QE und der Goldpreis

18. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Die nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung der US-Geldmenge M2, dargestellt als Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Mrd. USD.

Wie zu erkennen ist, nahm der Zuwachs von M2 in 2009 und 2010 ab. Das lag vor allem an der sich abschwächenden Bankkreditvergabe (die übrigens bereits 2008 begann nachzulassen). Denn es ist vor allem die Bankkreditvergabe, durch die die Geldmenge M2 ausgeweitet wird, und es ist ein Schrumpfen der Bankkredite, die einen Rückgang der Geldmenge M2 bewirkt.

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Als Reaktion auf die Krise begann die Fed Ende 2008, den Banken Anleihen abzukaufen. Das Ergebnis war, dass die Basisgeldmenge in den Händen der Banken anstieg. Das Basis-Geldmengenausweiten erreichte die Geldbestände der Nichtbanken wie Unternehmen und private Haushalte jedoch nicht – und folglich ließ der Zuwachs der Geldmenge M2 nach. Dann jedoch, ab Beginn 2011, zeigte sich, dass die Basisgeldmenge und gleichzeitig auch der Zuwachs der Geldmenge M2 anstiegen.

Der Grund dafür dürfte sein, dass die Fed nun auch Anleihen kaufte, die bislang von Nichtbanken (wie Versicherungen, Pensionskassen, privaten Sparern etc.) gehalten wurden. Der Aufkauf dieser Anleihen hat dazu geführt, dass die Fed den Verkäufern den Verkaufspreis direkt auf deren Konten überwiesen hat, und diese Konten sind Bestandteil der Geldmenge M2. Mit anderen Worten: Die Anleiheaufkaufpolitik der Fed trug entscheidend dazu bei, dass die Zuwächse von M2 sich nicht weiter abgeschwächt haben.

Schaut man auf die jüngste Entwicklung seit Mitte 2012, so zeigt sich, dasssich die Bankkreditvergabe wieder abgeschwächt hat und dass nur durch die Anleihekäufe der Fed ein Abschwächen der Geldmengenzunahme verhindert worden ist. Steigt die US-Zentralbank jetzt aus der Politik der Anleihekäufe aus, so würde das aller Voraussicht nach zu einer Abschwächung des M2-Zuwachses führen – und das wiederum dürfte eine Abschwächung der Konjunktur auslösen, etwas, das man bislang mit allen Mitteln zu „bekämpfen“ versuchte.

Angesichts dieser Überlegungen erscheint daher ein unmittelbarer Ausstieg aus dem QE-Programm ökonomisch gar nicht praktikabel – entgegen den vielfachen Andeutungen der Fed-Repräsentanten. Das heißt natürlich nicht, dass der Zentralbankrat nicht doch bald eine Verkleinerung des Anleihekaufprogramms ausrufen könnte (vielleicht schon im September).

Die obigen Überlegungen legen jedoch nahe, dass eine solche Politikumkehr wohl nur von kurzer Dauer sein würde, dass also die US-Zentralbank, angesichts der dadurch verursachten Konjunkturverlangsamung, vermutlich relativ rasch wieder zur QE-Politik zurückkehren würde, um die Zinsen „künstlich“ tief zu halten (in einer Bandbreite von, wie wir schätzen, 2,5 bis 3,0 Prozent).

Für Investoren lassen sich daraus vor allem zwei Schlussfolgerungen ziehen:

(1) Der Zinsanstieg mag sich zwar temporär noch etwas fortsetzen, aber eine Rückkehr der Zinsen zu „normalen Höhen“ ist nicht sehr wahrscheinlich. Sollte sich (2) die Erwartung auf den Finanzmärkten durchsetzen, dass es keine endgültige Abkehr von der QE-Politik geben wird – vor allem nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika –, könnte das dem Goldpreis mittelfristig wieder (deutlich) Auftrieb verleihen.
© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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Ein Kommentar auf "QE und der Goldpreis"

  1. 4fairconomy sagt:

    Das System ist doch offensichtlich abhängig bzw. süchtig nach immer neuem Geld. Irgend wann kann die FED gar nicht mehr rasch genug neues Geld drucken, um die Zinsen zu drücken. D.h. die steigenden Zinsen bremsen die Konjunktur schneller, als das Gelddrucken die Konjunktur anzukurbeln vermag. Dann ist wohl bald game over.

    Sind die Zinsen wirklich künstlich zu tief oder eher künstlich zu hoch? Schliesslich mangelt es nicht an Geld in Anbetracht des Investitionsbedarfs der Wirtschaft. Das Geld fliesst nur nicht in produktive Kanäle, sonder verweigert sich diesen im grossen Stil, was die Gewinnaussichten in der Realwirtschaft verringert und zu noch mehr Kreditrestriktionen führt. Ein Teufelskreis. Die Zinsen für Unternehmen sind künstlich zu hoch, weil das Geldangebot künstlich verknappt wird. Die FED-Massnahmen sind nur untaugliche Mittel, um dieser Angebotsverknappung beizukommen. Not-wendig ist eine Gebühr auf Liquidität, damit diese vermehrt angeboten wird und die Realwirtschaft erreichen kann. Dann werden die Zinsen auch stets zum Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren führen und stets die Konjunktur abbilden. Und dann wird es auch kein QE mehr benötigen, im Gegenteil, die Geldmenge wird viel knapper gehalten werden müssen.

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