. So etwas kommt bei mir mal alle 2 Jahre einmal zufällig vorbei. (Klärung) Grad als Finanzinvestment wäre ich vorsichtig. Wenn man nicht die Verantwortung direkt mittragen kann, dann hat man zumeist schlechte Karten. Es werden oft Unternehmen beinhart in den Konkurs geschickt, damit Verbindlichkeiten wegfallen. Wenn man im falschen Teil die Anlage hat, hat man verloren. Just in den Start Up Phasen.
        Nachtrag //

        In so etwas investiere ich persönlich nicht. Ich hab allein einfache Anleihen gegenüber der Sparkasse Oberösterreich und unserer Raiffeisenbank. Da gibt es andere Incentives, dass solche Anleihen mal zurückgezahlt werden und Zinsen auch nicht ausfallen. Der Zins ist relativ hoch, gegenüber Sparbuch. Die gehen aber auch allein, wegen der niedrigen Zinsen jetzt und der Tatsache dass sie KEST frei verkauft werden mit Gewinn als Altbestand. Wenn man aber bedenkt, dass man heutzutage teils nachrangige Anleihen einer Regionalbank braucht, dass man in etwa auf ein Sparbuchverzinsung kommt – das zeigt das Elend der heutigen Zeit.

        Beim Test vom Andre Kostolany bin ich als ‚Beamter‘ durchgefallen. Zocker werde ich keiner. Ich mache allein Buy and Hold aber mit allem. Alles anderes kostet Zeit und eigentlich im Allgemeinen schlecht bepreist obwohl ein sehr limitiertes Gut aber unendlich wertvoll.

        Zurück zum Thema. Anleihen. Früher, aber selbst in den späten 80ern waren Wandelanleihen schon eher ein schlechtes Geschäft. Der Mensch filtert die positiven der Vergangenheit und blendet die schlechten Erfahrungen aus.

        Ich denke viele dieser hochverzinsten Papiere haben hohen Eigenkapitalcharakter ohne viel Mitspracherecht. Das ist nie die berauschende Alternative.

        Der Artikel über die High Yield Bonds war sehr interessant und danke nochmals für die ausführliche Erläuterung.

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