Panik im Sabbatjahr

23. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Robert Rethfeld (Wellenreiter Invest)

Der Donnerstag und Freitag brachte extreme Bewegungen an den Aktienmärkten. Der eine oder andere vermutet einen externen Eingriff („Manipulation“). Ein Übergang von einer extrem engen Ruhephase zu einer Trendphase kann nicht stattfinden, ohne dass gehobelt wird und Späne fallen. Die Tür ist in solchen Situationen zu eng. Alles will gleichzeitig hindurch.

Jeder Fonds-Manager hat gesehen, in welche Richtung es ging. Raus oder Absicherungen aufbauen war das Gebot der Stunde. Martin Armstrong hatte einen Crash für den 1. Oktober auf der Rechnung. Der Markt präsentiert ihn uns sechs Wochen früher.

20150822.nyse

Der Bruch der Unterstützung im marktbreiten NYSE Composite Index (obiger Chart) ergab am Donnerstag ein charttechnisch sauberes Short-Signal allererster Güte.

Hinzu kam der Umstand, dass die Verfallswoche völlig anders verlief, als viele es erwartet hatten. Derart extreme Bewegungen kurz vor oder am Verfallstag (Freitag) bereiten extreme Kopfschmerzen. Das gewohnte „Festnageln“ der Kurse dort, wo man maximal Longs und Shorts schädigt, entfällt. Hier haben ganz klar die Long-Positionen verloren.

Diese Entwicklungen beinhalten eine Eigendynamik, die sowohl das hohe Volumen als auch den crashartigen Fall der Märkte ausreichend erklärt. Das August-Verfallstags-Volumen liegt an der NYSE üblicherweise bei 700 bis 800 Mio. gehandelte Aktien. Am Freitag waren es 1,3 Milliarden.

In unserem Jahresausblick 2015 formulierten wir: „Mitte Juli sehen wir ein wichtiges Aktienmarkthoch. Von dort aus sollten die Märkte bis in den Oktober, wahrscheinlich aber sogar bis in den November hinein korrigieren.“ Wir machten diese Aussage am US-Präsidentschaftszyklus fest sowie an dem Umstand, dass sich US-Präsident Obama in seiner zweiten Amtszeit befindet. Tatsächlich markierten S&P 500, S&P 100 und Nasdaq 100 ihre Hochpunkte am 20. Juli.

Das Sabbatjahr 2014/15 schlägt zu. Wir erläuterten die Zusammenhänge in unserer Wellenreiter-Kolumne vom 28. Dezember 2014. Sabbatjahre sind feststehende Bestandteile des jüdischen Kalenders, die – mit fixen Daten – alle sieben Jahre begangen werden. Noch heute halten sich orthodoxe Juden an das Sabbatjahr. In Analogie zum Sabbat als Ruhetag (siebter Tag der Woche) bezeichnet das Sabbatjahr das Jahr, in dem die Bewirtschaftung des Ackerlandes ruhen soll. Für den Autor des Buches „The Mystery of the Shemitah“, Jonathan Cahn, werden in Sabbatjahren die Unebenheiten im Finanzsystem bereinigt.

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Finanzmärkte in den Jahren 2008, 2001, (1994 mit Abstrichen) und 1987 erhebliche Bocksprünge vollzogen. Daraus ergibt sich ein Sieben-Jahres-Zyklus oder eben der Zyklus der Sabbatjahre. Das aktuelle Sabbatjahr begann am 25. September 2014; es endet am 13. September 2015.

Bis wohin könnten die Märkte in einer schnellen Bewegung fallen? Hier greift das Konzept der langfristigen gleitenden Durchschnitte. Sowohl 1929 als auch 1987 und 2011 stoppte der Dow Jones Index auf seinem 4-Jahres-GD.

20150822.1987

Dieser gleitende Durchschnitt umfasst 1.000 Handelstage. Aktuell verläuft dieser GD im Dow Jones Index bei 15.115 Punkten. Das Erreichen dieser Unterstützung würde einen Verlust im Dow von weiteren 8 Prozent bedeuten.

