Qualen nach Zahlen

28. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Vergangenheit soll man ruhen lassen wie die Toten oder alte vergangene Beziehungen. Die D-Mark kommt beidem sehr nahe. Viele Leute wünschen sie sich zurück…

In einer Umfrage in der „Welt“ stehen noch 19 Prozent der Deutschen hinter dem Euro. Das ist eigenartig. Vielleicht kenne ich die falschen Leute? Wir haben vom Euro doch so wahnsinnig profitiert, heißt es im Fernsehen. Vielleicht wurden ja auch bloß die falschen Leute befragt. Wer weiß? Da draußen hört nicht viel Gutes über den Euro. Man schimpft über die steigenden Preise und schiebt sie dieser ungeliebten Einheits-Kunstwährung in die Schuhe. Apropos…

Ich bin neulich einem alten Schuhkarton mit ebenso alten Dokumenten über den Weg gelaufen. Ich weiß nicht, wer sich dabei mehr erschrocken hat. So sorgfältig ich meine Finanzen in Ordnung halten, so akribisch archiviere ich die alten Rechnungen für die Geldeintreiber aus dem Finanzamt. Oft ist die Zeit schneller als sie und auch schneller, als der Autor dieser Zeilen die alten Schachteln entsorgen kann – bis man sich wieder sieht.

Doch was ist das? Hier ist eine alte Telefonrechnungen aus dem Jahr 1994 von der Deutschen Delle-Komm. Flirten war damals noch teuer: 1,20 D-Mark kostete eine Minute tagsüber. Man musste schon genau überlegen, mit dem man seine Zeit telefonisch verbrachte. Einmal falsch parken kostete damals in Halle an der Saale fünf Mark. Ach, hätte ich doch auf den Überweisungsträger „Für diverse Gefälligkeiten“ geschrieben. Das hätte ein Lachen oder einen Vorgang ausgelöst.

Und was ist das? Ein Liter Benzin kostete 1992 noch 1,35 DM. Fünf Jahre später waren es 1,61 DM. 1997? Schauen Sie hier: Meine Stromrechnung. Damals zahlte ich für 2120 Kilowattstunden stolze 703,85 DM. Schnell gerechnet, ergibt das 33 Pfennige für eine solche Kilowattstunde, an der sich die Glühbirnen und auch der alte Ölradiator labten. Das waren noch Zeiten, in denen Ölraditoren, modisch schick, das Wohnzimmer schmückte und man geschätzt über sie redete. Irgendwann wurde er dann bei einer Sperrmüllaktion achtlos vor der Haustür abgestellt.

Heute kostet eine Kilowattstunde Strom umgerechnete 46 Pfennige. Die Ölradiatoren gibt es nahezu kostenlos, was Statistikern recht geben sollte: So kann es eine Inflation geben. Und es lebe die Liberalisierung des Strommarktes.

Wikipedia hält einige interessante Rechnungen bereit. Lag damals der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen in der Stromrechnung noch bei rund 25 Prozent. Inzwischen ist dieser Anteil auf 45,6 Prozent angestiegen.

Unter Strom

Ach, hätte ich doch vor ein paar Jahren eine Solaranlage auf mein nicht vorhandenes Dach gebaut oder in den noch weniger vorhandenen Garten. Dann bekäme ich für jede dort produzierte Kilowattstunde einen halben Euro. So zahle ich nur die Stromrechnung, mit der die Geldflüsse von den Verbrauchern zu den Leuten mit Solaranlage umverteilt werden. Ein schlechtes Geschäft: Die bis Ende 2010 installierten Solaranlagen werden die Stromkunden bis 2025 geschätzte 81,5 Milliarden Euro kosten, berechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Und dann kommen ja noch die neu installierten Anlagen samt Wind und anderer politisch korrekten Energieformen zur Rettung der Eisbären hinzu. RWI beziffert allein die Solarkosten für die neu zu installierenden Anlagen bis 2020 auf weitere 42 Milliarden Euro.

