Portugal ist pleite! Wer nicht?

6. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Kommentar von Frank Meyer

Willkommen im Club! Na endlich! wird der eine oder andere sagen, von Sehnsucht nach dieser Schlagzeile am späten Abend zerfressen, vor allem, wenn man mit entsprechenden Kreditversicherungen darauf spekulierte… Ja, Portugal ist pleite. Na und? Wer ist der Nächte?

Wie jetzt? So ein Mist! Die Regierung ist nur „geschäftsführend“ im Amt? Ist das amtlich? Kann sie Hilfe beantragen oder nicht? Will sie einen Überbrückungskredit bis zu den nächsten Wahlen oder eine Rundumversorgung aus dem Rettungsschirm? Darf diese Regierung überhaupt einen Antrag stellen? Fragen über Fragen. Fragen Sie nicht!

Oder aber: Jetzt wächst in Europa endlich zusammen, was zusammen gehört – über den Weg der Schulden. Da der Maastrichter Vertrag vielleicht doch so keine so gute Idee war, hielt man sich auch nicht so streng daran. Schulden schweißen heute die Gebilde enger zusammen. Mein Kollege Rott hatte den Hilferuf vor vier Wochen schon mehr als vermutet und begründet…. (LINK)

„Wir können ja keine Panzer hinschicken und sie zur Annahme des Geldes zwingen“

sagte ein EU-Diplomat. Nun, das ist ja jetzt auch nicht mehr nötig.

Der Hilferuf passiert an einem so denkwürdigen Tag, an dem man doch noch neue Abnehmer für die neuen Schuldscheine finden konnte. Heimische Pensionskassen sollen kräftig zugeschlagen haben. Eine Börsenkollegin eines befreundeten Mitwettbewerbers wertete das als „gutes Zeichen“ und Quell der Hoffnung. Sie redet den ganzen Tag von Optimismus wie das Sandmännchen täglich seinen Sand verstreut – warum auch immer.

Portugals Regierung hat die EU-Kommission um Hilfe gebeten, um die Finanzierung der Wirtschaft sicherzustellen, sagte der geschäftsführende Ministerpräsident Jose Socrates. Er werde versuchen, die bestmöglichen Bedingungen für sein Land auszuhandeln. Kann er das? Was hat er zu verhandeln?

Socrates sagte nicht genau, welche Art von Hilfe sein Land wünscht. Kein Wunder, denn wenn das Wasser bis zur Oberkante der Oberlippe reicht, wird manches Wort etwas undeutlich. Der Wasserstand lässt sich an den Renditen der Staatspapiere ableiten. Zusammengefasst: Hoch. Zu hoch. Die permanenten Abstufungen durch unsere angelsächsisch geprägten Ratingagenturen haben also doch gewirkt. Zufrieden? Wer ist der Nächste, wird sich der Markt ab sofort fragen: Spanien? Vielleicht… (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Portugal ist pleite! Wer nicht?"

  1. Holla sagt:

    Ich glaube es Hackt,
    unbedingt lesen !!

    Vordergründig scheint Portugal mit seinem Hilfegesuch in Richtung Europa endgültig abzurutschen. Tatsächlich ist es ein Segen ??????????

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:hilfe-von-europa-portugal-verliert-die-euro-zone-gewinnt/60035905.html

    • Stuelpner sagt:

      „…, aber die Eurozone kommt einer Lösung ihrer Schuldenprobleme näher.“
      Stimmt doch, wenn wir das noch kombinieren mit einem Zitat vom Smart-Investor
      „halten wir es jedoch eher mit Wilhelm Busch: „Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!“ (Was sich mittlerweile jeder halbwegs denkende Deutsche einmal pro Woche durch den Kopf gehen läßt.)
      dann paßt doch alles.

      Wenn man den Artikel von der FTD liest, fragt man sich allerdings, wo sind die rausgekrochen.

      Aber sie wissen Bescheid, vorallem im Nachhinein:
      „Dass Portugal wie Irland ein Problem wird, war schon vor einem Jahr absehbar, als der Rettungsschirm für Griechenland vorbereitet wurde.“

      Und zum Schluss noch etwas, das mir nach gerauchtem Stoff klingt:
      „Vor einem Jahr hätten ein paar Verzögerungen und falsche Entscheidungen den Euro tatsächlich als Ganzes gefährden können. Heute sind die Probleme eingegrenzt und beherrschbar.“

      Alles wird gut, durch die Alternativlosrettung des starken Euros. Wie das gerettete Europa dann aussieht, ist in Ansätzen an GR und Irl zu erkennen.

