Peak Oil-Credit

18. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Peak Oil oder die treffendere Variante Peak Cheap Oil sind zwei Weltsichten, die angesichts des Ölpreisrückgangs der letzten Jahre von einigen nur noch belächelt werden. Allzusehr sollte man sich nicht darüber lustig machen. Nichts hilft besser gegen tiefe Preise als tiefe Preise…

Die letzten fünf Jahre an den Energiemarkten hatten einen hohen Unterhaltungswert. Länder sind temporär fast gänzlich aus der Produktion verschwunden, andere Spieler durften die Bühne kürzlich wieder betreten. In den USA wurde mit billigen Krediten bei hohen Ölpreisen eine Shale-Bubble aufgeblasen, die gerade platzt und Ölförderer pumpen trotz niedriger Preise Rekordmengen in den Markt, weil sie nicht mehr über Gewinne sondern nur noch über Cash Flows nachdenken.

Wer morgen Geld verdienen will muss erst den heutigen Tag überleben.

Ein entspanntes Leben nahe der Vollauslastung haben derzeit lediglich die Betreiber von Tankfarmen. Die Auslastung und die Niveaus sind nahe der Rekordstände. Ohne eine drastische und schnelle Kürzung (nicht das medial überstrapazierte production freeze) der Produktion droht ein Engpass auf den Tankfarmen.

1

An der globalen Gemengelage des Ölmarktes hat sich durch die temporären Verwerfungen nichts geändert. Die größten Ölfunde liegen weit weit zurück in der Vergangenheit. Wirklich bedeutende neue Ölfelder? Fehlanzeige. Die einzigen relevanten Veränderungen haben sich wie sooft auf der Seite des technischen Fortschritts gezeigt.

Wer immer noch achtlos mit Erdölprodukten umgeht und denkt, das kommt irgendwie aus einem locker aus der Hüfte in das Erdreich gebohrten Lochs, dem sei ein Blick auf moderne Förderanlagen empfohlen. Angesichts der Leistungen der Ingenenieure und der Menschen, die diese Anlagen am Laufen halten, kann man nur staunen. Leider bleiben bei den meisten Menschen nur Unfälle, Sicherheitslücken und Greenpeace-Schlauchboote im Gedächtnis hängen.

Oil pump on sunset background

Der Anteil der aufwändigen Fördermethoden an der Gesamtproduktion ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Der Haken an diesen Fördermethoden sind die hohen Kosten. Eine „harsh environment deep water“ Bohrplattform ist aufwändiger zu bauen zu warten und zu betreiben als der Bohrturm im Texas. Diese Kosten sollten sich in den Verkaufspreisen wiederfinden. Die Investitionen und der Betrieb sind nur sinnvoll, wenn man nach Kosten noch etwas übrig behält.

Nun kann eine rasche Ausweitung von Investitionen und der Fördermenge zu den derzeit zu sehenden Effekten führen. Die Förderung nimmt zu, sie übersteigt die Nachfrage und der Preis fällt wie ein Stein. Der übliche Schweinezyklus funktioniert nicht nur beim Borstentier. Das Prinzip greift auch bei Computern, Telefonen oder Öl.

Die Überproduktion führt über kurz oder lang zu sinkenden Preisen, die wiederum zu einer sinkenden Förderung führen. Das kann über Produktionskürzungen bestehender Firmen geschehen, es kann aber auch, wie im Falle der teils lächerlich hoch verschuldeten Shale Firmen in den USA auch über Pleiten ausgelöst werden. Diese Firmen fördern überhaupt nur noch in hohen Mengen, weil sie die Zinsen ihrer Kredite bezahlen müssen.

Viele Firmen werden bei der ersten Fälligkeit eines großen Kredites oder einer Anleihe finanziell das Zeitliche segnen. Die Refinanzierung werden viele nicht bewerkstelligen können. Das Ergebnis sind viele Kreditausfälle und schlussendlich eine sinkende Förderung, die das Angebot wieder näher an die Nachfrage rückt. Das wird sehr positiv für die überlebenden Firmen und für die Ausrüster sein, die die Förderung von Öl auch unter schwierigen Bedingungen ermöglichen und für den technischen Fortschritt im Sektor stehen.

66

Der kürzliche Preisanstieg beruhte vor allem auf der Hoffnung einer Produktionskürzung der OPEC und ihrer „Freunde“. Eine Stabilisierung der Überproduktion ändert jedoch nichts an der Problematik der teils in der Nähe der Kapazitätsgrenze operierenden Tanklager.

Dieses Problem wird sich wohl erst durch eine rasche und umfangreiche Pleitewelle bei den Shale Produzenten entschärfen. Vorher darf man sich bei den Öl-Futures noch auf einige Kapriolen freuen. Die Zeit bis dahin sollte man ruhig mit dem Erstellen einer Liste potentieller Kaufkandidaten vertreiben. Es geht nichts über gute Vorbereitung, solange die Kursbewegungen noch keinen allzu großen Einfluss auf die Emotionen haben.

