Pleiten unter Brüdern und Schwestern

2. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott 

Der Europäische Rat hat sich auf ein neues Konzept zur Abwicklung von Banken geeinigt, eine entsprechende Richtlinie ist noch in diesem Jahr zu erwarten. Im Fokus der Entschlüsse steht der Umgang mit Kundeneinlagen und Anleihen im Fall der Fälle. Sowohl für Pensionskassen als auch für Privatkunden ein wichtiges Thema…

Der der Europäische Rat hat nach langen Diskussionen einen Vorschlag zum Umgang mit kommenden Bankinsolvenzen vorgelegt. Sich für die teilweise Wiedereinführung marktwirtschaftlicher Prinzipien zu feiern, die man selbst ab 2008 außer Kraft gesetzt hatte, gehört zum üblichen Ablaufschema politischer Prozesse.

Es sei diesbezüglich an die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken erinnert, die Herr Clinton im Rausche der Aktienhausse abschaffte. Eingeführt wurde sie in den Staaten nach der Nahtoderfahrung des US-Bankensystems in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der gesetzliche Rahmen findet sich im Banking Act, der spezifische Bestimmungen im bekannteren Glass-Steagall Act enthielt.

Ein Zitat aus den späten 90ern ist ein Beleg für den zyklisch wiederkehrenden Glauben an eine von Grund auf veränderte Welt:

(Bill Clinton) It is true that the Glass-Steagall law is no longer appropriate to the economy in which we lived. It worked pretty well for the industrial economy, which was highly organized, much more centralized and much more nationalized than the one in which we operate today. But the world is very different.

This time is different. Wie Sie vermutlich wissen gibt es wenige Signale, die so ernst zu nehmen sind, wie diese Worte. Das war seinerzeit nicht anders als im vorigen Jahrhundert. Es ist niemals anders.

Im Europäischen Rat beschäftigt man sich derweil ohnehin nicht mit Wachstum oder neuen Ökonomien sondern vorrangig mit der Möglichkeit von Abwicklungen. Diese Ausrichtung ist geradezu erfrischend ehrlich auf die Situation im Bankensektor in Europa ausgerichtet. Während sich viele noch immer die Risikogewichtung schönreden und ihr Heil in der Suche nach noch schwächeren Konkurrenten suchen, auf die man dann mit dem Finger zeigen kann, nehmen die Risiken in den unterkapitalisierten Bilanzen weiter zu.

Wichtige Teilbereiche der Entschlüsse des Rats betreffen die Rechte der Behörden im Abwicklungsfall. Sie umfassen den Verkauf von Teilbereichen und die Schaffung von Übergangsinstituten, die eine Abwicklung unter Beibehaltung des Zahlungsverkehrs vereinfachen (Siehe: Wie man eine Bank abwickelt).

Für Investoren sind die neuen Regulierungen vor allem wegen der Benachteiligung der nicht nachrangigen Bankanleihen (senior unsecured) gegenüber Einlagen von Bedeutung. Bisher sollten beide auch bei einem bail-in (Gläubigerbeteiligung an den Verlusten) gleichrangig eingestuft werden. Unter den Einlagenschutz fallende Gelder sollen  auch weiterhin nicht herangezogen werden, Bond aber sehr wohl. Da die Last nun verstärkt von diesen Anleihen getragen wird, sinkt deren erwarteter Restwert im Insolvenzfall (recovery) deutlich, was sich in den Risikoprämien mittelfristig wiederspiegeln wird. Die Refinanzierungskosten steigen dementsprechend.

capWater

Aktien und Nachranganleihen sind im Abwicklungsfall bei der derzeitigen Eigenkapitalausstattung wertlos. In der Zukunft wird es auch den Haltern der nicht nachrangigen Bonds eher an den Kragen gehen. In den Medien wird dies als großer Sieg des „kleinen Mannes“ gefeiert, was jedoch, wie so oft, zu kurz greift. Ein kurze Nachfrage bei einer Versicherung oder einem Altersvorsorgefonds dürfte klären, warum. Fallen Verluste in Anleihen an, so treffen diese natürlich auch Pensionskassen und Versicherungen… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Pleiten unter Brüdern und Schwestern"

  1. MH sagt:

    Sehr richtig: Wenn der Ernstfall eintritt, werden die Karten wohl neu gemischt und so mancher wird versuchen, sich der Haftung zu entziehen und die Steuerzahler auszutricksen. Trotzdem ist diese Regelung für die Kleinsparer wichtig, da dann wenigstens das Gesetz auf ihrer Seite ist und es immerhin leichter ist, solche Versuche abzuwehren. Voraussetzung ist natürlich, dass es noch Geld zu verteilen gibt.
    Überhaupt, ich schätze, dass es schon ziemlich bald nach der Bundestagswahl losgeht mit den ersten Pleiterunden. Das Hauen und Stechen wird bald beginnen. Lange hält das Kartenhaus wohl nicht mehr.

  2. FDominicus sagt:

    „Trotzdem ist diese Regelung für die Kleinsparer wichtig, da dann wenigstens das Gesetz auf ihrer Seite ist und es immerhin leichter ist, solche Versuche abzuwehren.“

    Nun damit dürfte das Ziel erreicht sein, die Deutschen versinken andächtig in der Gewißheit: „Der ‚gute‘ Staat sorgt sich schon“ und alles wird gut(tm)

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