      Danke Holla für den Link, war sehr lustig.

      • Andorra sagt:

        Letztlich ist es doch egal wieviel Schulden da sind,solange die Gäubiger nicht wissen wohin mit dem Geld.Ist wie mit dem Gold,das schlummert Generationen im Tresor und keine wagt es zu verkaufen,solange er noch Speck auf den Rippen hat.Also wohin denn mit dem vielen Geld (verdient,geerbt,gewonnen etc)? Verleihen natürlich,das gibt Zinsen (Staatsanleihen für Socrates).Unter die Matraze ? Unsicher,keine Zinsen,Inflation. Ausgeben ? zu Schade für nutzloses Zeug. Ein echtes Problem eben.

  2. Hans Meiser sagt:

    Vorigen Herbst habe ich einen wunderbaren Artikel mit dem Titel gelesen „Wann fällt der erste Teller“ von M.Winkler. Diese Beschreibung der unheilvollen Kombinationen der schönsten Zwickmühlen hat mich sehr bildhaft auf die laufende Entwicklung vorbereitet. Was mich allerdings sehr beindruckt, ist das Verhalten der sogenannten Marktteilnehmer und der Mainstream-Medien. Jetzt wird mir das irrationale Verhalten zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise von 1929 viel verständlicher, denn es gibt ziemlich viele Übereinstimmungen zur heutigen Situation. Die Verursacher und Nutznieser dieser Entwicklungen wollen ihre Macht und ihre Besitzstände mit allen Mitteln wahren, und die dummen Herdentiere wollen nichts von einer Krise hören. Es soll doch alles schön und kuschelig bleiben. Und….wer sich unabhängig informiert hat ein Problem…er wird als Esoteriker und Verschwörungstheoretiker in die nächst beste Ecke gestellt.
    Aber egal, die Sonne scheint, es ist Frühling, der Weinkeller ist gut gefüllt, und ob es morgen noch den Dollar oder den Euro oder die EU noch gibt, machen wir das beste daraus. Grüße

  3. Michael sagt:

    HMM… Portugal kann nicht sparen, weil die Opposition die Sparpakete der Minderheitsregierung nicht gestützt hat. Mit anderen Worten: Portugal will gar nicht sparen!
    Und jetzt schlüpfen sie unter den Rettungsschirm, bekommen Milliarden von der EU mit der Auflage zu sparen. Und jetzt soll das mit dem Sparen besser klappen? Weil sie ja jetzt nicht mehr sparen müssen? Weil ja jetzt die Euronen von alleine kommen?
    Ja, Grichenland hat auch Geld unter Auflagen bekommen, nur die Auflagen wurden bis heute nicht erfüllt. Dafür sind die siechen Griechen auch schon einen Schritt weiter, die Umschuldung wird schon akzeptabel.
    Und weil die Portugiesen so gut mit anderer Leute Geld umgehen können, darf auch gleich der Portugiese Barroso für die EU das Geld an seine Landsleute verteilen. Ist soviel nationale Gesinnung nicht uneuropäisch, Herr Barroso?

    ps. Eine nette Kolumne, Herr Meyer!

  4. Gerd Vogelsang sagt:

    …..frage mich schon länger nach dem Unterschied zwischen einem Rentier und einem Rentner.
    Ist ein Rentier so etwas wie ein Pensionär mit Geweih? Welchem die ‚Hörner‘ aufgesetzt werden, weil die Pensionskassen in flagranti erwischt wurden?
    Der arme alte Rentier darf nicht mal Spass haben, denn ‚in flagranti‘ erwischt werden, ist im Allgemeinen gut und schlecht gleichzeitig. Gut, das Gefühl vor dem ‚Flagranti‘ und schlecht das Scheixxgefühl danach. Dem Rentier/Pensionist bleibt nur das danach…………

    Nothing for ungood.

  5. […] Frank Meyer: Portugal ist pleite! Wer nicht? (Ja, wer ist der nächste? Wahrscheinlich Spanien.) […]

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