Platin als Alternative zu Gold?

25. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Criceto Dorato

Hier ein Gastbeitrag eines Lesers unseres Blogs. Criceto Dorato fragt, warum es immer Gold sein muss. In Zeiten weltweit zerbrechender Papiergeldsysteme ist für viele Gold bisher die beste Wahl gewesen. Wohl wahr. Was aber ist von Platin zu halten? Platin und Gold kosten jetzt in etwa gleich viel…

Nachdem wir offenbar nach börsentypischen Definitionen inzwischen in die letzten Phase der Gold-Hausse eingetreten sind, wird vermutlich die Volatilität im Gold weiter steigen. Tagesschwankungen im dreistelligen Bereich werden damit früher oder später eintreten. Es kann auch zu Korrekturen kommen, in denen das gelbe Metall zittrige Spekulanten abzuschütteln versucht.

In der Endphase von Geldsystemen und Haussen sind Übertreibungen völlig normal. Noch ist Gold vom realen inflationsbereinigtem Hoch bei USD 2.300 ein gutes Stück entfernt – Rechnungen mit Golddeckungsquoten der Geldmenge führen zu ambitionierteren Nominalwerten, die interessant klingen, aber auch nur hochgerechnete Zahlen sind.

Mit einer sich aufbauenden Goldhausse vs. eines nahenden Zusammenbruchs der ungedeckten Geldsysteme entsteht ein Spannungsfeld direkt und indirekt resultierender Auswirkungen für Goldinvestoren. Die reine Betrachtung einer Hausse, deren dritte Phase wir gerade betreten haben wirft die Frage nach einem Assetklassen-Wechsel auf, den man vollziehen sollte wenn sich Klein-Erna beim Händler um die letzten 1 g Barren prügelt. Noch ist es nicht so weit.

Kennen Sie die Drei-Speichen-Regel?

Das bedeutet nichts anderes, als die Zeit einfach nur Zeit sein lassen und ganz gemütlich von einer Anlageklasse in die andere zu wechseln. Ein Blick auf die einzelnen Speichen: (Quelle: Fiene Finanzservice)

Immobilien?

Wie der Name schon sagt, nicht mobil und dank Zensus 2011 jetzt auch staatlich natürlich vollkommen ohne Hintergedanken detailliert erfasst. Früher oder später könnte es zu finanziellen Rückgriffen auf die „reichen“ Immobilienbesitzer kommen. Dazu kommt eine wohlstands- und kreditgeschuldete Überbewertung die einem zukünftigen Wegfall von Arbeitsplätzen gegenüberstehen könnte. Zum Thema Rückgriff auf Immobilien sei ein Beitrag von Andreas Popp empfohlen: (Link)

Aktien?

So dumm ist die Idee nicht und sicherlich sind passende Aktien eine Beimischung wert, wobei auch hier mit einer stärkeren Auswirkungen der zukünftigen weltweiten Verwerfungen Rechnung getragen werden sollte, vor allem wenn sich Gold und Dow Jones in einer Gold-Dow-Ratio von unter 1 eintritt. Im Extremfall können hier sukzessive Positionen aufgebaut werden (jedoch sind die politischen Rahmenbedingungen nicht aus den Augen zu lassen).

Edelmetalle?

Ein professioneller Goldanleger hat den Markt stets im Auge und hält die Augen offen nach Alternativen. Nachdem wir die Speichen Aktien und Immobilien bereits als momentan durchaus risikobehaftet sehen schauen wir uns den Inhalt der dritten Speiche genauer an, hier haben wir im Dreigestirn neben Gold auch noch Silber und Platin. Bieten sich hier noch Chancen für den Anleger? (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Platin als Alternative zu Gold?"

