Pfui! Die EU ist nicht stubenrein!

23. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Immer, wenn es in des Volkes Seele gärt, bin ich berufen, auch meinen Senf dazuzugeben. Der Name verpflichtet. Gut, ich heiße nur so, vielmehr klingt mein Name nur so. Aber da ich mich ohnehin in den letzten Jahren bei den Entscheidern derart beliebt gemacht habe, dass ich auf Anfrage bei egal welcher Bank oder Behörde…

…nicht einmal mehr die Papierkörbe leeren dürfte (was klug überlegt ist, denn ich würde sie auf Verdächtiges durchsuchen), ist es für mich mittlerweile mehr Ehre denn Pflicht, auch diesmal wieder auf meine Apfelsinenkiste zu steigen und in der „Speakers’s Corner“ des weltweiten Netzes gegen Dummheit zu wettern. Das wird sie nicht auslöschen, ja nicht einmal spürbar mindern. Aber jeder einzelne, der nach dieser Kolumne ein wenig nachdenklich würde, wäre Gold wert.

Sprechen wir über Griechenland. Ja, das tun aktuell alle. Aber sie sprechen und schreiben nur über die Oberfläche des Problems. Ob Medien oder Politiker, ob Banken oder Anleger, man diskutiert über dringend benötigte Milliarden und den geeignetesten Weg, diese den Griechen zugänglich zu machen. Zu leicht soll es nicht sein, sonst „gewöhnen die sich noch dran“. Fiffi muss ja auch erst Männchen machen, bevor es den Hundekeks bekommt, gell? Mich schaudert’s, mich graust. Aber nicht der Milliarden wegen, sondern wegen der Tatsache, dass man offenbar überall – bewusst oder unbewusst – mit einer dicken Eichendiele vor dem Kopf herumläuft. Ich versuche es mit einem Beispiel zu erklären:

Unser lieber (griechischer) Fiffi hat auf den Boden gemacht. Gut, in erster Linie ist das Pfui. Aber was tut man als EU-Herrchen denn nun? Zu Anfang ging Herrchen hin und legte einfach ein Tuch darüber. Was man nicht sieht, ist nicht da und macht keine Arbeit. Aber Fiffi legte daraufhin noch diverse weitere Häufchen aufs Parkett. Ergo blieb nichts anderes übrig, als aktiv zu werden: Herrchen wischte das Malheur auf (bzw. überwies diverse Milliarden). Aber mit dem Hinweis, dass nun alles wieder in Ordnung und das Problem erledigt sei. Das war letztes Jahr. Aber Fiffi konnte weiterhin nicht an sich halten. Was tut das gewitzte Herrchen also? Es wischt und schimpft gar fürchterlich. Sprich überweist Milliarden und verordnet rigide Sparmaßnahmen. Schimpfen hilft selten. Und sparen löst, wenn man pleite ist, weil man keine Arbeit hat, das Problem nicht. Aber zur Sinnhaltigkeit der Spar-Erpressung habe ich mich zuletzt schon von anderen Apfelsinenkisten herunter geäußert – nicht schon wieder. Nein, es geht um etwas anderes:

Wie kann es sein, dass all diese von Amts wegen verantwortungsvollen Leute in Regierungen und Notenbanken sich nie die Frage stellen, warum Fiffi dauernd auf den Teppich macht und stattdessen immer nur zeternd um das Häufchen herumhüpfen? Es ist wie bei einem Husten … wenn man die Ursache nicht angeht, kommt er wieder, wird chronisch … und letztlich dadurch erst wirklich gefährlich. Vor allem, wenn der Patient Milliarden hustet. Ich behaupte: (—> Seite 2)

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7 Kommentare auf "Pfui! Die EU ist nicht stubenrein!"

  1. Andre sagt:

    Frank, vielleicht kannst du ein Bewertungssystem (0-6 Sterne oder so) unter allen Artikeln einführen?
    Sehr toller Artikel! 7 Sterne :-). Auch die Analogie mit dem Fiffi und dem Häufchen ist sehr sehr lustig. Dies verleiht dem Artikel trotz der Ernsthaftigkeit etwas Humorvolles.