Ich schweife ab… (Seite 2)

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9 Kommentare auf "Qualen nach Zahlen"

  1. braindead sagt:

    wie immer klasse geschrieben (-;

    zum Thema Strom/Energie falls jemand echte Alternativen sucht
    sollte man sich mal etwas Zeit nehmen, Blogleser muß ich nicht auffordern das Hirn ein zu schalten … alle anderen bitte ich höflich das selber denken zu aktivieren und die Reizwortschublade der Vorurteile fest unter Verschluss zu halten.

    Und hinsetzten auch wenn man glaubt es erschüttert einen nichts mehr

    bio-wasserstoff.de


    @Frank wenn ich links z.B. ohne www. reinsetzte spart das Ihnen Arbeit?

  2. Hans im Glueck sagt:

    Guter Artikel!

    Untern Strich mit dem € haben sie uns verarscht bzw. noch nicht mal gefragt.

    Kurz nach der Einführung erinnere ich mich noch, dass z.b im Saturn die Preise für Fernseher genau umgerechnet wurden. So wurden die Preise sehr „Krumm“ wie z.B € 874,23, naja schnell wurden Sie „angeglichen“.

    Ich versuche immer noch unzurechnen wenn ich ein „Schnäppchen“ sehe und meistens stellt sich dann heraus das kein „schnäpchen“ ist.
    Aber manchmal vergesse ich es doch noch umzurechnen und schon haben sie einen „an den eieren“.

    Gruß,

    Hans im Glück

  3. silberlocke sagt:

    Apropos Schuhkarton,
    mir fiel vor ein paar Tagen auch wieder ein alter Schuhkarton in die Hände mit vielen bunten Papierschnipseln darin auf denen u.a. Zahlen aufgedruckt sind, die mit den aktuellen Rettungsschirmchen und sonstigen Zahlenspielen locker mithalten können. Diesen Karton aus den 20iger Jahren des letzten Jahrtausends hatte mir vor vielen Jahren meine Oma überlassen, damit mir immer vor Augen geführt würde was aus Papiergeld irgend wann mal werden kann.
    Eine Umrechnung lohnt im Gegensatz zu den obigen Berechnungen nicht wirklich, auch wenn für das eine oder andere Milliönchen inzwischen bei ebay ein paar Euronen zu erzielen sind. Was für eine Rendite in knapp 90 Jahren 🙂

  4. Johannes sagt:

    Also das mit den Stromrechnungen finde ich interessant.

    Grundsätzlich könnte man mal schnell drüber gelesen sagen, knapp 40% Erhöhung seit 1997 von 33 auf 46 Pfennige.

    Stimmt ja auch, sind ja auch 40% mehr, die wir zahlen müssen.

    Interessanter jedoch finde ich dann doch die Netto- Preise, wenn die Wiki- Angaben stimmen.

    Brto 33 Pfennige bei 25% Steuern ist Netto 24,75 Pfennige

    Brto 46 Pfennige bei 45% Steuern ist Netto 25,02 Pfennige

    Netto gab es eine Preissteigerung von ca 1%, Brutto von knapp 40%, dank dem Staat.

    Man kann in diesem Falle weder den Stromkonzernen, noch der Liberalisierung, noch der „Inflation“, noch dem Euro die Schuld geben, sondern lediglich dem Staat.

    Da es heute bei uns sehr heiß ist, bitte ich Rechenfehler zu entschuldigen. 😉

  5. Qualen nach Zahlen » Rott & Meyer sagt:

    […] den Originalbeitrag weiterlesen: Qualen nach Zahlen » Rott & Meyer Bookmarken Sie uns, Danke! Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen […]

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  7. rolandus sagt:

    und richtig brutal werden ja die Preisveränderungen im Eintrittsbereich :
    z.B. Schwimmbäder in HH
    1988 : 2,50 DM ,
    2000 : 3,50 DM
    2007 : 4 €
    2011 : 6 €

    ….in einer Stadt, wo die Kassen leer sind, weil die Elbphilharmonie immer noch nicht fertig ist und Dr No in seinem Kinderzimmer eine elektrische Eisenbahn, für mindestens 3 Mio, aufgebaut hat.

    Und weit und breit kein Volkszorn oder gar agent provacateurs …Hmmm

    Schön Gruß ins Ried dem baldigen Geburtagskinde
    rolandus

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