Regierung ohne Volk

25. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die erste Runde der Wahl in Frankreich ist entschieden. Euro und Börsen machen Freudensprünge und namhafte Experten aus den Kreisen von „da oben“ geben sich erleichtert. Dabei ist das Problem nicht verschwunden. Und das heißt nicht Marine Le Pen…

Das Wahlergebnis in Frankreich zeigt deutlich: Die Franzosen haben die Nase voll von ihren Regierungen. Vieles läuft schief, und zwar gewaltig. Noch eine Stichwahl, und der komplett und völlig unabhängige Ex-Investmentbanker bei Rothschild Emmanuel Macron wird Frankreichs neuer Präsident – wenn nichts dazwischen kommt. Was blüht den Franzosen? Reformen… Ach wie hübsch! Macron wird jetzt schon als der neue Gerhard Schröder gehandelt. Die Renditen der Unternehmen dürften sich freuen und die Börse auch. Und die kleinen Leute?

Die Pluszeichen an den Börsen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich erst einmal nichts ändern. CMC Markets merkt treffend an, dass bisher jede Reform gescheitert ist. Die Franzosen waren einfach zu aufmüpfig. Vielleicht ahnen sie ja, wer die Zeche bezahlen wird.

Nein, das Euro-Gebilde kippt (noch) nicht und der FREXIT ist vorerst vom Tisch. Europa wäre erleichtert, heißt es von führenden Meinungsmachern. Ist dem so? Mindestens ein Fünftel der Franzosen sieht das anders und hat le Pen gewählt, ein donnerndes Zeichen ihrer Unzufriedenheit. Man verkennt zudem, dass Le Pen nicht die Ursache der französischen Misere ist, sondern die Folge dieser Politik der letzten Jahre. Bald aber können die Fehler des Establishments noch größer gemacht werden. Die Mehrheit will das so. Mehrheit ist Mehrheit.

Auch die Fehler der gemeinsamen Währung und der gemeinsamen Währungspolitik können größer gemacht werden. Dafür werden später die Folgen umso schlimmer.

Viele Franzosen haben das satt, was ihnen die Politik täglich vorsetzt, ohne zu wissen, was der richtige Weg sein könnte. Die Stichwahl wird das noch deutlicher zeigen, wie sehr man die französischen und auch die EU-Regierung ablehnt. Was aber das Establishment gewonnen hat, ist Zeit, die kaum ungenutzt verstreichen wird, um die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen. Zum Wohl der Wirtschaft, wird es heißen, also nicht für diejenigen, die diese Wirtschaft am Laufen halten … bis die Masse der Abgehängten größer wird und, wie wir Frankreich kennen, die Straßen bei Protesten voller.

Doch dafür sind die Sicherheitskräfte geschult – das zu bewahren, was sich später als komplett falsch herausstellen dürfte. Frankreich ist erleichtert, heißt es. Doch worüber eigentlich? Dass es mehr vom Alten geben kann?

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2 Kommentare auf "Regierung ohne Volk"

  1. Skyjumper sagt:

    „Nein, das Euro-Gebilde kippt (noch) nicht und der FREXIT ist vorerst vom Tisch. Europa wäre erleichtert, heißt es von führenden Meinungsmachern. Ist dem so? Mindestens ein Fünftel der Franzosen sieht das anders und hat le Pen gewählt, ein donnerndes Zeichen ihrer Unzufriedenheit.“

    Ein FREXIT lag meiner Meinung nach bisher noch nie auf dem Tisch. Auch wenn ein Präsident in Frankreich relativ hohe Einwirkmöglichkeiten hat, so bräuchte ein FREXIT die Zustimmung der Nationalversammlung. Dort haben bisher jedoch weder Macron, noch Le Pen, als potenielle nächste Präsidenten, eine Hausmacht. Le Pen könnte ihre Drohungen demnach auch im Falle eines Wahlsiegs nicht umsetzen (erst die Wahlen im Juni könnten das ggf. ändern).

    Stattdessen möchte ich jedoch den Blick ein wenig weg vom Ergebnis für Le Pen richten. Sicher, ein Fünftel hat sie gewählt, aber das ist doch nicht das „donnernde“.
    Den wahren Donner hört man, wenn man sich vor Augen führt dass die „Etablierten“ mit Macron (24 %), Fillion (20 %) und Hamon (6 %) gerade noch 50 % der Franzosen überzeugen konnten. Die anderen 50 % haben in irgend einer Weise „extrem“ gewählt.

    Und realistisch betrachtet wird der (mutmaßliche) Präsident Macron bereits am Tag nach seiner Wahl eine lahme Ente sein. Auch wenn Sozialisten und Republikaner jetzt dazu aufrufen ihn zu wählen – eine Unterstützung seiner Präsidentschaft in der Nationalversammlung lässt sich daraus noch lange nicht ableiten. Das wahrscheinlichste sind weitere 5 Jahre Stillstand.

    Bester Nährböden also für die Vermutung dass bei der nächsten Wahl dann schon 75 % den einen oder anderen „Extremisten“ wählen.

  2. Lickneeson sagt:

    O lala, quel catastrophe!

    Viel befremdlicher als der „Sieg“ von Macron oder der Erfolg von M. Le Pen sind die 19 % von Fillon. Sollte auch nur die Hälfte von dem stimmen, was ihm und seiner Frau in puncto „Scheinangestellte“ vorgeworfen wird, ist es schon eine dreiste Unverschämtheit von ihm überhaupt anzutreten. Schuld? Hää? Cèst la vie.

    Das ist die Einstellung, von der die Wähler global die Schnauze voll haben und Trump, AfD oder Le Pen wählen. Und je mehr man diese Personen, Parteien diffamiert, wie gerade unsere bunte Walldorf-Antifa und Armee der Aufrechten in Köln es gegen die AfD gezeigt haben, umso grösser wird ihr Zuspruch. Abgesehen davon hat das mit Toleranz oder Demokratie aber auch gar nichts zu tun, wenn man Mitglieder einer zugelassenen Partei verbal und körperlich angreift.

    Warten wir mal ab, ob es denn die ein oder andere Reform in Frankreich schafft…

    Allez Les Bleues!

    MfG

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