  1. samy sagt:

    Aloha Goldhamster aus Italien :-),

    weil Platin eben auch ein knappes Industriemetall ist und Palladium ähnliche technische Eigenschaften hat und noch weit billiger als Platin ist, könnte auch Palladium ein interessantes EM sein.
    Das nur mal der Vollständigkeit halber erwähnt.
    Auch sind die Aufpreise für Platin beim EM-Händler etwas deftiger als beim Gold und ebenfalls sieht der Spread, also Ankauf- und Verkaufspreise bei den EM-Händlern, weit schlechter aus. Darum müsste ich auf deutlich steigende Kurse setzen, um mit Gewinn beim EM-Händler wieder zu verkaufen. Gut, bliebe immer noch ebay als Verkaufsplatz …
    Nur meine ganz spontane Meinung.
    VG

  2. mfabian sagt:

    Zum schmunzeln … 😉

    Im 17. Jahrhundert wurde Platin in den spanischen Kolonien als lästiges Begleitmaterial beim Goldsuchen zu einem großen Problem. Man hielt es für „unreifes“ Gold und warf es wieder in die Flüsse Ecuadors zurück. Da es ein ähnliches spezifisches Gewicht wie Gold hat und selbst im Feuer nicht anlief, wurde es zum Verfälschen desselben verwendet. Daraufhin erließ die spanische Regierung ein Exportverbot. Sie erwog sogar, sämtliches bis dato erhaltenes Platin im Meer zu versenken, um Platinschmuggel und Fälscherei zuvorzukommen und davor abzuschrecken.

    • crunchy sagt:

      …mal Spass beiseite: Kurz und bündig:
      Wikipedia.de!

      Doch denke ich auch an die Seltenen Erden.

      Oder, etwas man womit man es,
      weil preislich vergleichbar,
      austauschen kann.

      Denke ich da wie ein Chinese?

      Also: Frühzeitig das zu kaufen, was den Markt
      n i c h t interessiert ist der langfristige Gewinn.

      Warum handelt Platin b.a.w. in einer Range?:
      Weil man einsammelt!

      Warum handelt der HUI in einer Range?:
      W….!

      Warum wird von vorausschauenden Investoren
      eingesammelt?

      Weil sie erwarten, dass sie noch in ihrem Leben
      die Lorbeeren für ihr Verhalten erhalten werden.
      Oder: Weil die geldpolitische Hütte brennt?

      Und dann:

      Scheiss der Hund auf die Kosten!
      (Marge und MWSt.)

      (Sorry, ich habe gerade an meine lange
      eingeebnete Oma, die diesen Ausdruck liebte,
      gedacht.)

      • crunchy sagt:

        Ach, in den Kommentaren zu letzten Metallwoche hatte ich mich schon zu Platin ergangen.
        Man muss sich halt auf Alles Wichtige konzentrieren.
        Auf das, was früher schon mal lief!
        Das muss nicht verkauft werden.
        Mit Neuem liegt man sehr oft schief!

  3. auroria sagt:

    Ich werde kein einziges Gramm Gold oder SIlber in Platin tauschen.
    Hier wurden im wesentlichen nur die Vorteile von Platin dargestellt, ein paar Nachteile die mir spontan einfallen:
    – Fast komplett Industriemetall, damit verhält es sich völlig anders als Gold, vor allem in einer Deflation.
    – Hat als Industriemetall Konkurrenz, z.b. durch Palladium.
    – Habe gelesen, dass mehr als die Hälfte der 200 Tonnen Produktion für Auto Katalysatoren verwendet werden.
    Wehe wenn es bei Elektroautos (die keinen solchen Kat. brauchen), einen Durchbruch gibt. Dann fällt mehr als die Hälfte der Nachfrage weg und es kommen jedes Jahr die Katalysatoren von Millionen verschrotteten Autos auf den Markt.

    Der vermeintliche Nachteil von Silber mit der geringeren Wertdichte, kann sich auch gut als Vorteil erweisen, einkaufen mit Gold-(oder Platin)Spähne ist halt unpraktisch. Für große Wertdichte gibts schon Gold, wofür brauche ich Platin?
    Wenn der Industriemetallstatus bei Silber eine Gefehr ist, dann ist er es für Platin noch viel mehr.

    Bei einem Goldverbot, wäre Platin vlt. eine Alternative, wenn man eine hohe Wertdichte braucht. Und wenn ich sehr große Summen hätte, würde ich vlt. einen kleinen des Goldes in Platin disversifizieren (und Palladium und Rhodium usw).
    Insgesamt bleibt es für mich aber eine Spekulation und taugt (mir) nicht als Versicherung.

