Pardon, heute gibt es leider kein Geld.

15. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

ETF sind zum Synonym für einfache und kostengünstige Anlageprodukte geworden. Einige Probleme von Investmentfonds werden die Anleger allerdings auch mit den in der Tat oft wesentlich günstigeren Produkten nicht los. Eines der Risiken ist die Liquidität und Handelbarkeit der Anteile, für beides gibt es keine Garantie…

In den letzten Jahren stieg das in ETFs verwaltete Vermögen deutlich an. In der Frühzeit dieser Produkte drehte sich zunächst fast alles um die Abbildung bekannter Aktienindizes. Physisch replizierende ETFs boten den Käufern die Möglichkeit, sich von einem Großteil der Fondsgebühren klassischer Investmentfonds zu befreien.

Fast in Vergessenheit geraten sind bei vielen heute die lachhaft hohen Gebühren. Auch vergessen wird leider, dass zigtausende diese Gebühren immer noch zahlen und dazu noch die Branche mit mindestens ebenso absurden Gebühren für Riester-Produkte subventionieren. Diese Subventionierung aus Steuermitteln darf man in Anlehnung an den Kohlepfennig durchaus Fonds-Pfennig nennen. Wobei angesichts der Summen, die sinnlos verdampfen, die Bezeichnung Fonds-Mark zutreffender wäre.

Mag man auch Teile der Gebühren losgeworden sein, die Risiken der Geldanlage wird man nicht so einfach los. Während diese bei der Nachbildung einiger Aktienindizes noch überschaubar sind, von den normalen Verlustrisiken bei Aktien einmal abgesehen, drohen Probleme andernorts. Anleger, die trotz des Desasters bei Verbriefungen oder den ehemals offenen Immobilienfonds immer noch glauben, man könne durch die Umverpackung von Assets deren Eigenschaften verändern, werden noch viele böse Überraschungen erleben. Ein Asset mit hohem Liquiditätsrisiko bleibt ein Asset mit hohem Liquiditätsrisiko, wie hübsch auch immer man die Verpackung nennt, mit der man es umhüllt.

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Besonders beliebt waren in den vergangenen Jahren bei institutionellen und privaten Anlegern Anleihe-Fonds und Anleihe ETFs. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren war dank sinkender Zinsen und schrumpfender Risikoprämien derart erfreulich, dass sich das Volumen der Bond ETFs deutlich vergrößert hat.

Nicht vergessen sollte man die ebenfalls bemerkenswerten Volumina, die weiterhin von klassischen Fonds gehalten werden. Inwieweit die Anleger auf die Möglichkeit vorbereitet sind, eine längere Phase durchzuhalten, in der vermeintlich liquide Anlagen nicht veräußert werden können, ist schwer zu sagen. Der oftmals naive Umgang mit den nicht allzu lang zurückliegenden Verwerfungen an den Finanzmärkten stimmt diesbezüglich eher nachdenklich als optimistisch.

Die Risiken von ETFs wurden unlängst in der letzten Liquiditätsklemme im Frühjahr sichtbar. Während Anbieter in ihren Werbebroschüren die Vorteile in Großdruck auf buntem Papier bewerben, was legitim ist, wird auch mit den Hinweisen auf mögliche Risiken nicht hinterm Berg gehalten. Um diese zu finden, muss der Anleger sich jedoch die Mühe machen, sich einen Prospekt anzuschauen, was bekanntlich hierzulande nur bei Telefon-Betriebssystemen und Autos beliebt ist. Warum auch schaun, wo man sein Geld riskiert, wenn man auf den Chefkoch-Seiten in der gleichen Zeit nach einem Rezept für „Krabbensüppchen Normandie“ suchen kann… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Pardon, heute gibt es leider kein Geld."

  1. MFK sagt:

    Die Durchsicht der Anlagebedingungen lohnt in jedem Fall. In einem Flugzeugfonds Airbus A380 fand ich den Hinweis, dass die Betriebshaftpflicht des Flugzeuges nicht für alle Länder gilt und damit auch eine unbeschränkte persönliche Haftung des Anlegers möglich ist. Mit der Anlage erwarb der Anleger Miteigentum an einem A380, welcher dann an eine Fluggesellschaft verleast wurde. Daran musste ich denken, als ein A380 Triebwerksteile verlor, die dann hoffentlich in versichertem Territorium einschlugen.

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