Parkplatz statt Wohnung

25. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die wirtschaftliche Erholung findet auch in den Niederlanden nur in den Medien statt. Während die Arbeitslosigkeit weiter steigt und die Hauspreise weiter fallen freuen sich die Kommunen über einen neuen Einnahmerekord. Die Steuerquelle ist bemerkenswert …

Frei parken, so lautet die Beschriftung eines Feldes auf dem Monopoly-Spielbrett. Schön wär’s denkt nicht nur mancher Deutsche. Auch in den Niederlanden quetscht man über Parkgebühren Jahr für Jahr erkleckliche Summen aus den zweibeinigen Zitronen. Im vergangenen Jahr stiegen die Einnahmen aus Parkgebühren auf 660 Millionen Euro, immerhin 94 Millionen mehr als drei Jahre zuvor.

Im Mittel zahlte somit jeder Bürger etwa 40 Euro. Für dieses Geld darf man „The World of Parking“ genießen, wie es ein deutsches Parkplatz-Unternehmen nennt. Ja, Parken ist ein Riesenspaß. Manchmal ist es so schön, dass man gar nicht aussteigen möchte, um nichts zu verpassen. Neben dem gemeinsamen Abhängen in den Spaßfilialen der Coba wird das Parken sicher bald zum neuen Freizeittrend.

Schaut man auf den Anteil, den die Parkgebühren an den kommunalen Gesamteinnahmen ausmachen, bleibt einem die Spucke weg. In Amsterdam machen die Tickets mehr als ein Viertel der gesamten kommunalen Steuern aus.

parken

Zur Haushaltssanierung empfiehlt sich folglich eine möglichst hohe Ausnutzung der Parkplätze. Denkbar wäre es, dem Parkenden die Verpflichtung aufzuerlegen, für einen Nachparker zu sorgen. Bis die Lücke wieder neu besetzt werden kann zahlt der Vorparker. Herrlich einfach und damit sicher auch eine Idee für deutsche Kommunen. Wie sonst können die Autofahrer die städtischen Finanzen durch Stillstand fördern?

Abgesehen vom Abstellen der Kraftfahrzeuge läuft in Niederlanden weiterhin wirtschaftlich nicht viel zusammen. Nach dem Rekord an Unternehmensinsolvenzen im Vorjahr stolpern auch im laufenden Jahr zahlreiche Firmen in den Bankrott.

Die Zahl der Pleiten lag im Februar bei 606 und damit etwa auf Vorjahresniveau. Im Vergleich zu 2012 ist dies eine Steigerung um 6%, im Vergleich zu 2011 stieg die Zahl um 20%. Kein Grund zur Panik, aber von Euphorie ist man einen halben Wirtschaftszyklus entfernt… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Parkplatz statt Wohnung"

  1. gilga sagt:

    Die Zahlen die das Bankhaus da für die Herkunft der Steuereinnahmen in den niederländischen Kommunen ausgegraben hat sind wahrlich skurril. Ich würde vorschlagen, dass sich die Consulting Abteilung mit diesen Charts mal auf eine Tour durch die dt. Kommunen betrifft. Die Reihenfolge der Besuche lässt sich ebenfalls recht leicht aus einem Ranking nach Verschuldungsgrad ableiten. Tunlichst vermeiden sollte man jedoch irgendwelche Betrachtungen zum Thema „Das Geld kann nur 1x ausgegeben werden“ anzustellen.

    Übrigens: Parkhäuser sind, verschiedenen Meldungen zufolge, durchaus beeindruckend gute Renditebringer. Der ein oder andere Immo-Fond hat auf dieses Segment schon ein Auge geworfen. Die Grundüberlegung klingt erstmal gar nicht so falsch: Ob nun Bürogebäude/Einkaufsmeile/… A oder B im Einzugsbereich gut läuft ist egal. Geparkt wird immer. Auf zukünftig einsetzende Regulierungswut gegen diese bösen Spekulanten die mit überhöhten Parkgebühren verhindern, dass unsere schönen Einkaustempel-Innenstädte durch die Konsumwütigen deutschen Bürger gestürmt werden können darf man gespannt sein. Vielleicht gewinnt ja auch die Gruppe „Autofreie Innenstadt“ gegen diese bösen Parkhausspekulanten mit einer 50% Steuer auf Parkplätze auch im Innenstadtnahen Bereich zur Quersubventionierung des öffentlichen Nahverkehrs…

  2. bluestar sagt:

    Super Artikel von meinem Lieblings-Bankhaus.
    Wie immer sehr interessant und mit einem Schuss Ironie gewürzt – vielen Dank.
    VG aus Sachsen

  3. Skyjumper sagt:

    Ich denke, dass das niedrige Handelsvolumen ein Anzeiger dafür ist, dass sich die Situation noch nicht hinreichend bereinigt hat. Jetzt kommt es darauf an, wer zuerst „die Nerven verliert“.
    Sind es diejenigen die eigentlich gerne kaufen würden, aber das aktuelle Preisniveau immer noch für korrekturwürdig halten und deshalb doch noch nicht gekauft haben? In dem Falle würden die Preise tendenziell wieder leicht anziehen.
    Oder sind es diejenigen die eigentlich verkaufen wollen oder müssen, aber glauben dass sie es sich bei diesem niedrigen Preisniveau nicht leisten können weil nach dem Verkauf immer noch Hyposchulden übrig bleiben? Für diesen Fall würde es in absehbarer Zeit nochmal einen Ruck nach unten geben.

    Nicht verkennen sollte man jedoch auch eines. Stark steigende Immobilienpreise ziehen in aller Regel auch steigende Umsätze nach sich, und zwar auch auf Stückzahlen bezogen. Dass diese Umsätze nun zurückgehen ist bis zu einem gewissen Grad durchaus nicht unnormal.

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