Party bis zum bitteren Ende

29. September 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Politische Börsen haben angeblich kurze Beine. Unsinn! Der DAX saß in dieser Woche ganz beinlos herum. Dabei sollte es doch eine oder zumindest Klarheit geben. Viel besser drauf sind dagegen die deutschen Verbraucher, heißt es…

Sie kennen das sicherlich aus Ihrer eigenen Erfahrung – und wenn Sie Ihre Bekannten beobachten… Die Konsumstimmung der Deutschen ist nach offizieller Lesart inzwischen zu einem Konsumrausch mutiert. Alle geben ihr Geld mit vollen Händen aus, sagen die humanoiden Sprechformen aus dem Radio. Wirklich? Und wovon? Stimmung macht immer noch keine Umsätze, steigert aber die Gefahr wegen so viel Optimismus allerorten darin umzukommen.

Und die nächste Party rollt auch schon an. Wäre der 17. Oktober kein guter Anlass für ein kleines Feuerwerk? Dann gehen nämlich die USA Pleite, wenn ihre Schuldengrenze von 17 Billionen US-Dollar nicht angehoben wird. Oh Gott! Dann ginge die Welt unter, rufen die Experten. Ach was! Diese Welt dreht sich sicherlich auch ohne uns alle und vor allem ohne die Experten weiter. Nichts wird passieren! Im Gegenteil… Ich sehe schon die „Erleichterungsrally“, die dann nahtlos in die „Jahresendrally“ übergeht. 

Allerdings ist Geschrei im Vorfeld von Nicht-Ereignissen nervig wie Schädlingsbefall an Zimmerpflanzen.

Wie wär`s? Noch eine Party?

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt, dass zu billiges Geld die Märkte verrückt macht und dann zu neuen Blasen führt. Vor der sogenannten „Finanzkrise“ gab die Zentralbank der Notenbanken schon mal eine Warnung heraus. Im Getöse der der Party an den Finanzmärkten ging diese Warnung aber unter.

So eine Krise lohnt sich! So wuchsen die Schulden zur Bekämpfung der Krise in den 20 größten Ländern um 30 Prozent. Zufällig stiegen dadurch auch die weltweiten Vermögen nach Lesart der Allianz auf 111 Billionen US-Dollar. Das erstaunt, denn allein der Anleihemarkt ist 100 Billionen groß. Dazu kommen noch 60 Billionen US-Dollar aus dem Aktienmarkt. Und die Immobilien?

Irgendwo muss das neue Geld ja hin – am besten hin zu den Krisenverursachern bzw. auf den größten Haufen – dorthin, wo der Teufel am liebsten sein Geschäft verrichtet.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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2 Kommentare auf "Party bis zum bitteren Ende"

  1. crunchy sagt:

    Ich wage mal eine Prognose: Am 11.11. ist Aschermittwoch.
    …Na ja, schlechter als der GfK-Index ist das nicht, oder?
    In den Querschüssen findet man erstmalig auch in Deutschland, dem Wirtschaftswunder€uroprofiteur ein rückläufiges Kreditwachstum.
    Wird Lieschen Müller mulmig oder fängt Michel an zu schnaufen, wenn sie auf Einkommen und Ratenzahlung blickend, die Haare raufen? Der €uro für Deutschland zu billig? Oder sind seine Bürger der Täuschung von EZB und Politik glaubensunwillig?
    Blickt man auf das Ergebnis der Wahlen, sieht man: Sie wollen Führung bei zunehmenden Qualen. Man hofft auf Mutti, die Große. Ihr ist mulmig, die arme Hilflose.

  2. crunchy sagt:

    Ernsthaft: Die Frage aller Fragen für mich ist, wer wann den Stecker zieht.
    Ich selbst habe den Japan-Hype ausgelebt. Jeder sagte seinerzeit, die Notenbank wird zusammen mit der Regierung niemals zulassen, dass die japanischen Pensionsfonds implodieren werden. Nun, sie implodierten. Warum? Japan war schon damals nicht mehr als Europa heute: ein Spielball. Ein amerikanisches Spiel. Heute, hingegen
    s i n d die Karten neu gemischt. Amerika sitzt mit am großen Tisch, darf die Karten aber immer seltener mischen. Europa, na bitte nicht lachen, lehnt regelmäßig das Angebot, die Karten zu mischen, dankend, mit dem Verweis auf Amerika, sie sollten sie doch bitte noch einmal in der Hand halten, ab. Das ist Alles. Sie hoffen auf weiteren Wohlstandsgewinn. Gerne: Gehen Sie Angeln, Beeren pflücken, Jagen, Pilze sammeln, wenn Sie schon genug Gold und Silber haben.

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