Plastische Katastrophologie

14. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Ich weiß, dass es das Wort da oben in der Überschrift nicht gibt. Ich hab’s grad kreiert, weil ich auch mal so einfallsreich sein wollte wie diejenigen, die momentan am perpetuum mobile der Geldbeschaffung basteln. Ich meine, wir sollten uns das mal plastisch vorstellen, denn wir sitzen schließlich mittendrin. Und zwar in der Art von Plastiken, die Hunde mit Verdauungsstörungen auf Gehwegen zu hinterlassen pflegen. Überlegen wir mal…

Warum müssen sich die Staaten eigentlich mit Anleihen refinanzieren? Wir zahlen Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Grundsteuer, Gewerbesteuer, Kfz-Steuer, Mineralölsteuer, Grunderwerbsteuer, Hundesteuer. Von weniger bekannten und damit gefühlt gar nicht vorhandenen Steuern wie der Schaumweinsteuer oder anderen Kapriolen mal abgesehen. Geht alles an den Staat. Was machen die eigentlich mit dem ganzen Geld? Wieso reicht das nicht? Die Steuerbelastung ist nicht ohne, eigentlich müsste das, was ich jährlich abführe, reichen, um mich zu verwalten, zu überwachen und zu verteidigen. Und einen neue Straße brauche ich gerade keine, eine Bahntrasse auch nicht. Steht hier alles schon seit Jahrzehnten rum und kann somit momentan wenig kosten. Und meine Gesundheit, mein Seelenheil, der Müll, Wasser, Strom, Telefon, meine Rente sowieso … das alles ist ja in diesen Steuern nicht einmal enthalten.

Schön … es scheint also nicht zu reichen. Und wenn man das Ganze kostendeckender machen will, muss man erst mal einen Haufen Geld ausgeben, um Studien zu finanzieren, Experten einzustellen und somit ein paar Jahre Geld ausgeben, um dereinst Geld einzusparen. Knifflig, das Ganze, das muss man zugeben. Was tun? Man holt sich noch mehr Geld herein, indem man Bundesanleihen ausgibt, sprich sich Geld leiht und dafür Zinsen zahlt. Ist ja nur opportun, das muss unsereiner ja schließlich auch, wenn’s auf dem Konto knapp wird und man sich dennoch dringend einen neuen Verwaltungspalast hinstellen möchte. Sie kennen das sicher.

Nur, dass Ihnen irgendwann ein freundlicher Bankangestellter mitteilt, dass die Grenze Ihrer Kreditwürdigkeit erreicht ist. Und zwar dann, wenn ihr Kreditrahmen so hoch ist, dass Sie mit Ihrem Einkommen nicht imstande sein werden, die erforderlichen Zinsen nebst Tilgung dauerhaft zu stemmen. Bei Staaten ist das anders. Die sind weit kreditwürdiger, weil sie ihr Geld ja selber drucken können, ob als EU-Verbund oder Einzelstaaten außerhalb des Euro. Hier ist die Höhe des beschaffbaren Geldes nur eine Frage von Angebot und Nachfrage. Je nach Vertrauenslage einerseits und freiem Kapital der Anleihekäufer andererseits kommen die Länder billiger oder weniger billig an neues Geld und verwenden es dann – nun, für dieses und jenes.

Wissen Sie, der Staat als solches, der sollte uns ja zeigen, wie man es richtig macht. Er sagt uns, wann wir welches Formular wie und wo abzugeben haben, wo wir wie schnell fahren dürfen und mit wie vielen Bierchen intus. Er maßregelt uns, wenn wir über die Stränge schlagen oder mal was in einer Bankfiliale mitgehen lassen. Recht so. Und da die Staatsdiener Vorbilder sind, wird jeder dieser Mustermänner und –frauen sofort an den Pranger gestellt, wenn er mal mogelt, säuft oder nur mal die eine oder andere Gefälligkeit annimmt. Doch wenn der Staat seine personellen Masken ablegt, zum „Staat“ als solches wird, was dann? Wem gegenüber hebt man dann mahnend den Zeigefinger, wenn etwas aus dem Ruder läuft? Schimpft man mit dem Bundesadler … oder bleibt eine solche Rüge ungehört, weil niemand zuständig ist? (—> Seite 2)


 

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5 Kommentare auf "Plastische Katastrophologie"

  1. freiheit50 sagt:

    Wieder einmal ein brillianter Artikel – herzlichen Dank an
    Ronald Gehrt. Obwohl das Thema todernst ist, musste ich mehrfach laut lachen. Das ist eben die Wirkung von Realsatire.
    MfG Christian

  2. paul4711 sagt:

    Hervorragender Artikel!

    Grüße
    Paul

  3. FDominicus sagt:

    Wenn’s denn nicht der Wahrheit entspräche, könnte man lachen. So weiß man, „schlimmer geht immer“.

  4. Fnord23 sagt:

    Ein zweiter Meyer, dieser Gehrt. Danke!

    Ich hab mir da mal was überlegt:

    Wenn die aus dem „Nichts“ geschaffenen Schuldgelder der privaten Verbraucher und der Wirtschaft, wenn die Kredite zurückgezahlt, also getilgt werden, dann wird ja „Geld“ vernichtet.

    Die Vermögen daraus bleiben ja erhalten und wollen verzinst werden.

    Diese vernichtete „Geldmenge“ muß dann tw. durch die Staaten ersetzt werden, weil sonst Geld im System fehlt und das in der Deflation enden würde. Daher die Staatsverschuldung.
    Kann das so stimmen?

    VG aus Sachsen

  5. Johannes sagt:

    @ Fnord23

    „Kann das so stimmen?“- JA 🙂

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