ParIS: Wenn Schweigen Fürchten lehrt

19. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, mit diesen Worten begründete Bundesinnenminister de Maizière gestern sein Schweigen zu den Fragen nach den konkreten Gründen für die Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden. Womit er dann im Resultat vor allem eines tat – nämlich die Bevölkerung zu verunsichern…

Denn die wahren Gründe für die kurzfristige Absage des zuvor zum Zeichen gegen den Terror stilisierten Fußballspiels bleiben damit nun der Phantasie der Bürger überlassen, und diese kann sich nach den Anschlägen von Paris vom vergangenen Freitag so einiges vorstellen.

Die vermutlich unfreiwillige Ehrlichkeit des Ministers offenbart damit wohl endgültig die Hilflosigkeit der Bundesregierung. Angesichts der konkreten Bedrohungslage ist der islamistische Terror nun auch hierzulande in den Köpfen der Bevölkerung angekommen, was dies betrifft ändert Paris tatsächlich alles. Allerdings hat auch das andere Lager recht, das behauptet „Paris ändere gar nichts“ – schließlich war die akute Gefahrenlage auch zuvor nicht zu unterschätzen.

Wie Scheingefechte erscheinen nun auch die Diskussionen, von wo genau der Terror organisiert wurde: in Paris, in Belgien oder eben doch in Syrien. Konkrete Hinweise gibt es dagegen auf die Täterschaft mindestens eines „Flüchtlings“, der mit einem gefälschten syrischen Pass erst im Oktober auf der griechischen Insel Leros registriert wurde. Womit er den fast 300.000 völlig unregistrierten „Flüchtlingen“, die sich schätzungsweise zurzeit in Deutschland aufhalten, schon einmal etwas voraushätte.

Es ist daher wohl das Horrorszenario für die Kanzlerin, offenbart es doch auf ganzer Linie das Scheitern ihrer Politik der offenen Grenzen. Während die Drahtzieher der Anschläge aus Frankreich und Belgien stammten, waren sie immerhin in der Lage Nachschub über die sogenannte „Balkanroute“ zu requirieren. Exakt dies ist es, was in den Köpfen der Bevölkerung hängenbleibt, nicht de Maizières Bitte um Verständnis für sein Schweigen.

Auch Deutschland im Visier

Mit der Absage des gestrigen Fußballspieles haben die Terroristen nun auch hierzulande erreicht, was sie wollten. Und dies, obwohl der Anschlag letzte Woche aus Sicht der Attentäter – so hart dies klingen mag – wohl eher ein Flop war. Schließlich wollten drei mit Sprengstoffgürteln ausgerüstete IS-Kämpfer diese während des Spiels von Frankreich gegen Deutschland auf den Zuschauerrängen zur Explosion bringen, vor laufenden Kameras und mit garantierter Massenpanik. Nur den wachsamen Sicherheitskräften vor dem Stade de France ist es wohl zu verdanken, dass dieses Worst-Case-Szenario in letzter Minute verhindert wurde.

Gleichzeitig bleibt damit nun die bedrückende Angst bestehen, denn das Scheitern dürfte die Islamisten letztlich nur zum Nachlegen animieren. Und hier steht eben auch Deutschland im Fokus, immerhin bekannte der IS sich selbst dazu, es den „zwei Kreuzfahrerstaaten Frankreich und Deutschland“ zeigen zu wollen.

Bereits seit einigen Monaten haben wir auf die Terrorgefahr verwiesen, die wir uns auch durch die unkontrollierte Einwanderung seit dem Sommer hierzulande importieren. Gefahren, die seit Monaten von Sicherheitsexperten gebetsmühlenartig betont wurden, von der Politik im Rausch des „deutschen Sommermärchens“ jedoch als billige Panikmache abgetan wurden.

Vom drohenden „Bürgerkrieg“ sprechen plötzlich aber auch bislang völlig unverdächtige, wie etwa Springer-Vorstandschef Döpfner in einem Beitrag für DIE WELT. Noch deutlicher bringt es die niederländische Islamkritikerin und Bestsellerautorin Ayaan Hirsi Ali, ebenfalls in DIE WELT, zum Ausdruck. Die „Festung Europa“ sei angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus alternativlos. Europäische Führer wie Angela Merkel, die dagegen ihre offenen Grenzen als Tugend anpreisen, würden bald durch Populisten aus dem Amt gejagt werden, von denen sich die Bevölkerung besser verstanden fühle.




Zu den Märkten

Eine brisante Situation zeigt sich aktuell beim Gold. Noch im Oktober sendete der Markt Zeichen der Hoffnung. Der Abwärtstrend seit Januar 2015 konnte überwunden werden (blaue Abwärtslinie) und auch die als Widerstände wirkenden markanten Tiefs aus dem November 2014 (1.131,88 USD) und dem März 2015 (1.142,90 USD) wurden überwunden (blaue Waagrechten).

2015-11-18_Gold

Der Bruch des mehrjährigen Abwärtstrends (rote Abwärtslinie) wäre nun die nächste Etappe einer echten Trendwende gewesen. Konjunktiv. Zweimal kratzte der Preis im Oktober (gelbe Markierungen) an diesem Abwärtstrend – und scheiterte. Danach folgte ein regelrechter Abverkauf. Es ist nicht nur dieses Scheitern, das oft zu heftigen Gegenbewegungen führt. Im konkreten Fall deutete auch die rekordverdächtige Short-Positionierung der Commercials an der US-Terminbörse Comex – und die entsprechend hohe Long-Position der Großspekulanten – auf sinkende Kurse. Ob darüber hinaus noch anderweitig nachgeholfen wurde, um das ursprünglich positive Setup zunichte zu machen, sei hier dahingestellt.

Im Ergebnis sackte die Feinunze unter das bisherige Jahrestief von 1.073,68 USD (grüne Waagrechte). Erst auf diesem Niveau zeigen sich nun leichte Stabilisierungstendenzen. Obwohl im gestrigen Handel ein neues Verlaufstief der aktuellen Abwärtsbewegung markiert wurde, konnte sich der Kurs in der Folge erholen. Sollte die Ausbruchsmarke gar rasch zurückerobert werden, dann hätten wir es mit einem Fehlsignal zu tun – mit positiver Implikation für den weiteren Kursverlauf.

Erstaunlich gelassen reagierte bislang der DAX auf die Terrorwelle in Europa. Zwar konnte die im letzten SIW 46/2015 beschriebene dreifache Widerstandszone unter diesen Bedingungen nicht überwunden werden, die Sicherheitslage wurde aber auch nicht zum Anlass für eine Flucht aus deutschen Aktien genommen. Von daher dürfte der Markt derzeit eher eine Tendenz nach oben haben. Sollte der Bereich von ca. 11.100 Punkten überwunden werden, wäre das ein Signal für weiter steigende Kurse.

Fazit

Der Terror ist in Deutschland angekommen, zumindest in den Köpfen. An der Börse hat die neue Unsicherheit dagegen bislang kaum eine Wirkung gezeigt. Doch auch dies könnte drohen, sollte die neue Angst eine zu einem Dauerzustand werden.

© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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