Pli-Pla-Pleite? Wir auch?

15. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Werden wir pleite gehen? Ganz gewiss! Aber wenigstens mit ganz großen Zahlen auf dem Konto und auf den Preisschildern im Supermarkt. Oder wenn die Bürger ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Und wir dürfen uns wohl wirtschaftlich auf italienische Verhältnisse einstellen – oder spanische – ganz wie Sie wollen. Griechenland ist ja gerade out…

Ja, wir werden pleite gehen, wenn wir nicht aufhören zu sparen. Hört jetzt bitte damit auf. Wer hatte überhaupt diese seltsame Idee? Es kommt soweiso zu spät. Bei aller Sparerei sterben wir zwar ordnungspolitisch anständig korrekt – und alles auch noch im vollen Einklang mit dem Mandat der EZB. Und sparen wir nicht, kommt es aufs Gleiche heraus. Nur später. Amen.

Doch bitte Geduld! So schnell stirbt es sich nicht, wenn Politiker am Steuer sitzen mit der Notenbank auf der Rückbank. Politiker sparen und geben gleichzeitig aus, die geben Gas und bremsen und machen Krach. Alles gleichzeitig mit quietschender Schuldenbremse und Öl auf den Bremsklötzen – mit Blinker, Rundumleuchte, Hupe und gerissenem Abschleppseil. Gabriel will die Schuldenunion, Monti die Erziehung des Parlaments durch die Regierung. Draghi will Schulden aufkaufen und die anderen EU-Leuchten, Pardon, Leuchttürme, träumen den Traum der Vereinigten Staaten von Europa mit einem Kompetenzzentrum Brüssel, wo den Bürgern des Kontinents das Leben mit immer neuen Vorschriften verpfuscht wird – auch eine Art von Erziehung.

Die Währungshüter aus der von den Schuldenländern gekaperten EZB mit einem Italiener an der Spitze kümmern sich um das nächste Debakel der Zukunft. Was sie tun, sie machen es falsch. Im Tempel der Geldschleuser weiß man, dass Schulden mit Zeit gestreckt werden und der böse Finanzmarkt Beruhigung findet. Ein paar Glückskekse und Karlspreise warten auch noch auf die Super-Helden, verbunden mit Huldigungen und Ehrungen – im Namen Europas – die sich keiner im Fernsehen anschauen mag.

Deflation? Garantiert! Doch bis dahin passiert noch viel. Vielleicht sogar noch 20 Jahre Planwirtschaft und Sozialismus. Immer bereit – zum Eingriff in die Märkte.

Was passiert eigentlich, wenn wir die D-Mark bekommen? Ist es nicht erstaunlich, wenn Experten aus Banken und Versicherungen, wie Chefvolkswirt Heise von der Allianz den Euro verteidigen? Heise verteidigt ihn in allererster Linie im Auftrag seines Brötchengebers. Das Bruttoinlandsprodukt würde um 15 % sinken, hat er errechnet. Oder 14,9 Prozent? Fragen über Fragen. Wenn Schäferhunde von Mettwurst schwärmen…

Der bislang angerichtete Schaden durch den Euro beträgt einige hundert Milliarden, wenn das Euroland scheitert. Doch keiner der oft kleinen Männer mit großen Rechenschiebern ermittelt, wie hoch der Schaden ausfällt, wenn am Euro festgehalten wird. Billionen?

Die arme Kanzlerin

Frau Merkel ist gerade aus ihrem Urlaub zurück. Vielleicht hat ihr jemand das Titelblatt des Economist vorgelegt. Dort sieht man sie eine streng geheime Aktenmappe mit dem Titel „Wie man den Euro auseinanderbrechen kann“ studieren unter der Überschrift „Tempted, Angela?“ Daneben stehen Kaffee und eine halbleere Flasche. Vielleicht ist es Whisky – gleich neben einem Briefumschlag mit Flugtickets für mögliche Reiseziele der Kanzlerin. Die arme Kanzlerin. Bei Rot-Grün im Regierungssessel wäre alles schon längst unterschrieben…

Jetzt fordert auch noch Sigmar Gabriel die Schuldenunion und bringt Frau Merkel wegen gleicher Interessenslage und einer Volksabstimmung in Bedrängnis. Wer weiß, was Frau Merkel alles bedacht hat, als sie in den letzten Tagen die Berge bestieg. Im Schuldengebirge geht es steil zu. Allerdings, und das höre ich an der Börse öfters, ohne Merkel – wer weiß, wo wir da schon wären. Manche vermuten eine Show ohne Worte und Bilder aber entsprechenden Unterschriften an der richtigen Stelle.

Zurück zu D-Mark

Würde eine D-Mark alles wieder ins Lot bringen? Keine Ahnung. Keiner weiß es, nur, dass Fehler irgendwann korrigiert werden müssen. Der Euro scheint ein Fehler zu sein. Einige haben davon profitiert, aber kaum die einfachen Leute, die an den Stammtischen ihre Arbeiter – und Angesteltenfäuste ballen – um den Henkel des Bierkruges.

