Preis versus Wert

22. September 2013 | Kategorie: Gäste

von Prof. Thorsten Polleit

“Preis” ist nicht dasselbe wie “Wert”. Hinter dieser Feststellung verbirgt sich keine sprachliche Spitzfindigkeit. Sie verdeutlicht vielmehr eine wichtige ökonomische Erkenntnis. Das soll im Folgenden gezeigt werden…


Preis

In einer Geldwirtschaft werden bekanntlich Güter gegen Geld getauscht. Güterpreise werden dabei in Geldeinheiten ausgedrückt. Beispiel: Ein Apfel kostet 0,5 Euro, eine Zeitung kostet 2 Euro. (Und das heißt, dass man eine Zeitung gegen vier Äpfel eintauschen kann.)

Die Geldpreise bilden sich (sieht man von staatlichen Eingriffen an dieser Stelle einmal ab) durch das Zusammenspiel zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Gütern am Markt. Der markträumende Preis ergibt sich dort, wo Güterangebot und –nachfrage zum Ausgleich gelangen. Hier bekommen alle, die eine Zahlungsbereitschaft in Höhe des markträumenden Preises haben, die von ihnen gewünschte Gütermenge. Und auch alle die, die bereit wären, einen höheren Preis zu zahlen, kommen zum Zuge; und sie brauchen „nur“ den tieferen Marktpreis zahlen.

Doch der Marktpreis (im obigen Beispiel 0,5 Euro für einen Apfel) zeigt nicht etwa den Wert des Apfels an. Weit gefehlt!

Wert

Um das zu verstehen, muss man sich zwei Dinge vor Augen führen.

Erstens: Der Wert liegt stets im „Auge des Betrachters“, er ist stets „subjektiv“. Ob etwas einen Wert hat, obliegt allein dem handelnden Menschen, der einem Gut einen Nutzen zuweist. Und dieser Nutzen ergibt sich daraus, dass eine Sache (ein Gut) dazu verhilft, ein Bedürfnis abzustellen. Für den Durstigen hat Wasser einen hohen Wert. Hat er seinen Durst jedoch gestillt, so hat Wasser einen nunmehr geringeren Wert – im Vergleich zu anderen Gütern (wie zum Beispiel Kleidung, Behausung etc.).

Zweitens: Ein freiwilliges Tauschgeschäft im freien Markt ist sowohl für Anbieter als auch Nachfrager vorteilhaft. Beispiel: Der Obsthändler verkauft einen Apfel für einen Euro. Offensichtlich ist ihm der Euro mehr wert als der Apfel. Beim Käufer verhält es sich genau umgekehrt: Er gibt einen Euro im Tausch für einen Apfel, weil er den Apfel höher wertschätzt als einen Euro. Mit anderen Worten: Tauschgeschäfte kommen in einem freien Markt zustande, weil (und nur weil!) die teilnehmenden Akteure den zu tauschenden Güter genau entgegengesetzte Werte zuweisen.

Der Marktpreis ist also nicht etwa der Wert, den die am Tausch Teilnehmenden dem Gut zuweisen. Für den Apfelverkäufer ist der Apfel vielmehr weniger wert als ein Euro. Und für den Apfelkäufer ist der Apfel mehr wert als ein Euro. Der Marktpreis zeigt „lediglich“ die Tauschrelation an, also wie viel Äpfel gegen Geldeinheiten eingetauscht wurden… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.