Panzerschrank statt Bank

12. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Geld verdirbt den Charakter heißt es oft. Seltener wird auf die Frage des Charakters des Geldes selbst hingewiesen, obwohl es reichlich Abhandlungen gibt, die sich mit der Entstehung des Geldes beschäftigen…

Eine große Einigkeit herrscht unter den Verfassern derlei Schriften über die Eigenschaften, die Geld aufweisen muss.

Neben den Faktoren Homogenität, Teilbarkeit und Haltbarkeit spielt die Seltenheit eine nicht unwesentliche Rolle. In einigen Schriften wird dieser Punkt eher nachlässig behandelt, einzig der Bezug, das Wertaufbewahrungsmittel solle eine möglichst hohe „Wertdichte“ besitzen wird erwähnt, weil sonst etwaige „Transportkosten“ das ganze Spiel in die Ineffizienz führten.

In der aktuellen Mischwelt aus Digitalgeld und den bekannten Papierscheinen spielen die Transportkosten wohl keine sonderlich große Rolle. Dennoch ist der Punkt der Seltenheit aus einem anderen Blickwinkel heraus interessant, denn die Möglichkeiten zur Vermehrung des Zahlungsmittels steigen schon in der Papiergeldwelt nahezu ins Beliebige. Die Folgen sind bekannt, denn ein free lunch gibt es nicht, und durch das Drucken von Geld wird auch nicht der geringste Wert geschaffen. Nun wird von Freunden dieser modern wirkenden Geldwelt gerne eine nicht gerade konstruktive Kritik am Gold geäußert. Zum Teil handelt es sich um ernsthafte Verfechter des fiat-regimes, ein anderer Teil äußert sich vielleicht vor laufenden Kameras positiv zum status quo, was dann aber spätestens abends beim Feierabendbier im privaten Rahmen schnell gerade gerückt wird.

Ein Punkt, der in der großen Diskussion um die Edelmetalle wenig Beachtung findet, ist die Liquidität. Investiert ein Zentraleuropäer seine Euros im Euroraum, auf einem Eurokonto und in andere Euroanlagen, so halten sich seine Reibungsverluste naturgemäß im Rahmen der mehr oder weniger gerechtfertigten Bankgebühren. In diesem Kontext macht die Aussage „Gold verursache hohe Transaktionskosten“ wenig Sinn. Sieht man Gold als Geld bzw. eigenständige Währung an, sieht die Sache schon anders aus. Und diese Sichtweise ist durchaus vertretbar, denn die globale Akzeptanz des Edelmetalls ist unbestritten und hat sich auch im langen Lauf der Geschichte nicht großartig verändert.

Vergleichen wir einmal direkte physische Transaktionen in andere Währungen mit Käufen oder Verkäufen von Gold. Dazu müssen wir einen Blick auf den Markt für Papiergeld werfen, sprich auf eine Tabelle der Sortenkurse. Die unten stehenden stammen beispielsweise von der Postbank. Bei anderen Instituten sieht das Bild ähnlich aus. Die Tabelle zeigt, wie groß die prozentuale Differenz zwischen An- und Verkaufskursen der einzelnen Währungen sind. Das Ergebnis ist gelinde gesagt immer wieder erstaunlich.

Als Händler würde man diese scheunentorbreiten Spreads wohl mit der bekannten sarkastischen Bemerkung „breit aber ehrlich“ kommentieren. Wir haben bewusst, abgesehen vom Baht, keine sonderlichen Exotenwährungen in die Statistik aufgenommen. Allein die Spanne beim britischen Pfund, oder auch die 6% beim US Dollar – immerhin die aktuelle Leitwährung – sind überaus heftig. —–>

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12 Kommentare auf "Panzerschrank statt Bank"

  1. rolandus sagt:

    Schöner Text, Danke an Unbekannt. DAS habe ich mich schon immer gefragt, warum die Sortenkurszettel so einen komisch verschobenen Eindruck machen. Deswegen wollte die Birne ja auch „eine Währung“, eben damit das lästige Umtauschen aufhört…!
    schön gruß aus HH
    roalndus

  2. buntebank sagt:

    Leider betrifft mich die Gebuehren-Erhoehung der Schweizer Banken nun nicht direkt… x(

    Aber:
    „Nichts verdienen kann man auch alleine. Und zwar kostenlos. So geht Bank morgen.“

    finde ich wirklich sehr schoen formuliert ; )

  3. wolfswurt sagt:

    Ja ja, so ist das mit den Banken erst drehten sie ihren Kunden mit dem Argument des Inflationsschutzes in den 70igern das Gold an um dann auf dem Höchstand 1980 den Ankauf zu verweigern!!!

    Bei diesem Szenario damals war die führende Bank die Dresdner mit dem grünen und so…

    Banken sind eine Einrichtung für die ihres eigenen Lebens nicht Mächtigen.

    Die wenigen Anderen schauen diesen Institutionen nur noch amüsiert zu beim Versuch die Kurve zu bekommen.

