Politisch korrekte Gaucho-Panik

16. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Weite Teile der deutschen Presselandschaft ereifern sich über ein kleines Tänzchen auf der WM-Feier in Berlin. Wo der eine sich von der „Geschmacklosigkeit“ abwendet fürchtet mancher Feuilleton-Schreiber in einem Anflug von Paranoia schon das Ende der Weltoffenheit.

Die Zusammenfassung für den deutschen Leser, der sich betroffen und schuldig fühlen soll, lieferte die rote Wartezimmerauslage aus Hamburg, die sich dem Thema widmete. Den Journalismus, dem sich das Haus angeblich verpflichtet fühlt, hat vermutlich Franz Josef Strauß mit ins Grab genommen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wähnte die deutschen Recken zunächst einmal im Teutoburger Wald:

(FAZ) Die Siegesfeier am Brandenburger Tor wird zum gigantischen Eigentor. Mit einer üblen Persiflage auf ihren Finalgegner verspielen die deutschen Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation. Die Gauchos gehen gebückt, zwischen Niedergeschlagenheit und Demütigung, während Deutsche aufrecht wie Hermann der Cherusker den Pokal gen Himmel strecken.“

Ja, unvergessen die Schlacht der Germanen gegen die Argentinier seinerzeit. Wie schafft man es bloß in den paar Zeilen so viel pädagogisch angehauchte Bitterkeit unterzubringen? Nächstes Mal, liebe Spieler, bitte vor der Feier den Pokal bei ebay verkaufen oder gleich den Brasilianern schenken, die können Ihn gebrauchen. Auf gar keinen Fall aber ist die Trophäe vorzuzeigen oder gar hochzuhalten!

Ganz weit aus dem Fenster lehnt sich der ebenfalls nicht mehr so häufig gelesene „Tagesspiegel“:

(Tagesspiegel) „Der Gaucho-Tanz auf der Fanmeile war geschmacklos. Vorbei ist es mit der deutschen Bescheidenheit. Ihre Freude genügt ihnen nicht, sie finden volle Genugtuung erst dann, wenn sie die trauernden Unterlegenen ein bisschen quälen.

Ja, die alte sadistische Neigung der fiesen Teutonen, die nichts lieber wollen, als den Gegner zu quälen ist wieder da. Angesichts der bemerkenswerten Kenntnisse der Sportredaktion rund um das Verhalten vor, nach und während einer Sportveranstaltung fragt man sich, wie sind die Autoren des „Tagesspiegel“ eigentlich um die Teilnahme an den Bundesjugendspielen oder dem Schulsport herumgekommen?

(Tagesspiegel) „Und so beschleicht einen am Ende eine Ahnung: Vielleicht wird es auch das sein, was von dieser Weltmeisterschaft in den Köpfen vieler Menschen außerhalb Deutschlands bleibt. Dazu das frenetische Klatschen des Publikums. Sie haben es nicht böse gemeint. Das ist wohl so. Aber sie haben bewiesen, dass es auch im Fußball nicht nur Trottel gibt, sondern auch Riesentrottel.“

Denn merke, Bürger: Nur wer jeden Tag zum Anti-Rassismus-Gebet vor die Presse tritt, alle vorgefertigten Aussagen immer schön vom Zettel abliest und sich nur dann freut, wenn andere über ihn Lachen, ist kein Trottel. Das Leben kann so einfach sein. Tagesspiegel an der Wand, wer ist der politisch korrekteste im Land …

Immerhin hat man im Rheinland noch nicht den Realitätssinn verloren. So schreibt die Rheinische Post:

(Rheinische Post) Gauchos hin oder her. Mit dem Auftritt in Berlin vollzogen ‚Jogis Jungs‘ ihre Wandlung zu den neuen Botschaftern eines ganzen Landes. Der kleine tänzerische Seitenhieb der siegestrunkenen Fußballer gegen die Finalgegner aus Argentinien ist da nicht der Rede wert.

Kleiner tänzerischer Seitenhieb ist eine schöne und treffende Bezeichnung. Wer diese Einlage zu einer Krise der Weltoffenheit aufbauscht und bei anderen Kleinkariertheit anprangert, der muss sich zuerst an die eigene Nase fassen. Immerhin spüren so zusehends mehr Menschen die Fesseln der politischen Korrektheit. Viel Spaß beim Abstreifen!

