Ramsch ist wieder Ramsch

9. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die fallenden Ölpreise und das Debakel der US-Shale und Tight Oil Industrie verursachen die ersten größeren Schmerzen bei Junk Bonds. Der zwar absehbare nun aber beschleunigte Niedergang des Fracking-Hypes in den Staaten wird zahlreiche Anleger eine Menge Geld kosten…

Die fallenden Notierungen des Rohölpreises haben nun nach einigen Jahren auch manchen Anleger zum Taschenrechner greifen lassen. Noch vor wenigen Wochen war es für viele eine ausgemachte Sache, dass der Fracking-Boom in den USA eine große, langanhaltende Erfolgsgeschichte sein würde. Unangenehme Fakten wie die teils grotesk schwachen Bilanzen vieler Firmen sorgten nicht einmal für Stirnrunzeln. Nun, kaum ist der Ölpreis mal ein wenig deutlicher gefallen, zerfallen auch viele Träume vom schnellen Geld zu Staub. Der folgende Chart zeigt den Verlauf einer Anleihe des Unternehmens Sandridge, deren Preis sich in kurzer Zeit um mehr als 40% reduziert hat.

 2

Aktuell rentiert das Papier bei knapp 14%, keine Region, die sich für die Neuaufnahme von Krediten anbietet. Immerhin hält sich der Bond bisher noch besser als die Aktie, die vom Top nun 97% verloren hat. Das alles konnte natürlich niemand ahnen, denn die Eigenkapitalrendite von minus 46% zum Ende des Jahres 2013 klang fast so gut wie die Zahlen so mancher „proven winners“ aus der Netzwelt. Auch die Zinsbelastung, die sich schon im Vorjahr auf knapp 16% des Umsatzes (!) belief, konnte die Anleihekäufer nicht verschrecken. Der gute alte Shale Gas-Hype ist nicht mehr als ein ökonomisches Debakel.

Deutliche Spuren hat der Absturz der Anleihen des Sektors im gesamten High Yield-Segment hinterlassen. Die Spreads der Ramschanleihen aus dem Energy & Explorer Sektor liegen im Mittel derzeit um einige Prozentpunkte höher als die der anderen Sektoren. Viele Unternehmen werden in den kommenden Quartalen um eine Umstrukturierung oder eine Pleite nicht herumkommen. Das alte Modell „immer mehr Öl und Gas fördern um damit die laufenden Kosten zu decken“ funktioniert naturgemäß bei fallenden Preisen nicht sonderlich gut.

Dem in den letzten Jahren noch einmal stark aufgeblasenen High Yield-Markt sollten jedenfalls turbulentere Zeiten bevorstehen. Schon im laufenden Jahr wurde auf Jahresbasis das vierthöchste Ausfallvolumen seit Datenerhebung gemessen. Der Blick auf das Emissionsvolumen und die stets mit einigem Zeitverzug verzeichneten Ausfallrekorde sollte den einen oder anderen Anleger nachdenklich stimmen. In diesem Segment zahlt es sich meistens aus, nicht als letzter nachzudenken.

3

Auch im Vergleich zum Aktienmarkt zeigt der High Yield Markt sich mittlerweile widerspenstig. Seit geraumer Zeit bewegte sich der Markt seitwärts, derzeit ist der Modus eher leicht abwärts. Sollten größere Abgeber auftreten, dürften sich wieder Luftlöcher in den Charts auftun, die die Indizes schnell einige Punkte kosten dürften.

1

Rasche zweistellige Verluste sind am High Yield Markt historisch keine Seltenheit. Investoren, die sich in diesem Bereich auskennen, wissen das und sind vorbereitet. Was generell besorgniserregend ist, ist der hohe Anteil unbedarfter Anleger, darunter viele institutionelle, wie etwa Pensionskassen, die denken, beim Junk Segment handelt es sich lediglich um eine qualitativ etwas schwächere Kopie des Investment Grade Marktes. Das ist ein Irrtum, der sehr teuer werden kann. Bei Fragen zu Ihrer Rente wenden Sie sich also an Ihre Pensionskasse oder das entsprechende Versorgungswerk.

Bei High Yield Bonds hat der Anleger es mit einer komplett anderen, eigenständigen Assetklasse zu tun. Wer das akzeptiert und sein Handeln und seine Allokation entsprechend steuert, dem kann das Schlimmste noch erspart bleiben. Die massiven Abflüsse von US Anlegern bei gleichzeitig deutlichen Zuflüssen europäischer Investoren sind jedoch kein Zeichen wachsenden Verständnisses in Europa. Viel Spaß beim Einzahlen!




 

Schlagworte: , , , , , ,

2 Kommentare auf "Ramsch ist wieder Ramsch"

  1. bluestar sagt:

    „Viel Spaß beim Einzahlen“
    Ja, diese Europäer. Kulturvoll, fleißig und dumm.
    Gut, dass unser Imperium solch vorbildliche Vasallen hat.

  2. Avantgarde sagt:

    Ich kann dazu nur sagen :was zu erwarten war…..

    Fracking ist war und bleibt eine Verzweiflungstat.
    Oekonomisch unsinnig und ein oekologisches Disaster.

    Allerdings glaube ich kaum, dass der momentane Oelpreisknick so fortbestehen wird.
    Die Preise werden wieder steigen und das Fracking temporaer somit wieder profitabel werden.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.