Solange die EZB Geld drucken kann, sollte man sich keine Sorgen machen. Aufgeräumt wird später. Vielleicht steigt der DAX auf 15.000 Punkte – nominal ist das sicherlich ein Erfolg. Was man für 15.000 DAX-Punkte alles kaufen kann… Vielleicht so viel wie heute für 6900 Punkte? Nominale Zahlen sind so tückisch wie raue See.

Ach ja, bei den Leuten wächst die Sorge vor einer Inflation. Deshalb ist es ja gerade schick, eine vielleicht schon überteuerte Immobilie zu finanzieren, weil man ja später etwas hat, wenn der Euro weg sein sollte. Kaum jemand kommt auf die Idee, sein Geld aus dem Finanzsystem auf andere Art und Weise zu ziehen – und es in etwas zu tauschen wie z.B. Edelmetalle, weil die ja auch nichts taugen.

Und noch etwas… Die Meckerei steht an jeder Ecke, quillt aus den Kommentatorenfeldern der Online-Zeitungen. In die Handlungsebene kommt kaum jemand.

Handlungsebene? Immer flüssig bleiben – immer etwas auf der hohen Kante haben. Aber nicht zu viel. Das wird vielleicht schnell weg-gesteuert. Und wie lange das reichen wird, wenn der Staat zum Mittel der Schulden – und Guthabenentwertung greift, ist eine andere Frage, auf die niemand eine Antwort hat. Wer Geld hat, hat Sorgen. Wer keins hat, ebenso. Vielleicht sollten wir es mal mit dem Sozialismus probieren.

„Wir wollen nicht den Weg in eine Inflationsunion“ ruft der junge Philip Rösler. Und der alte Rainer Brüderle sagt, Deutschland sei kein Selbstbedienungsladen. Vielleicht ein Saftladen? Unsere Politiker hätten das Papier durchlesen sollen, BEVOR sie dem zugestimmt haben. Damit trugen sie bei, dass der Weg zum Selbstbedienungsladen frei geschaufelt wurde, aus dem nichts anderes als ein Saftladen wird. Bio… natürlich – und rechtsverbindlich.

Die Welt rief neulich dazu auf, die EZB zu verklagen. Kaum jemand wird das tun. Morgen rufen die Zeitungen auf, das Geld in Sicherheit zu bringen. Niemand wird es tun. Und irgendwann beginnt das große Staunen – wenn die Mettwurst weg ist, im Saftladen die Früchte fehlen und aus der Republik eine Bananenrepublik wurde – einfach zu erkennen: Erst fehlen die Bananen – später die Republik. Dann regiert eine Gurkentruppe, die man am liebsten zum Mars schicken würde.


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10 Kommentare auf "Pli-Pla-Pleite? Wir auch?"

  1. cubus53 sagt:

    Habe mal darüber nachgedacht, was Sigmar Gabriel meint, wenn er eine Schuldenunion fordert. Wie soll ich mir das vorstellen ?

    Werden dann meine Steuern direkt nach Griechenland oder Spanien überwiesen ? Und wenn ja, in welcher Höhe ? Oder bekomme ich umgekehrt von einem griechischen Steuerzahler Geld überwiesen, sofern ich noch mehr Schulden mache als der ?

    Also zu machen wär das schon. Wollte mir schon lange mal einen Rolls mit Chauffeur leisten. Arbeiten würde ich dann auch nicht mehr. Wozu ? Haften müsste doch dann der ganze Rest der EU.

    Ist doch gar nicht so schlecht, so’ne Schuldenunion ….

  2. Lotus sagt:

    Ich glaube Herr Meyer, Sie haben sich mit den selben Artikeln in den letzten 2 Tagen beschäftigt wie ich. Vergessen haben Sie noch den Artikel in der SZ, wo ein Journalist ein Lob für die Agenda 2010 aussprach. Die Kommentare dazu, sind lesenswert. Es gibt 2 Lager in unserer Gesellschaft. Die einen machen sich was vor und wollen zu den Mächtigen gehören, die anderen erleben die harte Realität und glauben nicht, was in diesem Staat möglich ist. So kommt es, daß niemand die Zukunft nur annähernd erahnen und richtig handeln kann. Die Gewissheit, daß Lug und Betrug von oben her gesteuert wird, sich unzählige Akteure daran beteiligen, bis hin zum kleinsten Unternehmer durch Cash-Zahlung ohne Quittung, ist Deutschland in eine Glaubwürdigkeits- und Handlungsstarre geraten. Jeder ahnt es, weil die politische Klasse schon seit Jahren durch Untätigkeit/Beschlussunfähigkeit versagen. Der miese Beigeschmack, von Lügnern regiert zu werden, läßt uns persönlich dazu verleiten, selbst zu betrügen. Ich glaube, es gibt inszwischen keinen einzigen Deutschen, der das tut, was er vorgibt oder das denkt, was er offiziell zu sein scheint. Im Verborgenen werden Möglichkeiten genutzt, die uns die Mächtigen vorleben. Siehe Ackermann, Zumwinkel, Mappus, Beck, Wowereit usw. Ganz zu schweigen von Amtspersonen, die die Ermächtigung erhielten, über Schicksale zu entscheiden.

