Rechte Tasche, linke Tasche.

29. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Manch Steuermichel schäumt gerade leicht auf, denn Griechenland erhält 10,3 Milliarden frische Euro „Rettungsgeld“. Keine Sorge! Es gibt gaaanz strenge Bedingungen! Ha! Ha! Ha!

Nein, Die Taschenspielertricks der „Eurorettung“ sind so gut wie die Würfelspieler in den Fußgängerzonen. Die ganzen umher geschleuderten Begriffe für diesen Vertragsbruch klingen harmlos wie alkoholfreie Cocktails an einer griechischen Strandbar, garniert mit einem „Euro-Rettungsschirmchen“. Prost!

Solche Seifenopern in unzähligen Akten waren ja per Gesetz ganz streng verboten. Als aber der Euro in Südeuropa als Giftpille so langsam wirkte, wurden diese Verträge gebrochen bzw. bis hin zum Mars weit ausgelegt. Wen kümmern heute noch diese milliardenschweren Rettungsorgien?

Richtig ist, von den 216 Milliarden der ersten beiden Rettungspakete blieben nur 9,7 Milliarden in Griechenland hängen. Der Rest floss an die Gläubiger. Diese drucken direkt oder indirekt „Hilfsgeld“, welches über Athen in ihre Taschen geschleust wird. Der Bürger als Steuerzahler bürgt. Nebenwirkung: Ein ruiniertes Land, dem es ohne Euro längst besser gehen würde und auch ohne die 316 Milliarden Euro Schulden. Einen Schuldenschnitt wollen Gläubiger ebenso wenig wie die Politiker. Es könnte ja Kratzer geben an ihrem politischen Projekt auf dem Reißbrett.

Der IWF fordert beharrlich einen 90 Milliarden großen Schuldenschnitt. Dann wären auch 25 Milliarden der deutschen „Hilfsgelder“ weg – aber erst nach der nächsten Bundestagswahl. Dann soll es ja hierzulande zwölf Milliarden Euro Steuererleichterung geben, also 150 Euro für jeden. Gigantisch! Und der Schuldenschnitt für Griechenland wird dann sicherlich ganz anders genannt, wenn manch Verantwortlicher nicht mehr amtiert.

Politik hat sich noch nie in der Geschichte über die ökonomische Gesetze hinwegsetzen können. Aber sagen Sie das mal einem Politiker, der seine Wähler und ihre Einkommen dauerhaft zur Geisel nehmen kann. Der wird weiterhin teure und giftige Cocktails mixen und auf ein dickes „Danke!“ hoffen.
(Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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