Bevor den Sportlern das Scherzen verboten wird, hätten wir noch einen anderen Vorschlag, wo wir gerade beim Thema Fußball sind. Niemand hat darum gebeten, in der Halbzeitpause mit den Meldungen des staatlichen Rundfunks gequält zu werden. Das „heute journal“ oder „Die Tagesthemen“ dürfen daher gerne einmal ausfallen. Da die meisten Menschen ohnehin mehr als einen Fernsehkanal zur Auswahl haben, sollte niemand Gefahr laufen, einen berichtenswerten Einmarsch der Cherusker verpassen.

**** **** *** ** *

P.S.: Für fiese Sadisten, schlimme Nationalisten, nicht weltoffene, Kleinkarierte und andere, die nicht auf Kurs sind hier der Link zum Tänzchen als Zeitdokument dafür, womit die deutsche Presselandschaft ihre so knappe Zeit nutzt: Obacht, politisch nicht korrekt!

Man beachte, wie gedemütigt und schlecht gelaunt die von den Deutschen gequälten Gauchos gehen. Einfach schlimm.


 

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15 Kommentare auf "Politisch korrekte Gaucho-Panik"

  1. Avantgarde sagt:

    Für einen Sieger finde ich es durchaus unwürdig gegen den Geschlagenen noch nachzutreten.

    Deutschland stand ja schon öfter mal in einem verlorenen Endspiel – und ich kann mich nicht erinnern, daß einer der Sieger jemals Spott über die DFB-Auswahl auf der Siegesfeier ausgeschüttet hätte.

    Freilich keine Staatsaffaire – aber entschuldigen braucht man so ein unglückliches Verhalten auch nicht.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo skyjumper,

      Vermutlich regt sich vor allem die Presse darüber auf, Fußballer hören sich vermutlich auf dem Platz ganz andere Sachen an – nicht nur von den Rängen. Bedenkt man den Verlierer im Pokal nicht gerne mit dem sicherlich nicht nur aufbauend gemeinten Ausruf „Ihr könnt nach Hause fahren…“?

      Das hört man vielleicht nicht gerne, aber wen stört so etwas wirklich? Vermutlich liegt die ganze mediale Aufregung darin begründet, dass man die Fußballübertragungen seit einigen Jahren gerne zur Überbringung politischer Meinungen nutzen möchte. Da kommt jeder Funken Unangepasstheit ungelegen.

      Wir finden die zwar typischen aber in ihrer Formulierung doch arg schwülstigen Reaktionen vieler deutscher Gazetten bermerkenswert. Einen solchen Auftritt zum Ende der Weltoffenheit umzudeuten und gleichzeitig ein paar Wochen vorher lang und breit einen ukrainischen Rüstungs- und Medien-Oligarchen, der nebenbei auch ein paar Süßwaren herstellt, den „Schokoladenkönig“ zu nennen, lässt doch tief blicken.

      Seis drum!

      Beste Grüße,
      Bankhaus Rott

      • Skyjumper sagt:

        Schwülstig ist genau die richtige Formulierung. Am besten fand ich diesen Satz aus der FAZ:

        „Oder will Deutschland wirklich dieses Bild der Demütigung als Ausdruck seiner Geistesverfassung begreifen?“

        Nein, inhaltlich liegen wir gar nicht soweit auseinander wie es vielleicht in meinem Kommentar gewirkt haben mag. Sie finden es nur immer noch bemerkenswert, ich dagegen hätte es eher dann bemerkenswert gefunden wenn unsere ach-so-korrekte Presse weniger moralinsauer reagiert hätte.

        Einen schönen Abend ins Hinterzimmer des Blogs 😉

  2. Skyjumper sagt:

    Das sehe ich so ähnlich wie Avantgarde. Ich hab kurz gezuckt als ich die Szene sah …….. nicht wegen irgendwelcher politischen Korrektheiten hin oder her, sondern weil ich es für unsportlich halte. Jeder kennt die Fangesänge im Stadion, jeder der selbst einmal in einer Vereinsmannschaft Fussball gespielt hat wird sicher eine handvoll inhaltsähnlicher Textchen kennen. Auch ich hab die früher begeistert gebrüllt: Vor dem Spiel, in der Halbzeitpause, manchmal sogar auf dem Platz während des Spiels und manchmal voller Frust nach einem verlorenem Spiel. Ich kann mich jetzt aber nicht erinnern sowas nach einem GEWONNENEM Spiel gesungen zu haben. Aber wer weiß, das ist lange her.

    Allerdings betrifft es mich sowieso nicht. Schließlich ist es nicht die Nationalmannschaft gewesen die sich da präsentiert hat, sondern eine Fussballmannschaft die mit sehr guter Leistung und dem erforderlichen Quentchen Glück ein großes internationales Turnier mit Bravour gewonnen hat und dabei selbst so international zusammengestellt ist dass sie keine Nationalhymne singen wollen. Darüber wird allerdings schon lange nicht mehr gesprochen. Genausowenig wie darüber dass der Özil in der Nacht nach dem Spiel eine deutsche Flagge mit Halbmond und Stern „verziert“ twittert.