    Dieser Staat ist zum Scheitern verurteilt, weil der Schein die Realität vernebelt, so daß ein klarer Weg in eine positive Zukunft keinen wahrheitsgemäßen Orientierungspunkt mehr aufweist. Sämtliche Zahlen und Statistiken sind aus Falschmeldungen entstanden, die sich durch Gier und Versagungsängsten ergaben. Die Pleite kann nicht verhindert werden, da inszwischen jeder von Angst durchdrungen ist und nur noch zusieht, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Alles andere interessiert nicht mehr. So geht es den Mächtigen wie den Arbeitslosen. Das Motto könnte heißen: Raffen, nichts mehr über Konto und nach mir die Sintflut.

    • FDominicus sagt:

      „Ich glaube, es gibt inszwischen keinen einzigen Deutschen, der das tut, was er vorgibt oder das denkt, was er offiziell zu sein scheint. “

      Ok, ich bin dann der Einzige. Was ich geschrieben haben, was ich empfohlen habe, habe ich auch gemacht. ich gebe auch nicht vor dieses System „gut“ zu finden. Was ich denke schreibe ich und habe mir deswegen hier auch schon einen Tadel von Schlandt oder so eingefangen.

      Ich bin durch und durch speziell unser „Betrugszahlungsmittel“ system und habe mich entsprechend mit dem eingedeckt was ich als „Geld“ bezeichne.

  3. stephan sagt:

    Frank Meyer schreibt: „Und noch etwas… Die Meckerei steht an jeder Ecke, quillt aus den Kommentatorenfeldern der Online-Zeitungen. In die Handlungsebene kommt kaum jemand.“

    Das ist der casus knacktus!

    Solange in D. aber noch Milch und Honig fließen, also noch niemand wirkliche Einbußen im täglichen Leben spürt und auf dem Kontoauszug und dem Sparbuch noch die nominell richtigen Zahlen stehen, wird die Handlungsebene weiter deaktiviert bleiben.

    Reichlich gemein und der Handlungsebene des arbeitenden Otto-Normal-Bürgers hinderlich, ist übrigens folgender Umstand:

    Als Otto-Normal-Bürger geht man tagsüber arbeiten, was die Handlungsebene aus der Natur der Sache heraus wesentlich einschränkt. Von seinem Gehalt MUSS er Steuern zahlen. Von diesen ZWANGsabgaben bestreiten andere Leute (= Politiker) ihren Lebensunterhalt, und verschaffen sich so Handlungsspielraum, um Otto-Normal-Bürger mit ihren Ideologien ZWANGszubeglücken. Ein wirklich perfides System: Demjenigen der zahlt und nicht handelt, wird von demjenigen, der nicht zahlt, dafür aber (politisch) handelt, dessen Willen aufgezwungen. Und das nennt sich Demokratie!

  4. katzbuckel sagt:

    Ich bin kein Politiker. Denn sonst müßte auch ich auf jede Frage ein Feuerwerk von Pseudoantworten abschießen, um den Eindruck zu erwecken, ich wüßte alles und sei allkompetent.

    Ich habe keine Ahnung.

    Von Wirtschaft erst recht nicht. Ich habe mir in aller Stille eine ansehnliche Menge Silbers gekauft. Das wurde noch nie verboten und der Staat weiß nicht, wieviel ich davon habe.

    Es wiegt zwar einiges, aber ich kann es nötigenfalls mitnehmen, wenn ich abhauen will.

  5. conan sagt:

    „Dann regiert eine Gurkentruppe, die man am liebsten zum Mars schicken würde.“

    LOL — und was ist DANN anders? Also ich meine zum jetzigen Zeitpunkt?!?!?!?

  6. katzbuckel sagt:

    Das Ende von Dollar und EURO

    Unser schlimmster Albtraum könnte wahr werden. Die Welt fängt an, unsere bunten Schuldscheine westlicher Provenienz zurückzuweisen.

    Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die neokoloniale Spät-Variante, Rohstoffe gegen wertloses Papier beziehen zu wollen, dem Ende entgegeneilt. Dem verdienten Ende.

    Indien und China sollen den Iran ja schon mit Gold bezahlt haben, um schwarzes Gold zu beziehen. Das wird Schule machen.

    Während die USA und Europa jeweils mit ihrer finanzpolitischen- bzw. wirtschaftlichen Nabelschau beschäftigt sind, macht der Rest Nägel mit Köpfen.

    Wenn wir den Dollar und den Euro nicht abschaffen, um ihn werthaltig zu ersetzen, dann werden es die anderen tun. Eher früher denn später.

  7. katzbuckel sagt:

    Bald wird es heissen:

    ÖL gegen Gold.

    • MarkusH sagt:

      Und wenn wir noch ein wenig weiter über den Tellerrand schauen, dann könnte es auch wie folgt aussehen:

      Blei gegen Öl gegen Gold.

      Dann hätten die alten Alchemisten doch recht:

      Man kann Blei zu Gold verwandeln.

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