QE und der Goldpreis

18. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit 

Seit Mai 2013 ist die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe von etwa 1,60 Prozent auf mittlerweile knapp 2,80 Prozent gestiegen. Steigende Zinsen sind ein starker Gegenwind für den Goldpreis. Die Goldnachfrage lässt tendenziell nach, wenn die Zinsen steigen, denn das Halten von Gold „verteuert“ sich…

Dem Investoren entgehen Zinseinnahmen. Der jüngste Zinsanstieg hatte vor allem eine Ursache: Die amerikanische Zentralbank (Fed) hat angedeutet, sie wolle angesichts sich verbessender Wirtschaftsdaten ihr Anleihe-Aufkaufprogramm möglicherweise bereits schon im September des laufenden Jahres zurückfahren. Die Politik der Anleihekäufe wird als „quantitative easing“ oder kurz „QE“ bezeichnet.

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Im Zuge der QE-Politik kauft die US-Zentralbank derzeit im Kapitalmarkt Anleihen in Höhe von 85 Mrd. USD pro Monat. Dadurch hebt sie zum einen die Anleihekurse künstlich an, senkt also die Anleihezinsen ab. Zum anderen führen die Anleihekäufe zu einer Ausweitung der (Basis-)Geldmenge, da die Zentralbank die Anleihekäufe mit neuem, sprichwörtlich „aus dem Nichts“ geschaffenem Geld bezahlt.

Durch ihre unbegrenzte „Kaufmacht“ übt die US-Zentralbank einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Zinsmärkte aus: Nicht nur die Renditen der Staatsanleihen werden durch die QE-Politik nach unten gedrückt, sondern auch die Renditen nahezu aller anderen Schuldtitel. Eine zentrale Frage, die viele Investoren und vor allem Edelmetallinvestoren derzeit umtreibt, lautet: Wird die Fed ihre Anleihekäufe tatsächlich zurückfahren oder gar einstellen?

Wenn es gilt, diese Frage zu beantworten, bietet es sich an, die US-Geldmengenentwicklung seit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise näher zu betrachten…(Seite 2)

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Ein Kommentar auf "QE und der Goldpreis"

  1. 4fairconomy sagt:

    Das System ist doch offensichtlich abhängig bzw. süchtig nach immer neuem Geld. Irgend wann kann die FED gar nicht mehr rasch genug neues Geld drucken, um die Zinsen zu drücken. D.h. die steigenden Zinsen bremsen die Konjunktur schneller, als das Gelddrucken die Konjunktur anzukurbeln vermag. Dann ist wohl bald game over.

    Sind die Zinsen wirklich künstlich zu tief oder eher künstlich zu hoch? Schliesslich mangelt es nicht an Geld in Anbetracht des Investitionsbedarfs der Wirtschaft. Das Geld fliesst nur nicht in produktive Kanäle, sonder verweigert sich diesen im grossen Stil, was die Gewinnaussichten in der Realwirtschaft verringert und zu noch mehr Kreditrestriktionen führt. Ein Teufelskreis. Die Zinsen für Unternehmen sind künstlich zu hoch, weil das Geldangebot künstlich verknappt wird. Die FED-Massnahmen sind nur untaugliche Mittel, um dieser Angebotsverknappung beizukommen. Not-wendig ist eine Gebühr auf Liquidität, damit diese vermehrt angeboten wird und die Realwirtschaft erreichen kann. Dann werden die Zinsen auch stets zum Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren führen und stets die Konjunktur abbilden. Und dann wird es auch kein QE mehr benötigen, im Gegenteil, die Geldmenge wird viel knapper gehalten werden müssen.

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