    Der Presseaufschrei war erwartbar, erwartbar peinlich, und damit eigentlich kaum noch der Aufmerksamkeit wert.

    Also ICH bin nicht Weltmeister geworden und fühle mich weder im Guten, noch im Schlechten oder auch im vermeintlich Schlechten von der Mannschaft vertreten.

  3. bluestar sagt:

    @Skyjumber
    Sehr schöner Kommentar, Ihre Ansicht teile ich zu 100%.

  4. Michael sagt:

    Jetzt sind sie nicht überrascht über die Kommentare aus den Zeitungen. Sollen feiern. Die Szene mit den Gauchos, jo mei. Es sind Fußballer und keine Friedenstauben.

    Wenn man da interpretieren anfängt. Das Publikum mit erhoberner rechter Hand, den Fortschritt huldigend mit dem Normkollektivierunginstrument der Zukunft, noch dazu am Brandenburger Tor – epochale Umbrüche stehen vor der Tür, blonde Zuseher im Jubelrausch die Überlegenheit des Germanoids über das am Boden kriechende „Menschtier“ schauend. Das kann man alles fruchtbringend und unsinnstiftend miteinander verbinden. Der Gaucho Dance ist ausbaufähig 🙂

    Nein, es waren einfach nur Kicker … das kommt vor. Das Publikums muss nicht das Smartphone zum filmen in die linke Hand nehmen sonst sind bei den Rechtshändern die Bilder ganz verwackelt.

    Zeitungsartikel sagen halt mehr über die Reaktion aus die Schreiber versucht zu stimulieren oder die Sicht der Schreibers auf die Leser. Wie in Österreich. Es gibt eine Norminterpretation einer Realität die allein Medien wahrnehmen.

    Die Weltöffentlichkeit schaut nicht auf Deutschland. Wenn die Presse mal den Verfolger los würde. Man hört zu … aber das hat andere Gründe.

    Gut dass wir einen neuen Fernseher haben, ob der WM, und auf der Weltkarte ganz genau sieht welche Börsen grad ausgelöscht wurden. 7ms zu spät – China Cinda Asset Managment war grad noch da jetzt ist gleich ganz Hongkong weg. 5 Monate später kommt Sam der Trödler vorbei – Erinnerungsstücke aus China von der Mauer verpackt in Assets gute Assets. Die FAZ schreibt – wir haben noch nicht genug Schuld auf uns geladen – kauft Assets gute Assets.

  5. bluestar sagt:

    Liebes Bankhaus, ihr Beitrag ist für mich eine Ermutigung MSM einschl. Gazetten weiterhin konsequent zu meiden. Selbst im ICE verzichte ich nunmehr auf die angebotenen Exemplare. Einen besseren Schutz für Kopf und Geist gibt es nicht. Heuchelei, Übertreibung des Unbedeutenden, Verharmlosung des Bedrohlichen, Halbwahrheiten, Desinformation, Luegen und unterwürfige Hofberichterstattung hinterlassen Wirkungen im Kopf wie vergammelte Lebensmittel im Bauch. Allerdings sind die Symptome unterschiedlich. Heute habe ich gelesen, dass laut einer Umfrage 75 Prozent der Deutschen mit der Arbeit von Mutti zufrieden sind und sie sich in Bestwerten der Beliebtheit Sonnen kann……

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo bluestar,

      vielen Dank, uns fällt es auch immer leichter die Gratisausgaben auszuschlagen. Dann lieber die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen, die hat mehr zu bieten.

      Das Liedchen muss man deshalb natürlich nicht mögen, aber derartige Schmähgesänge sind wirklich nicht unüblich. So mussten wohl schon sämtliche Fanblocks deartiges mit auf den Heimweg nehmen.

      Hier beispielsweise die Nürnberger im Norden Deutschlands. So gehn die Hamburger, so gehen die Nürnberger.

