Grüne Renditen statt rote Börsen

8. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Dieses Jahr steht botanisch gesehen im Zeichen der Schwanenblume. Hoffen wir, dass es kein schwarzer Schwan ist… bzw. dass nicht so ein Schwan versehentlich in meinem Blumenbeet landet, denn…

…seit wenigen Monaten bin ich stolzer Besitzer eines kleinen Gartens. Er ist handtuchgroß, obwohl ich noch nie ein 60 Quadratmeter großes Handtuch gesehen habe. Welche Freude! Meine Beiträge schreibe ich künftig zwischen Lilien, Iris, Akelei und etlichen bunten Blumentöpfen – im Schein einer alten Petroleumlampe. Im Hintergrund blüht eine Wand aus Milchtüten. Dazu aber später.

Zuvor musste ich fünf Thujas fällen. Diese hatte ich von meinem Vormieter „geerbt“. Er war so schlicht wie die Bäume selbst. Diese Gewächse werden auch Lebensbäume genannt, obwohl sie meist auf Friedhöfen wohnen. Sie werfen den ganzen Tag mit Schatten um sich, und das hauptsächlich bei Sonne. Thujas gehören nicht in einen Garten. Deshalb habe ich sie kurzerhand ermordet. Ich höre schon den Protest der zahlreichen Gutmenschen.

2014 steht für mich im Zeichen eines grünen Experiments. Ich werde nun ab und zu von meinen Erfolgen und Niederlagen berichten. Eigentlich bin ich ja insgeheim ein Botaniker, also etwas ganz anderes, als das, was ich sonst mache und über was ich sonst berichte. Wenn Sie mögen, begleiten Sie mich dabei, wie ich diese öde Ecke hinterm Haus zum Blühen bringe. Wie Sie schon wissen, sind Blumen das Lächeln der Natur. Und ich lächle in den kommenden Monaten mit ihnen um die Wette.

Neuigkeiten und Überlegungen

Inzwischen schreiben wir Anfang April. Keine besonderen Tage, nur um eine Stunde kürzer. Der Jetlag ist immer noch bedrückend, doch die Aussicht auf lange und helle Abende äußerst aufmunternd wie der Duft von 20 Hyazinthen, die mit den Narzissen und Tulpen um die Wette duften.

Die Beete füllen sich in diesem Jahr bedenklich schnell. Nach dem phänologischen Kalender ist die Natur jetzt vier Wochen zu zeitig unterwegs. Vor einem Jahr noch verfluchte ich mit klammen Fingern auf dem Balkon das Wetter, als ich mein Buch auf dem Balkon schrieb und mich die ersten Bienen auf der Flucht mitleidig belächelten.

Seit dem 25. März (!) gibt es in Gernsheim ersten Spargel direkt vom Bauern. Unter den schwarzen Folien herrschen tagsüber weit mehr als 30 Grad. Bislang war der 15. April der früheste Termin für die ersten Stangen. Aber in diesem Jahr ist die Natur verrückt, sagen die Bauern und freuen sich. Im Nachbargarten blüht der Kirschbaum – so majestätisch wie das Gehabe der Börsenkurse. Die Amseln sind jetzt täglich außer sich. Den Göttern sei Dank wegen dieser wettertechnischen Geschenke. Ein Frost – und alles wäre dahin.

Am Anfang macht ein Garten großen Spaß. Später viel Arbeit und ganz billig ist so etwas auch nicht. Ich schaue mich gerne um, was heute in den Gärten so „in“ ist. Über Primeln habe ich schon geschrieben. Rasen statt Gemüse gilt in diesen hektischen Zeiten als chic – wie auch Thujas und Bambus. Hauptsache wenig Arbeit und Sichtschutz vor anderen Leuten. Gehört das zu Biedermeier 2.0, dem Rückzug ins eigene Glück daheim?

Ich weiß es nicht, nur dass Gärten oft so leblos geworden sind. Oft leben in ihnen nur Formen der Wasserschlauch-Schlangen. Auch der Krokus gilt unter den Wasserschlauchschlangen-Züchtern als eine Sonderform einer Krokette. Den meisten Leuten fehlt heute einfach die Zeit. Verständlich, denn wenn man wegen des Aufschwungs ein Drittel mehr zu arbeiten hat – für ein Drittel weniger Lohn – bedeutet das statistisch gesehen eine Erhöhung des Wohlfühlfaktors um den Faktor Neun. Drei Mal drei macht Neun… Nicht wahr?

Gärten und Fensterbänke sind für Botaniker ebenso so verräterisch wie Leute im Bus für Psychologen. Ein Garten lässt leider viele Rückschlüsse auf ihre Bewirtschafter zu. Meiden Sie deshalb besser Leute mit Gartenzwergen zwischen den Primeln und auch Zeitgenossen, die sinnlosen Krach machen, also mit Hilfe von Zunge, Kehle und ihrer primären Leibesöffnung sinnlose, aber laute Töne von sich geben. Aber auch die Blumen mögen ihre Ruhe. Das wäre mein dringender Rat. Und noch ein paar Ratschläge… (—> Seite 2)


 

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2 Kommentare auf "Grüne Renditen statt rote Börsen"

  1. bluestar sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    seit Ihren künstlerisch wertvollen Blumenfotos Anfang des Jahres war eigentlich klar – Sie haben eine starke botanische Ader. Mit dem selbst gestalteten Zaun haben Sie sich nunmehr noch als Multitalent geoutet.
    Eine Frage habe ich aber doch: Was haben sie mit der ganzen Milch aus den 54 Tetrapaks gemacht ???
    VG aus Sachsen

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Bluestar,
      ich habe das ja mal studiert und war jahrelang Hobby. So ein kleiner Garten ist wirkliches Glück.
      Übrigens, unsere Nachbarn sind recht trinkfest in Sachen Milch 🙂 Die eine oder andere Tüte kam auch von mir.
      Mal sehen wie lange die sich halten in der Freiheit. Sonst muss ich im kommeden Wnter wieder von vorn anfangen.
      Viele Grüße!

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