  4. Z sagt:

    Es gibt auch andere Anwendungen in denen Platin verwendet werden kann. Z.B.: in Festplatten
    http://en.wikipedia.org/wiki/Heat-assisted_magnetic_recording

    oder als Katalysator in Brennstoffzellen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Brennstoffzelle

    wobei es einige Typen gibt, die ohne Platinmetalle auskommen…

    Mich erinnert deine Aussage nur ein wenig an Silber vor 10 Jahren. Damals war man auch der Meinung, wenn der Bedarf in der Analogfotografie zurueckgeht, verliert Silber noch mehr an Wert…

    Danke fuer den sehr guten Artikel.

    • auroria sagt:

      [„Mich erinnert deine Aussage nur ein wenig an Silber vor 10 Jahren. Damals war man auch der Meinung, wenn der Bedarf in der Analogfotografie zurueckgeht, verliert Silber noch mehr an Wert…“]

      Mag sein, aber hier in dem Artikel geht es nicht um (neu) Investieren, sondern um Umschichten von Gold in Platin. Wer vor 10 Jahren nicht von Gold in Silber umgeschichtet hat, dessen „Verluste“ halten sich in engen Grenzen.

      Soweit ich mich erinnere, war bei Silber vor 10 Jahren vor allem die Differenz zwischen Produktion und Nachfrage das Argument. Bei Platin hab ich hiervon nichts gelesen.
      Bei Silber gibt es viele interessante Anwendungsmöglichkeiten, also großes Potential, wo ist das bei Platin?
      http://de.wikipedia.org/wiki/Platin#Verwendung
      Weder in der Glasindustrie, noch bei den Laborgeräten sehe ich großes Wachstumspotential. Magnetische Festplatten sind eine auslaufende Technologie (Stichwort SSD) und in Brennstoffzellen wird wohl deutlich weniger Platin pro Auto verbraucht, als in Katalysatoren.

      Der einzige wirkliche Grund in Platin umzuschichten, den der Artikel liefert ist das Ratio.
      Ja, das Ratio ist interessant. Ja für spekulative Anleger bietet sich eine Chance. Und Ja, wer 1 Million anzulegen hat, für den macht es sicher Sinn, die Anlage zu disversifizieren und einen Teil in Platin anzulegen.

      Aber wenn ich mir als „kleiner Anlger“ die Preise für Platin anschaue … (aktuelle Preise bei einem Händler („Lateiner“)):
      …….Ankauf / …Verkauf / V. nach Steuer: (jeweils die billigste Unzenmünze)
      GLD: 1.231,00 1.284,00 1.284,00
      PLT..: 1.219,50 1.447,50 1.722,52
      … dann wird mir schlecht.
      41% Spanne bei Platin zwischen Ver und Ankauf (bei Gold: 4,3%).

      Und wenns zu einer Krise kommt, ob dann auch Platin als Währung akzeptiert wird halte ich für sehr fraglich, es hat halt keine Geschichte als Währung.

      Lange Rede kurzer Sinn: I am not convinced!

  5. Criceto dorato sagt:

    Aloha zusammen,

    vielen Dank für die zahlreichen Kommentare, das Lob (danke Z :)) und vor allem die Kritikpunkte, die helfen sich weiterzuentwickeln und noch tiefer einzusteigen und auch für die, die nur angeschnittenen Fundamentaldaten mehr fokusiert sehen wollen.

    Dem möchte ich mit einigen Ausführungen noch etwas gerechter werden:

    Punkt 1:
    Der Kat-Effekt ist m.E. überbewertet (trotz aktuellem Industrieverbrauch für Kats von 40%), das T-Model von Ford startete ohne Kat, (ungeregelte) Kats kamen auch erst in den 1970er in den breiten Einsatz, die Ratio verdeutlicht über 100 Jahre jedoch, dass dies rein im Vergleich zum Gold keine nennenswerten Auswirkungen hatte.
    Im Interview unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14317900.html wird auch von Nelson Barker Hunt (einer der Huntbrüder) auf den damals größten Verbrauch der Photoindustrie eingegangen, die Geschichte hat uns gezeigt dass diese Nachfrage durch neue technologische Entwicklungen sogar noch überkompensiert wurde, ähnliches erwarte ich bei Platin ohne dass meine Glaskugel mir allerdings schon heute sagt, was die Schlüsseltechnologien in einigen Jahrzehnten sein werden 😉

