Panik-Curry in Neu-Delhi

13. September 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott  Die Schwäche der Währungen einiger Schwellenländer ist ein logisches Resultat der in den letzten vier Jahren sichtbaren Abschwächung der ökonomischen Situation in den betroffenen Ländern. In Asien gerieten die Märkte auch in stabileren Ländern wie Malaysia auch Thailand unter Druck…

Auch eine wenig überraschende Korrektur kann die wieder in den Fokus gerückten Liquiditätsrisiken in diesen Regionen nicht verdecken.

Vor allem in den Zahlungsbilanzen der betroffenen Länder zeigt sich seit geraumer Zeit eine ausgeprägte Schwäche. Besonders übel hat sich die Situation in Indien entwickelt, wo die Behörden bereits absurde Vorschläge unterbreiten. So sollten unlängst die Bürger dazu bewegt werden, ihr Gold in Rupien zu tauschen. Warum jemand, der eben keine Rupien sondern Gold haben wollte, nun begeistert auf dieses Angebot eingehen sollte, ist schleierhaft. Möglicherweise kommt ja nach dem Rückkaufangebot der Zwangsrückkauf nach amerikanischem Vorbild. Unter lupenreinen Demokraten herrscht bekanntlich ein reger Austausch volksbeglückender Methoden.

Besonders putzig war die Begründung, dieses Gold läge im Besitz der Menschen untätig oder gar nutzlos („idle“) herum. Man fragt sich sogleich, welche nützlichen Leibesübungen die Aktien in der Girosammelverwahrung täglich vollführen.

Aber nicht nur in Indien schwelt es. Neben ohnehin schwachen Zahlungsbilanzen fordern nun die Sünden der letzten Jahre ihren Tribut, vor allem die rasche Kreditexpansion hat zur im Westen nicht ganz unbekannten und in ihrer Dynamik nicht nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung geführt. Ein massives Wachstum der kurzfristigen Verschuldung bei der Bevölkerung führte zu den üblichen Auswirkungen auf die Immobilienmärkte, die sich von einer Bewertung auf Basis der zu erwartenden Cash Flows teils deutlich entfernt haben.

Ausgehend von einer Betrachtung der Zahlungsbilanzen sind in Asien neben Indien auch Indonesien, Thailand und Malaysia sehr verletzlich. Die Kombination von bereits vorliegenden Defiziten (außer in Malaysia) die finanziert werden müssen und zunehmenden Abflüssen ist höflich formuliert arg unglücklich. Neben der einfachen Betrachtung, ob ein Defizit vorliegt oder nicht, ist eine Untersuchung der Art der Kapitalflüsse der letzten Jahre wichtig. So sind ausländische Direktinvestitionen stabiler und nicht so kritisch wie reine auf kurzfriste Anlagen ausgelegte Geldströme. Letzere haben die unangenehme Eigenschaft, oft sprunghaft wieder nach Hause zu wollen.

Zur Einordnung folgen zwei Charts, die die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und die anderen Zahlungsströme nach China und Indien darstellen.

china

indien

Es ist unschwer zu erkennen, dass sich China und Indien (nicht nur…) hinsichtlich der Kapitalströme auf zwei unterschiedlichen Planeten befinden. Die Abhängigkeit von eher instabilen Mittelzuflüssen verdeutlicht, warum Indien überaus sensibel auf Kapitalabflüsse reagiert, ein Eindruck den die panikartigen Aktionen und Vorschläge aus Neu-Delhi belegen.

Ein Mittel, zu dem in Zeiten einer rapiden Währungsabschwächung gerne gegriffen wird, ist der direkte Eingriff am Devisenmarkt. Dieses Mittel ist in Regel nicht erfolgreich und kann bestenfalls kurzfristig bei extremen Positionierungen am Devisenmarkt für eine Beruhigung sorgen. Sprechen die Kapitalströme für die von der Währung eingeschlagene Richtung, wird diese nach dem Abklingen der Intervention wieder eingeschlagen. Außer dem Ende einiger überhebelter Kurzfristtrader hat sich an der Situation nichts geändert…

Für die Einschätzung des Spielraums, der für solche Experimente zur Verfügung steht, sind die Währungsreserven wichtig. Diese sind in den letzten Monaten rückläufig. Der „Peak“ in der unten stehenden Tabelle bezieht sich nur auf das laufende Jahr. Seit dem Top im Jahr 2011 haben beispielsweise die Reserven in Indien um 14% abgenommen.

 

ratios

Allzu aggressiv sollten die Staaten ihre Reserven nicht für die Eingriffe am Devisenmarkt einsetzen, bei anhaltenden Defiziten kann es sonst an der Realitätsfront zu bösen Überraschungen führen.

Neben dem Makrobild, verändert das sinkende Angebot an Finanzierungen auch die Welt der Betriebswirte. Die anhaltenden Mittelabflüsse ziehen vor allem den kurzfristigen Finanzierungen den Boden unter den Füßen weg, so dass die Finanzierungskosten selbst vom bisher erreichten Niveau noch deutlich steigen dürften. Viele jetzt noch wacklige Finanzierungen werden platzen. In einigen Regionen werden die Gelder erst bei deutlich höheren Risikoprämien wieder fließen. Wie in jedem Zyklus ist die Korrektur nach dem Aufschwung schmerzhaft.

Investoren, die wie so manch politischer Hasardeur den Zins in den letzten Jahren nicht als Risikoprämie betrachtet haben sondern als sichere, unumstößliche Einnahmequelle betrachtet hat, dürften sich wundern. Vor allem Fondsanleger, deren vereinnahmte Risikoprämien durch Gebühren deutlich reduziert wurden, erhalten systematisch eine zu geringe Kompensation für die eingegangenen Ausfallrisiken. Der Finanzmarkt ist keine Maschine, deren Zweck es ist für Pensionskassen, Banken, Versicherungen oder Privatanleger eine bestimmte Wunschrendite zu generieren, auch wenn manche Verkaufsbroschüre dies suggerieren mag.


 

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Ein Kommentar auf "Panik-Curry in Neu-Delhi"

  1. Michael sagt:

    Gold liegt nutzlos herum:) Sollte man mal einen Banker fragen was er von ausufernden Sparguthaben hält. Das ist denen so etwas von egal an sich. Wenns keiner braucht wird es entwertet. So einfach ist es.

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