Party auf dem Pulverfass

22. April 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Deutsche Bank hat versehentlich 28 Milliarden Euro an die falsche Adresse überwiesen. Bei mir kam leider nix an. Schon 2015 ist ihr das mit sechs Milliarden US-Dollar passiert. Wie peinlich!

Das passiert schon mal in einem „dysfunktionalen Unternehmen“. So bezeichnete die IT-Chefin ihren Arbeitgeber, die bald Reißaus nimmt, also die Bank verlässt. Bei so vielen Nullen kann schon mal durcheinander kommen.

Sonst gab es wenig Bewegung an den Börsen. Ist das die Ruhe vor einem Sturm? Nach 109 Monaten Dauerhausse könnte es das mal gewesen sein, orakeln Experten. Auch das Benzin der Zentralbanken hat den Börsen den zweitlängsten Aufschwung ever ever ever beschert, weniger aber die kleinen Leute reicher gemacht. Was diese als Lohn mehr erhalten, holt sich der Staat direkt oder indirekt wieder ab. Den Rest frisst die Inflation auf.

Früher sahen echte Aufschwünge anders aus.

Sollte es an den Börsen mal abwärts gehen, stehen die Zentralbanken mit den nächsten Benzinkanistern bereit.

Etliche Indikatoren haben sich eingetrübt. Vielleicht nur, weil man den Aufschwung mehr hätte feiern sollen. Das kann auch bedeuten, dass die Realität doch näher ist als die Zukunft. Bislang zumindest konnte man jedes Ungemach auf Trump oder die Grippewelle schieben. Was tun? Wegducken und schönreden. Seit der letzten Schuldenkrise ist der weltweite Schuldenberg um 67 auf 238 (!) Billionen US-Dollar gestiegen. Die Börsenhausse ist zum großen Teil aus der Zukunft geborgt. Viel Spaß jetzt bei der Zinswende!

Wenn es abwärts gehen sollte, kommt mit steigenden Zinsen schnell die Schuldenkrise zurück, denn steigende Zinsen bei gestiegenen Schulden macht ab einem gewissen Punkt Ärger und je größer der Schuldenberg… Riesenärger. Die Börsen feiern Party auf einem Pulverfass – mitten im Sonnenschein.
© Frank Meyer (Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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