Putin schießt DAX ab!

31. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nicht doch! Seit dem Hoch hat der DAX 600 Punkte verloren. Entgegen aller Überzeugungen sind die gefühlt-gefeierten 50 Prozent Plus bei den Aktien weg. Seltsam, dass man noch nicht Putin als den wirklich Schuldigen ausgemacht hat. Kann ja noch kommen… 

Die Zeit rennt, und der Zeitgeist hinterher. Zum Zeitgeist gehört ja inzwischen auch, dass sich manche Journalisten in Sachen Osteuropa nicht nur in den Wahn schreiben, sondern vermeintlich auch in einen dritten Weltkrieg. Manche könnte man mit ihren kreischenden Texten Schreibtischtäter nennen. Ich hatte vor dem Kopieren von Agenturnachrichten gewarnt… 

Allein der Börsenwert des DAX ist in den letzten Tagen um 60 Milliarden Euro gefallen. Allerdings dürfte der „Schaden“ weit größer sein, den die teils wahnsinnigen Schreiberlinge dem Putin mit einem „Putin vernichtet Börsenwert!“ oder „Putin vernichtet Ihre Rente!“ oder „Putin lässt Sparer zittern!“ in die Schuhe schieben könnten. Vielleicht gibt es Sammelklagen? Heute ist alles denkbar…

Nun ist es also weg, das Plus beim DAX in diesem Jahr. Seltsam, wenn sich Märkte nicht an Vorgaben halten. Der aufgeblasene „Performance-DAX“ liegt jetzt sogar 1,5 Prozent hinten – trotz Fußball-WM, trotz Vollbeschäftigung, trotz Null-Zinspolitik, trotz aller Zuversicht und trotz aller Alternativlosigkeit der Aktien, von der die meisten Experten reden. Der DAX-Kursindex hat noch nicht mal ein neues Hoch verzeichnen können. Der DAX an der Tafel ist ge-botoxt, der echte weit schwächer als geglaubt. Und dabei stehen die berühmten Crash-Monate vor der Tür… und die Zinswende… und Frau Yellen und der Weihnachtsmann – und die Experten in der Öffentlichkeit.

Die Leser unseres Blogs wissen schon, dass die Umsätze der 30 DAX-Unternehmen im letzten Jahr (völlig überraschend) gefallen sind, während die Gewinne stiegen. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal fort. Mit der Vorlage der Zweitquartalszahlen scheint es den „Anlegern“ aber zu reichen. Gewinnsteigerungen von heute kommen nicht mehr wie früher durch mehr Umsatz zustande, sondern durch Einschnitte auf der Kostenseite. Wann ist dieser Schlüssel überdreht?

Normalerweise müsste man seit geraumer Zeit sagen, der Drops ist gelutscht. Doch Börse hat heute weniger mit Wirtschaft zu tun, sondern mehr mit Bilanzierungstricks, Geldpolitik und orakelhaften Einlassungen der Firmenchefs. Manche lassen sich dann die Rolex an der Hand retuschieren (Kleinfeld). Manche flüchten übers Dach aus einem Gerichtsgebäude (Middelhoff). Wir werden noch viel Spaß haben, und das nicht nur an der Börse. Dort ist immer Show-Time angesagt. Und es ist nicht gesagt, dass es auch zu einem Show-Down kommen muss. Weil: „The show must go on!“. 

Die Frage, die sich später in den Vordergrund stellt ist jene, ob der vermeintlich sichere Hafen der Staatsanleihen wirklich sicher ist. Das ist aber Zukunftsmusik.


Man hat jetzt wochenlang beobachten können, dass mit der Stärke der Aktienmärkte die Anleihen gestiegen sind. Das legt nahe, dass es Umschichtungen aus Aktien in Anleihen gegeben hat, in die Stärke des Aktienmarktes hinein. Wenn es zum Schwur kommen sollte, was ja völlig ausgeschlossen ist, dann wird sich zeigen, wie zahlungsfähig Staaten sind. Von daher ist der Sachwertcharakter einer Aktie nicht zu unterschätzen. Ich meine mit „Sachwert“ nicht Finanztitel, obwohl deren Sachwert in ihrer inzwischen errungenen Macht gegenüber allen liegt. Wer finanziert eigentlich einen Staat? Siehste!

Man sollte es ja kennen: Wenn Börsen auf einem nominalen Allzeithoch stehen, dann sind die Preise für Aktien dort besonders billig. Spottbillig. Der Spott folgt später. Aber dann haben die Experten ganz andere Ideen. In den nächsten Tagen werden wir wie immer zu hören bekommen, dass Schnäppchenjäger unterwegs sind, wenn es mal Pluszeichen gibt. Dann wird es Erklärungen regnen, warum die Börse weiter steigen muss und noch anderen Unsinn von Leuten, die in der Mehrheit Unsinn zu verkaufen wissen. Minuszeichen sind immer Chancen und Pluszeichen ohnehin unausweichlich – bzw. eine Frage der Zeit, rufen die Experten mit eingeschaltetem Heiligenschein und treffen auf immer noch genügend Leute, die ihrem Zinnober auch noch glauben…



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