 

 

Schlagworte: , , , , , , ,

6 Kommentare auf "Peak Oil-Credit"

  1. Lickneeson sagt:

    Gegenseitig um die Wette Öl zu fördern und damit die Preise in den Keller zu treiben – zu dieser erstmal absurden Politik sind nur wir Menschen fähig. Schön, als Nebeneffekt treibt man kleine Firmen in den Ruin, bleibt mehr Kuchen für die Grossen. Funktioniert im Baugewerbe übrigens auch. Dort lässt man die Subunternehmen mit unbezahlten Zwischenrechnungen im Regen stehen, bis sie aufgeben müssen. Nebeneffekt – kostengünstiges Bauen, Gewinnmaximierung beim Generalunternehmen und neue Subunternehmen die schon Schlange stehen.

    Ich stimme Ihnen zu, ohne drastische Kürzung kein nachhaltiger Turaround beim Öl. Aber der Markt hat ja soviel zu bieten, das man beim Öl immer wieder mal 10 – 20 % mitnehmen kann ohne an die Wende zu glauben. Wirklich interessant sehen m. M. nach Mais, Cotton, Sojamehl und Reis aus. Das könnten schöne Bodenabschlüsse mit viel Potenzial sein.

    “ Es geht nichts über gute Vorbereitung, solange die Kursbewegungen noch keinen allzu großen Einfluss auf die Emotionen haben.“

    Wieder ein schöner Satz für die Sammlung! Danke.

    MfG

  2. samy sagt:

    Wie fühlt sich eigentlich „kurz vor der Pleite“ an?
    So!
    „… Chesapeake Energy, der zweitgrößte Gasproduzent der USA, war vor weniger als zwei Jahren noch 20 Milliarden Dollar wert. Inzwischen ist der Börsenwert auf nur weniger als 4,00 Milliarden Dollar geschrumpft. Im vergangenen Jahr verbrannte der Gasproduzent fast 15 Milliarden Dollar und wird auch Jahr Verluste rote Zahlen schreiben. Noch immer lasten mehr als 9,00 Milliarden Dollar Schulden auf dem Unternehmen.
    Am 12. April meldete Chesapeake, dass die Banken die Kreditlinie über 4,00 Milliarden Dollar beibehielten. Im Gegenzug musste das Unternehmen nahezu 100 Prozent aller Vermögenswerte als Sicherheit verpfänden. …“

    Quelle: http://www.goldseiten.de/artikel/281863–Warum-sich-der-US-Gaspreis-mindestens-verdoppeln-muss.html?seite=2

  3. Sorpefjordxxl sagt:

    Ob die Wirtschaft brummt hängt im hohem Maße von der Nettoenergie ab, die ihr aus fossilen Brennstoffen zugeführt wird. Da ein wachsender Teil der fossilen Brennstoffe für die Förderung draufgeht (shale, deep water, tar sands, fracking), schwindet die „Befeuerungskraft“ dieser „Enegiesklaven“. Was häufig vergessen wird ist die Tatsache, das ein weiterer, wachsender Teil der schrumpfenden Nettoenergie für die unproduktive Erhaltung der vorhandenen Infrastruktur draufgeht.

    Meine These:
    Das Angebot an fossilen Brennstoffen wird verringert, wie im Artikel beschrieben.
    Die Nachfrage sinkt aber schneller oder gleich schnell, weil die verbleibende Nettoenergie aus oben erläuterten Gründen (Förderaufwand, + Versickern in unproduktiven Infrastruktur-Erhaltungsmaßnahmen) kein Wachstum mehr generieren kann.
    Folge: Deflationsspirale bis zum Kollaps.

    Uns wird buchstäblich der Saft abgedreht, von dem wir 200 Jahre profitiert haben.

    Die Batterie in unserer Erdkruste ist entladen – ein einmaliger, irreversilber Vorgang.

    • Skyjumper sagt:

      Ein sehr wichtiger, und gerne übersehener, Hinweis den Sie da hinsichtlich der Nettoenergie geben. Allerdings halte ich die These die Sie daraus ableiten für sehr gewagt, bzw. viel zu indifferenziert.

      Sicher: Einige, nämlich die nice-to-have Produkte, werden zunächst im Preis fallen weil es mangels hinreichenden Wachstums zu wenig Nachfrager gibt. Andere Produkte, vorzugsweise die lebensnotwendigen, werden jedoch im Preis erheblich steigen. Überlegen Sie sich alleine mal was eine Tonne Weizen kosten müßte, wenn in der Produktion keine billige Energie mehr zur Verfügung stünde?! Oder Wasser. Oder Heizenergie. Oder Haushaltsstrom. Wären wir ausschließlich auf die „Batterie der Erdkruste“ angewiesen, würde uns da ein ziemlicher Kollaps bevorstehen.

      Zum Glück ist das allerdings nicht der Fall. In dem Maße im dem der Nettoenergiegewinn aus fossilen Energieträgern zurückgeht erschließen wir gerade sogenannte regenerative Energiequellen. Ich sehe darin zwar beileibe kein Allheilmittel, aber es wird die Folgen der Annährung an die Grenzen der Energiegewinnung (Grenznutzen) doch deutlich abmindern.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.