    Dann schauen wir mal…

  4. Europaverweigerer sagt:

    Nun hat endlich mal jemand das niedergeschrieben warum ich schon vor Jahren alles Bargeld oder „Bits and Bits money“ gegen Gold und Silber getauscht habe.

    Eines hat der Autor noch vergessen, haste was auf der Bank, weiß die halbe Welt was du hast.

    Hast du die Kohle unterm Kopfkissen bekommt´s erst mal keiner mit.
    Angenehmer Nebeneffekt, über die Wertsteigerung und den Verfall der Währungen wird´s immer mehr und nicht weniger. 😉

    Und, nicht jeder wird dann gleich ausgeraubt.

  5. Adept sagt:

    Edelmetalle als Vorsorge für Deviseneinkäufe wäre angebracht – ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß z.B. ein Lufthansa-Manager für 1 Milliarde Edelmetalle hält für den Einkauf von Kerosin.

    Unsere Manager sind Idealisten geworden, Euro-Idealisten.
    Realismus schaut anders aus.

    Aber schließlich werden die Manager von den Banken kontrolliert.
    Wo das hinführt, zeigte Schrempp bei Mercedes: Hauptsache, die Schuldenlast bei der Deutsch Bank wurde gesteigert.
    Das war das einzige Kriterium seines Handelns.

  6. khaproperty sagt:

    Nun ja, das Gold übt seit jeher eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Das lag vermutlich vor allem daran, daß eigentlich niemand begreifen konnte, daß man dafür bares Geld (oder Warenäquivalente) bekam, wenn man auf gutwillige und -mütige Verhandlungspartner stieß, was nicht immer der Fall war (Versuchen sie mal, in Not im Ausland Gold zu Geld o.ä. zu machen!). Das metallische Zeug ist außer für anachronistische Schmuckgestaltung und ein wenig Tech-Verarbeitung zu Nichts nutze, sofern der Inhaber realer Werte (Rind, Schwein, Kartoffeln etc.) einsam beschließt, das es so sei oder/und ganz anderes begehrt und vermuten muß, daß es seinen Kollegen ganz ähnlich geht: vielleicht werden dann Hirschhornknöpfe hochgewertet oder sonstwas. Schließlich: warten wir auf den anstehenden crash, in dem auch Gold dorthin fallen wird, wo es vor Kurzem noch war, so etwa bei 300 billigen US-Dollars per Unze – oder niederer.

    • Frank Meyer sagt:

      Wunsch als Vater der Gedanken?

      • khaproperty sagt:

        Nein, bester Herr Meyer, kein Wunsch als Vater des Gedankens. Bin überzeugt davon – jedenfalls gegenwärtig. Nicht auszuschließen, daß man dazulernt. Aber genau das war einst der Grund für die Ablehnung als Anlagemedium. Will man zocken, mag das anders sein. Dann jedoch geht es nicht um Bewertungen der seriösen Art, allein um das Ausnutzen von Sprüngen. Da kann man auch auf den Weitsprung von Fröschen wetten.

        • Frank Meyer sagt:

          Weitsprung von Fröschen. 🙂 Gutes Bild. Vielleicht gibt es das ja noch

          Um Zockerein kümmere ich mich auch nicht. Das mögen die tun, die es können oder wollen. In den Beiträgen geht es fast ausschließlich um echtes Gold und Silber in physischer Form – als Ersatz für ein Papiergeld im Taumeln. Mehr nicht.

  7. nigecus sagt:

    Weiß nicht wo das Problem ist, XAU ist im ISO4127 als Währung anerkannt (http://www.currency-iso.org/dl_iso_table_a1.xls)

    Silber (XAG) ist auch dabei. Zumindestens geologisch viel seltener als XAU oder XAG sind Platin (XPT) und Palladium (XPD). Es gibt dafür nur 2 1/2 größere Abbaugebiete auf der Erde. Ist aber sehr volatil, da beides auch als industrieller Werkstoff benutzt wird, z.B. Katalysatoren für Autos >>> konjunkturabhängig.

    Also an der Seltenheit kann es nicht nur liegen. Bei Gold wird es die Akzeptanz sein. Mir fällt keine Kultur ein, wo Gold nicht als wertvoll beachtet wird. Ist bestimmt haptisch wegen dem Funkeln und so und irgendwelcher Assoziationen über das Leben.

    Witzig ist auch woher Gold wohl herkommt. Habe mal gelesen, dass Gold bei (ziemlich selten vorkommenden) Kollisionen von Neutronensternen entsteht (Selten, weil Neutronensterne Null Anziehungskraft aufeinander per Defintion ausüben). Und dann muss so ein Planet wie die Erde auch noch Glück haben mal so einen Goldstaubschweif abzubekommen.

    Ja gut so ein lustig bunter Papierfetzen mit draufgedruckten Zahlen (oder 0/1 Stellungen auf einen elektronischen Speichermedium) können da nicht mithalten.

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