      Auch in der Welt findet sich ein Schmuckstück, das es nicht in jede Feuilleton-Redaktion geschafft hat:

      (Die Welt) „Die Argentinier tun sich immer gern hervor mit Tänzen und Gesängen, um ihre zahlreichen Erzfeinde zu demütigen. Nachdem Brasilien tränenreich an Deutschland zerbrochen war, stimmten die Argentinier in den Straßen Rios ihre eigene Version des Rockklassikers „Bad Moon Rising“ an: „Ihr heult seit Italien bis heute. Ihr werdet Messi sehen, wie er uns den Pokal zurückbringt. Maradona ist größer als Pelé.“ Dabei schwenkten die Argentinier Kunststoffwirbelsäulen, um den Lendenwirbelbruch Neymars zu feiern.“

      Es ist ein Geben und Nehmen, fast wie am Finanzmarkt 😉

      Beste Grüße,
      Ihr fußballerisch nicht sonderlich begabtes Bankhaus Rott

  6. VickyColle sagt:

    Ich danke dem BH Rott für diesen gelungenden Artikel!
    Ebenso wie Michael für seine Kommentare.

    Eine Anmerkung möchte ich nur dazu machen:
    Wir haben es 2002 live in Berlin auf dem Kudamm miterlebt, als Brasilien uns im Finale verdient geschlagen hat.
    Eine gefühlte halbe Mio Menschen war auf der Strasse und fast ausnahmslos alle haben mitgefeiert und bekennenden Brasilienfans gratuliert!

    UNS, damit meine ich die Mehrheit der Deutschen und deutschen Sportfans, braucht niemand etwas über Fairness zu erzählen, ich denke da nur an 2006 – und schon gar nicht die Gesinnungsterroristen der links-grünen-Sozialisten-Nomenklatura, die zum lachen in den Keller gehen und sich schon beim aufstehen dafür entschuldigen das sie atmen.

    Schöne Grüße aus der Karibik.

  7. JayJay sagt:

    Manche in Deutschland haben wirklich einem am Kopf, sich über sowas aufzuregen. Sicherlich habe mache Schreiberlinge in den Pressehäusern, lange nichts mehr vernünftiges zu Stande bekommen.

  8. Lickneeson sagt:

    Tja, das sind die Spätfolgen der „liberalen Gehirnwäscheerziehung“ der 70-er u. 80-er Jahre. Der Deutsche ist grundsätzlich schuld und darf sich global schon im Vorfeld entschuldigen. Und wenn er dann mal Fussballweltmeister wird, darf er sich ernst, sachlich und im Sinne Israels und aller globalen Minderheiten freuen. Sorry, aber das ist der Käse, den wir eigentlich zu überwinden gehofft hatten.

    Danke für den Artikel, da haben Sie echt ins Schwarze getroffen.

    MfG

  9. Malahumba sagt:

    Also, Ich habe überhaupt nichts für die politisch korrekten Kriecher übrig, aber wir sollten sachlich bleiben und uns nicht auf die selbe Ebene begeben wie diese Leute. Man kann diese Szene durchaus als kleinen Ausrutscher betrachten, nicht mehr und nicht weniger. Eine Gedankenpolizei sollten wir der PK überlassen, letztendlich würden wir vor diesen Leuten kapitulieren, wenn wir ihre Methoden übernehmen.
    Malahumba

    • FDominicus sagt:

      Meiner Meinung haben Sie recht, nur geht es inzwischen wirklich viel zu oft einfach viel zu weit/quer. Das ist wirklich nicht mehr feierlich und gelegentlich kann einem da auch mal der Kragen platzen. Ich behaupte mal dafür war es insgesamt noch recht moderat. Manchmal denke ich mir aber auch: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“.

      Wie oft und wie lange haben viele Liberale und Libertäre schon die besseren Ideen vertreten? Wie oft wurden wir diskreditiert, beschimpft und schlimmeres?

      Gerade heute findet man dazu auf ef:
      http://ef-magazin.de/2014/07/17/5549-lethargie-am-infotropf-in-der-gehirnwaescheklinik

      Ist das verkehrt oder richtig?

  10. bluestar sagt:

    @FDominicus
    Vielen Dank für den Link, sehr guter Artikel.
    Traurige, aber wahre Fakten zur Situation. Die Masse ist lernresistent, abgestumpft, manipuliert, korrumpiert, staatsgläubig, unselbständig, unterwürfig und träge.
    Unabhängigkeit und Freiheit des Einzelnen ist kein propagierter Wert mehr in dieser Gesellschaft und die überwiegende Mehrheit vermisst sie auch nicht, so wie Affen die im Zoo geboren wurden. Zentralismus, Planwirtschaft, Kontrolle, Überwachung, Umverteilung, Dauergehirnwäsche, – diese bedrohlichen Tendenzen werden nur durch eine Minderheit wahrgenommen. Und schon jetzt richtet sich die staatlich gelenkte Hetze und Verleumdung gegen die Kritiker der EUDSSR und dem Spaltpilz Euro.

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