R.I.P. – Konservatismus in den USA

25. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Wie Präsidentin Clinton wohl mit einem feindseligen Kongress umgehen wird“ – das fragt sich die Financial Times jetzt schon. Die Zeitung mit dem rosaroten Papier wartet nicht darauf, dass die Stimmen ausgezählt werden…

Viele Republikaner haben auch aufgegeben, Donald Trump ins Weiße Haus zu bringen. Sie vernachlässigen ihn wie ein altes Stück Käse; in der Hoffnung, dass der Geruch nicht an ihren Kleidern hängen bleibt. Sie haben nur ein Ziel:

Sie wollen wiedergewählt werden. Und so wird die Präsidentschaftswahl des Jahres 2016 immer kurioser.

Was für ein Spektakel!

Statt nur seine Gegnerin und ihre Politik zu attackieren – das sind ja eigentlich einfache Ziele – zielt Mr. Trump nun auch auf seine eigenen Parteifreunde.

Niedergang der Republikaner

Generell betrachtet sind wir aktuell Zeugen des Zusammenbruchs der Republikanischen Partei, der als Folge des Sumpfs der eigenen Widersprüche und Streitereien zu beobachten ist.

Es wäre für das Tagebuch wahrlich zu viel, den langfristigen Hintergrund dieses epochalen Niedergangs tiefer zu beleuchten. Aber wir lassen es uns nicht nehmen, in relativ kurzer und prägnanter Form den Niedergang zu analysieren:

Seit vielen Jahren vertreten die Republikaner (GOP) die Stimme des Konservatismus. Es ging dabei vornehmlich um die bittere Erfahrung der Generationen vor uns. Die Botschaft lautete angesichts der Erfahrungen immer, uns vor BIG Government zu hüten, zu schützen.

„Die Regierung klein halten“, hieß es. Und auch demütig und unter Kontrolle. Die Budgets müssen ausgeglichen sein, die Steuern niedrig und die Begehrlichkeiten begrenzt. Und sich vor allem auch an die Verfassung halten.

Traditionell mißtrauten Konservative staatlichen Sozialprogrammen. 1961 warnte Eisenhower sie davor und riet, auch dem Militär zu misstrauen; er kannte es besser als jeder andere.

Die alten Konservativen betrachteten die Regierung als „notwendiges Übel“. Aber wie beim Heroin oder Facebook, wussten sie, dass der Punkt der sinkenden Grenznutzen schnell erreicht werde. Das ist die Botschaft, mit der Ronald Reagan das Weiße Haus im Jahr 1980 und 1984 gewann:

Weniger ist mehr.

Aber dann, in den 1980er Jahren, entstand eine neue Art von „konservativ“. Ein Deep State-Konservativer, der die schlechtesten Eigenschaften von links und rechts kombinierte: ein großer Spender im In-und Ausland. Er sah die Regierung als Werkzeug, mit dem er Geld und Macht zu sich und seinen „Deep State“-Freunden transferieren konnte.

Diese neue „Gattung“ übernahm die Republikanische Partei; echte Konservative verschwanden allmählich aus dem öffentlichen Leben; und ohne den Widerstand der alten Konservativen war es unmöglich, die Ambitionen der Weltverbesserer zu zügeln

Sogar Präsident Reagan wies einige der größten Haushaltsdefizite, die jemals in Friedenszeiten gemacht wurden, aus; ein Phänomen, das in den ausgezeichneten Memoiren von Reagans Budgetberater David Stockman,Triumph of Politics, näher ins Gedächtnis gerufen werden kann.

Und die Republikaner segneten alle irrsinnigen Kriege ab: gegen Armut, Drogen, Terrorismus und vor allem gegen die Märkte.

Im Jahr 1990 kündigte George H. W. Bush, der Reagans Vizepräsident war und nun selbst Präsident, eine neue Weltordnung an.

Wie oder was ist das für einen alten Konservativen … die ganze Welt neu zu gestalten!

Sein Sohn machte damit weiter. Er unterzeichnete jeden bekloppten Vorschlag, der auf seinen Schreibtisch kam. Einschließlich der größte einzelnen Maßnahme zum Ausbau des Wohlfahrtsstaats seit fast 40 Jahren: Medicaid Teil D, eine sehr große Subvention für die Pharma-Industrie. Und er startete einen „Krieg gegen den Terror“, der zur mehr oder weniger ständigen Subvention für die Terror-Industrie geworden ist.

Die Regierung „klein halten“?

Demut?

Vergessen Sie es!!!

Pseudo-Konservativer

Bei Donald Trump wurde das Wort Pseudo-Konservativer tatsächlich zu „Fleisch“; der ultimative Pseudo-Konservative!

Es gibt keine Spur von Konservatismus bei ihm – weder in seinem privaten noch in seinem öffentlichen Leben … weder in seinen Geschäftspraktiken (er ist der „König der Schulden“) noch in seinen Programmen für die USA.

So weit wir das beurteilen können (wir zweifeln mittlerweile daran, dass er sich selbst kennt), hat er kein Interesse daran, den Bundeshaushalt auszugleichen oder die Staatsausgaben zu senken. Er wird die Massenüberwachung des amerikanischen Volkes fortsetzen. Er wird die Wohlfahrtsstaats-Zombies nicht beschneiden; und er wird auch die alten Kriegshunde nicht zähmen.

Er schlägt nicht vor, die Regierung generell im Zaum zu halten. Er verspricht nur, Big Government besser arbeiten zu lassen. Und das ist genau das, was überhaupt nicht möglich ist. Die wahren Konservativen wissen das.

Aber was verursachte wirklich den Zusammenbruch des Konservatismus in Amerika?

Unsere Ansicht über den Untergang des Konservativismus teilen viele. Aber unsere Ansicht darüber, was die wahre Ursache des Niedergangs ist, nicht: Folgen Sie dem Geld..

Quelle: Kapitalschutz-Akte
R.I.P. – Konservatismus in den USA (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "R.I.P. – Konservatismus in den USA"

  1. bluestar sagt:

    Konservative und Demokraten sind die Bestandteile eines klebrigen Einheitsbreis wie bei uns die Blockparteien, zur Sicherung von Macht und Einfluss der Schmarotzer aus Finanzindustrie und MIK.
    Da die unmündige, betreute Masse mit Brot und Spielen, Staats-TV und Systempresse bestens unterhalten und verdummt wird, wird sich daran kaum etwas ändern.
    Letztendlich entspricht das Niveau der Wahlen in Übersee wie auch bei uns dem geistigen Niveau der Wähler. Ja, ja, der sogenannte Souverän mag natürlich nicht den Spiegel und schon gar nicht die geistige Mühe und Anstrengung, sondern das Gemecker auf die Politiker, welche er dann aber doch wieder wählt.

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