Raum-Energie: Das tiefe Geheimnis der Natur

29. Mai 2011 | Kategorie: Aufgelesen, Zeitlos

Hans-Jörg Müllenmeister

Eröffnen wir nicht gleich mit einem Ruck die Pforten zum Mysterium „Raum-Energie“. In unserem Alltag „erzeugen“ wir Energie, wandeln sie um, transportieren, speichern und „verbrauchen“ sie, und das in verschiedenen Formen. In der Summe bleibt die Energiemenge aber gleich. Für die „Energie“ selbst haben wir keine Erklärung. Was ist also Energie eigentlich?

Physikalisch betrachtet, ist das die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Dabei lassen sich Energieformen ineinander überführen: aus chemischer Energie wird im Verbrennungsmotor Bewegungsenergie, aus Wasserkraft über Turbinen und Generatoren elektrischer Strom. Energie ist kein einheitlicher Stoff. Bei der Wärmeenergie bewegen sich molekulare Teilchen ungeordnet; beim elektrischen Strom geladene Teilchen geordnet in einer Richtung.

Die Dampfmaschine gab den Denkanstoss

Der Energiebegriff im naturwissenschaftlichen Sinne entstand erst spät im 19ten Jahrhundert zur Zeit der Dampfmaschine, geprägt von den Ideen der Thermodynamik: Der Physiker Hermann Helmholtz formulierte 1847 den Energieerhaltungssatz, bekannt als 1. Hauptsatz der Wärmelehre:
„Energie hat keine Quelle oder Senke, sie kann nur gewandelt werden. Diese lässt sich weder vernichten noch erzeugen und sie ändert nur ihre Erscheinungsform“.
Damit kann es auch kein Perpetuum Mobile (lat. perpetuus mobilis = ewig beweglich) geben, also eine Maschine, die ohne Energiezufuhr ständig Arbeit verrichtet. Damals war es en vogue, sich Maschinen auszudenken, die sogar mehr Energie erzeugten als man in sie hinein steckte. Das ist physikalisch natürlich ein Unding, denn einen Wirkungsgrad größer 1 gibt es nicht. Das ahnte schon im 15ten Jahrhundert das Genie Leonardo da Vinci. Trotz seines wachen Interesses stand er der Idee der perpetuierlichen Bewegung skeptisch gegenüber. Es gibt eine Zeichnung von ihm, anhand derer er die Unmöglichkeit eines Perpetuum Mobiles beweist, das mit beweglichen Massen am Umfang eines Rades arbeitet.

Radium, das perfekte „Perpetuum Mobile“

1898 extrahierte das Forscherehepaar Curie aus der Joachimsthaler Pechblende ein neues Element, das sie Radium nannten. Dieser kuriose Stoff benahm sich wie ein Perpetuum Mobile, denn er erzeugte quasi aus dem Nichts ständig Wärme und leuchtete zudem im Dunkeln. Die Welt war begeistert von dem kuriosen Material, das offensichtlich den Grundsätzen der Thermodynamik ein Schnippchen schlug. Zunächst galten Radiumverbindungen als gesundheitsfördernd; man nahm sie als Medikament gegen allerlei Leiden, sogar als Krebsheilmittel oder als Zusatz in Produkten, die im Dunkeln leuchteten. Noch bis Mitte der 1930er Jahre gab es Kosmetika und Genussmittel, die Radium enthielten. Hätte es damals schon den Begriff der Raumenergie gegeben, wäre das Element Radium zum Inbegriff jener Energie, die aus dem Nichts Energie bezieht. Schließlich brauchte dieser Stoff als geschlossenes System offensichtlich keinen „Input“, um Energie abzugeben – ganz im Gegensatz zur Kohle verzehrenden Dampfmaschine. Erinnern Sie sich noch an die legendäre Feuerzangenbowle? „Wat is eijentlich en Dampfmaschin“? fragte Prof. Bömmel seine Schüler. „Da stellen wir uns mal janz dumm“, erklärte er. „En Dampfmaschin is ne große schwarze Kasten (abgeschlossenes System), wo links de Dampf rein kommt (Input) und rechts wieder raus kommt“ (Output).

Eine Zeitlang blieb das Element Radium geheimnisumwittert in der Physik, denn woher Radium seine Energie bezog, war unerklärlich? Sie sehen daran, wie schnell etwas zum Mysterium avanciert, wenn es dafür keine plausible Erklärung gibt. Genau diese lieferte Albert Einstein durch seine Relativitätstheorie. In seiner berühmten Formel brachte er die Energie in einen erstaunlichen Zusammenhang mit der Materie: Energie ist gleich Masse mal dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit! Bezogen auf das Element Radium bedeutet das: es gibt Strahlungsenergie ab, indem es seine Kernteilchen „entlässt“ und dabei – und das ist entscheidend – an Masse verliert. Radium gebärt Tochterelemente bis hin zum Blei mit immer weniger Kernbausteinen. Das war es also. Mit dem Kernzerfall verlor das radioaktive Radium gleichzeitig Masse. Übrigens, unsere Sonne verliert pro Sekunde 4 Tonnen Masse und wandelt sie in Energie um. (—> Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Raum-Energie: Das tiefe Geheimnis der Natur"

  1. sx2011 sagt:

    Ich zahle 80000 Euro für eine Maschine, die mir garantiert für die nächsten 10 Jahre eine Dauerleistung von 1000W (elektrisch oder mechanisch) liefert ohne einen Brennstoff oder andere äussere Energiezufuhr (z.B. Licht, radioaktiver Zerfall) zu benötigen.
    Für 100W zahle ich 10000 Euro. Für 10W zahle ich 2000 Euro.

    So und damit haben wir das Problem: es gibt halt nur viele Ideen aber keine Beweise.

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