Pure Mathematik

25. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Statistik hat zwar oft nichts mit Realität zu tun, ist aber oft sehr unterhaltsam. So haben doch Fachleute ausgerechnet, dass der DAX unter einer SPD-Regierung nur um 1,7 Prozent im Jahr stieg und unter einer CDU-Regierung 11,3 Prozent…

Zumindest besagt das eine Studie der Vermögensverwaltungen Source 4 Alpha und Capitell, schwarz wäre gut für Aktionäre. SPD`ler mögen an der Stelle einwenden, dass man die Drecksarbeit macht, deren Lorbeeren die CDU dann immer einheimst – oder so. Doch eigentlich ist das egal, denn wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten, sagte Kurt Tucholsky. Diesmal könnte es anders sein.

Als gesichert dürfte hingegen gelten, dass wir langfristig alle tot sein werden. Schade eigentlich, denn in 100 Jahren steht der Dow Jones bei einer Million Punkte, meint Starinvestor Warren Buffet. Und der muss es ja wissen. Oder sein Taschenrechner? Der Laie staunt und der Experte wundert sich. Was als Sensation daher kommt, ist pure Mathematik. Wenn man den US-Börsen unterstellt, sie steigen nur um vier Prozent im Jahr, würde der US-Leitindex im Jahr 2113 tatsächlich bei einer Million Punkte notieren.

Deutsche Aktien haben seit 1980 statistisch gesehen sieben Prozent jährlich geschafft. Sollte sich die Entwicklung so fortsetzen, wäre im Jahr 2081 die Millionenmarke geknackt. Was man sich dann für einen DAX kaufen kann, weiß niemand, bestimmt aber mehr als für einen Geldschein aus heutiger Zeit, sollte es dann den Euro überhaupt noch geben.

Wer auf herkömmliche Art spart, wird zwar nominal nichts gewinnen und auch nichts verlieren, real aber arm dran sein. Kleines Beispiel? Wenn alles offiziell jedes Jahr zwei Prozent teurer wird, bleiben von 100 Euro heutiger Kaufkraft noch 13 Euro übrig – und bei drei Prozent sagenhafte 4,60 Euro. Reine Mathematik! Wahrscheinlich reichen 100 Euro dann nicht mal für eine Maß Bier zum Oktoberfest.

Später werden unsere Urenkel über unseren heutigen Glauben an stabiles Geld staunen und sich erinnern, wie der Euro als Einheits-Währung startete, dann aber irgendwann nur noch zum Einheizen taugte.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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Ein Kommentar auf "Pure Mathematik"

  1. Insasse sagt:

    Mathematisch alles richtig. Nicht eingerechnet wurde allerdings der Faktor Psychologie. Diese schwingt ja seit dem Jahr 2015 in Form des muttivierenden „Wir schaffen das.“ nachhaltig in uns allen (ich erlaube mir ausnahmsweise und entgegen meiner guten Erziehung einmal die Anmaßung, insoweit für „uns alle“ zu sprechen 🙂 ). Für die Börse bedeutet dies zusätzlichen Schub und eine progressive Beschleunigung in Richtung einer Million. Nicht in 100, sondern in spätestens 50 Jahren ist es also soweit. Sollte ein plötzliche starke und schnelle Geldentwertung hinzukommen, wird es erfahrungsgemäß sogar noch schneller gehen. Denn dann wandelt sich das muttivierende „Wir schaffen das!“ in ein äußerst motivierendes „Rette sein Vermögen, wer kann.“ Langfristig also beste Aussichten für DAX und Co. – jedenfalls aus Sicht eines Lineardenkers. 😉

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