    Punkt 2:
    Substitution durch Palladium
    Trotz sehr ähnlicher Materialeigenschaften ist eine Substitution durch Palladium nur bedingt möglich, gerade bei der Abgasreinigung ist bei Dieselfahrzeugen sei lediglich ein Pd-Zusatz von 25 % möglich (fragt mich nicht nach den Gründen), die Dieselquote an den weltweit verkauften Fahrzeugen stieg von 19 auf 24 % (2000 zu 2007, Quelle http://www.mineweb.com/mineweb/view/mineweb/en/page35?oid=46789&sn=Detail )

    Punkt 3:
    80 % der Platinförderung kommt aus Südafrika, gefolgt von Kanada und Russland, gerade das Thema Verstaatlicherung von Minen kann hier zu einer Preisexplosion von Platin führen, auch sind viele Gold-Minen in Südafrika in schlechtem technischen Zustand, inwiefern das auch auf die Pt-Löcher zutrifft dazu liegen mir keine Informationen vor.
    Mit einer weiteren Eintrübung der Weltwirtschaft sehen wir den Kampf um Resourcen sich weiter verschärfen, was auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.

    Punkt 4:
    Kosten / Mehrwertsteuer
    Die Argumentation könnte auch lauten, nein ich kaufe die Aktie nicht, weil Ordergebühren und dann mal wieder Verkaufsgebühren anfallen. Neben den im Artikel genannten Möglichkeiten bietet der Zweitmarkt eine Möglichkeit Pt unter den Händlerpreisen zu erwerben, hier ist halt etwas Arbeit und Zeit dann gefragt für die Sparfüchse.
    „Scheiss der Hund auf die Kosten!“ Danke crunchy 😀

    Punkt 5:
    Zukunftserwartung
    Erwarte ich den totalen Kollaps der Welt die nicht mehr aufsteht, darf ich kein Platin kaufen, erwarte ich eine neu aufgesetzte (Fiat-)Währung dann kann ich die genannten Chance der Angstüberbwertung ausnutzen, erwarte ich eine Währung unterlegt mit einem Rohstoffkorb gehört Platin dazu.

    Punkt 6:
    Mit Platin beim Bauern die Kartoffeln bezahlen wollen
    ist genauso sinnlos wie mit Gold oder Silber, die bekommen das Zeug in so nem Fall massenhaft, EM sind nicht für die Krise sondern für danach, es geht erstrangig um Vermögenssicherung und Hinüberrettung von materialisierter Arbeit. Für einen Systemkollaps sind wohl Nahrungsmittelvorräte die erste Wahl und die nach wie vor spottbillig anzulegen.

    Punkt 7:
    Abschliessend zum Thema Bewertung noch ein Zitat:
    „Nach Angaben des südafrikanischen Minenbetreibers Impala Platinum betrugen die durchschnittlichen Förderkosten der Branche im Jahr 2010 rund 12.000 Rand je Feinunze. Bei einem aktuellen Wechselkurs von 6,90 Rand/US-Dollar entspricht dies rund 1.740 US-Dollar je Feinunze. Die Börsennotierungen bewegten sich damit in den letzten Monaten sehr nahe an und sogar unterhalb der Förderkosten für Platin. Die Aufwendungen der Minenbetreiber werden zukünftig sogar noch ansteigen. Der staatliche südafrikanische Elektrizitätsanbieter Eskom Holdings hat bereits Preiserhöhungen angekündigt. Impala Platinum rechnet mit einem Anstieg der durchschnittlichen Förderkosten auf 17.000 Rand im Jahr 2015.

    Eine optisch schönere Untertreibung bei den Edelmetallen gibt es nicht“
    Quelle: Benutzer Ersatzkasse, http://www.goldseiten-forum.de/index.php?page=Thread&postID=724106#post724106

    Ich bin froh dass wir hier noch einige ablehnende Stimmen haben selbst aus der Szene, das ist gut so 😉

    Cordiali saluti
    Criceto dorato

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