20150822.2015

Wir nehmen an, dass sich die Panik am Montag fortsetzt. Ab Dienstag sollte sich ein Bounce-Versuch ergeben. Dieser sollte eine kurzfristige Erleichterung mit sich bringen.

Bullishe Träume dürften vorerst zerstoben sein. Denn die Ausbildung einer Bodenformation nach einer Panik erfordert Zeit. Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen vergleichsweise hoch bleiben. Zudem erwarten wir ein „Nachschwingen“ des – zunächst in China ausgelösten und jetzt auf den US-Markt übergesprungenen – Finanzbebens bis in das kommende Jahr, Zwischenerholungen nicht ausgeschlossen.

Das laufende Sabbatjahr (25. September 2014 bis 13. September 2015) möchte in der Phalanx schwieriger Sabbatjahre offenbar nicht ins Hintertreffen geraten. Tatsächlich könnten die Aktienmärkte um den 13. September herum – dieser Tag ist ein Sonntag – nochmals eine negative Phase haben. Zum Ende der Sabbatjahre 2001 und 2008 kam es so.

 

5 Kommentare auf "Panik im Sabbatjahr"

  1. waltomax sagt:

    Das Geld ohne Deckung ist in Massen gedruckt und ausgereicht. Die Kurse sind gestützt und die auch Aktiengesellschaften haben ihre eigenen Aktien mit dem billigen Geld zurückgekauft. Und damit künstlich verknappt und verteuert.

    Derweil braucht eine Welt-Realwirtschaft in der Rezession immer wenig Energie und es wird immer weniger verschifft. Der BALTIC DRY spricht Bände.

    Wenn die politischen Märkte den realen schließlich zeitnahe unterliegen, dann kommt die ganz große Wertberichtigung.

    Und dann gute Nacht…

  2. waltomax sagt:

    Zusatz:

    Wie sagte Wilhelm Busch: “ Doch das Ende ist nicht heiter, es ist abscheulich, greulich! Aber siehe: Wie erfreulich!“ Zumindest für die, welche an einen echten Markt glauben.

  3. Michael sagt:

    Wenn man die Börsen weltweit in Dollar betrachtet sieht man von Asien über Europa bis Südamerika Abwärtstrends. Eine Ausnahme gibt es. Israel. Dort sollten die meisten orthodoxen Juden leben. 🙂 Soweit zum Sabbatjahr.

    In den Landeswährungen ist die sich anschleichende Baisse noch nicht so perfekt zu erkennen. Der Grund ist seit Langem anhaltende fundamentale Überbewertung. Das Pendel schlägt mal wieder um. Verkaufssignale gaben der ex Pimpco-Manager mit „new normal“ und die Qualitätsmedien mit „Aktie als neue Anleihe“. Am perfektesten warnte Jim Rogers. Im 1. oder Anfang 2. Quartal kam von ihm die Warnung „Verkaufen Sie, verkaufen Sie alles! Nehmen Sie die Beine in die Hände!“ Rohstoff – Rogers ist kein Crash-Guru. Im Gegensatz zu den notorisch bösartigen Typen darf man ihn ernst nehmen. Wenn Rohstoffe und Wechselkurse taumeln, zerlegt es schlechtere Qualitäten von Anleihen und Aktien auch. Bisher scheint das noch recht harmlos zu sein.

  4. waltomax sagt:

    Werden Wetten angenommen (Kiste Sekt) ?

    DAX – Stand am 15.10.2015: 3500 Punkte…

    • Dagobert sagt:

      Wetten? – Immer!! – Aber in diesen verrückten Zeiten wo Notenbanker verkünden, dass Sie über eine Technologie verfügen, womit sich alle(!) Probleme per Knopfdruck lösen lassen…und auch offiziell verkünden: „Kaufen ALLES – ausser Gold!“ plädiere ich für Edelmetall-Einsätze!
      3500 Punkte im Dax am 15/16.10.2015?!? – Also ich biete für jeden einzelnen Punkt unter 5000(Fünftausend) eine ganze Unze Silber – WENN ich für jeden Punkt über 7000(Siebentausend) einen halben Euro bekomme! – Na, wer getraut sich? – Oder macht ein verlockendes Gegenangebot…vielleicht in Goldunzen und Eurocent… 😉
      Gruss Dagobert

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