    Da es das Bewertungssystem momentan noch nicht gibt, muss ich mich doch bemühen, es in Worte zu fassen. Sehr toller Artikel, der klar und deutlich die Problematik sowie die hohe Unfähigkeit der entscheidenden Personen aufzeigt. Daher: *******

    • Frank Meyer sagt:

      Ich gebe es gerne weiter. Gehrt ist eben einzigartig. Wenn es gährt in der Gehrtnerei… Das war mir schon klar, als ich vor vielen Jahren die ersten Artikel von ihm gelesen habe.
      Bewertungssysteme werden wir nicht einführen. Man kann ja seiner Stimmung in den Kommentaren Luft machen. Das ist persönlicher 🙂

  2. 95zisch ole sagt:

    Sehr treffend beschrieben, chapeau !! die bildliche Beschreibung ist köstlich, aber ich befürchte jetzt , daß der Kellner beim „Griechen“ jetzt als „unerzogener Hund“ bezeichnet werden könnte :_)

  3. Rolf sagt:

    Die ganze Sache läuft doch wie geschmiert:
    Das Volksvermögen wird mit Hilfe der EU an Banken+Konzerne verschoben und die Privatisierung gegen den Widerstand der Völker vorangetrieben.
    Mit dem ergaunerten Geld werden Sachwerte gekauft, dann wird sich über den crash entschuldet und zur Rekapitalisierung gibt’s die Zwangshypothek. Und das Spiel beginnt mit gutem Polster von neuem.
    Also ich finde das super ausgedacht. Für mich ist da von Chaos oder Hilflosigkeit keine Spur.

    • Stuelpner sagt:

      Ja Rolf genau meine Meinung, Beispiele bzw. Beweise für solches Handeln gibts genug, auch der „hilfreiche“ Marshallplan bescherte amerik. Investoren einen sehr großen Anteil an der deutschen Wirtschaft.
      Aktuellstes Beispiel ist jetzt wieder GR wo Volks- bzw. Staatseigentum an diese armen Banken und „Investoren verprivatisiert“ werden soll, um angebliche Schulden oder was weis ich damit zu finanzieren. Wenn es dann chronisch ist, sind sie auch die letzte Insel und den letzten Tempel los, aber die Schulden sind nicht niedriger.
      Zum Glück haben wir das Problem in D nicht, da ist schon alles weg.

  4. Stuelpner sagt:

    Prima Artikel.

    Wie sollte man auch Erwarten, das die Ursachen angegangen werden, ist doch völlig widersinnig in dieser Gesellschaft. Würde das die Schulmedizin auch so machen, hätten wir massig Geheilte, 0,4% Krankenkassenbeitrag bei ordentlicher medizin. Versorgung und eine Pharmaindustrie von der Größe eines Bleistiftherstellers, wer will das schon. Das Gesundheitsministerium bestimmt nicht, wo sollen dann die 40Mio. Lobbyspenden herkommen.
    Das Gleiche ist es mit GR bzw. der ganzen EU, wie sollen nach Beseitigung der selbstgeschaffenen Ursachen, die Banken und Investoren für nichts an das Vermögen und die Rechte der Völker, Staaten und Nationen kommen.

  5. Berliner sagt:

    Der Artikel klingt schlüssig aber auf vielen Kanälen hört man momentan, dass die Kurse bald auf breiter Front einbrechen werden. Wenn ich das nicht falsch gelesen habe, gehen in den USA 56 % der befragten Trader von einem bald kommenden starken Einbruch aus.

    Aber heißt es nicht immer: „Wenn die breite Masse annimmt, dass die Kurse fallen/steigen werden – dann geschieht genau das Gegenteil denn die breite Masse muss Verluste machen damit auf der anderen Seite eine kleine Gruppe die Gewinne einstreicht“?

    Wenn jetzt aber immer mehr von bald fallenden Kursen sprechen, müsste doch nach dieser Logik genau das Gegenteil passieren.

    Oder sehe ich das falsch?

    Ich wäre am liebsten schon vor knapp 3 Wochen mal mit ein paar Tausend Euro Short gegangen aber ich traue dem Frieden irgendwie nicht. Es sprechen einfach zu viele davon, dass die Kurse bald fallen werden! Da komme ich ins Grübeln!

    Über weitere Meinungen zu dieser Fragestellung würde ich mich freuen!

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