Palladium. Ein gibt doch Glanz bei den Edelmetallen.

12. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Vor einigen Jahren wendeten wir uns dem Palladium zu. In der Regel steht das Metall im Schatten von Gold, Silber und sogar Platin. Selbst nach dem Überschreiten der 1000-Dollar Marke wird das Metall immer noch ignoriert obwohl sich an der Versorgungsknappheit nichts geändert hat…

Im Jahr 2015 widmeten wir einige Artikel dem Metall, das unter anderem für Katalysatoren eingesetzt werden kann. Damals stand die Versorgungssituation und damit das Angebotsdefizit im Vordergrund. Die Förderung reichte bei weitem nicht aus um den Bedarf zu decken. An dieser Situation hat sich nichts geändert. Kommt aus Russland auf absehbare Zeit kein zusätzliches Angebot auf den Markt, dann bleibt es bei der seit Jahren anhaltenden Knappheit. Die folgende Tabelle stammt von den Spezialisten von Johnson Matthey und zeigt die Werte zum Zeitpunkt des dritten Quartals des Jahres 2017.

Auch bei den Positionierungen der ETFs ist keine Euphorie zu erkennen. Die Situation bei den Palladium-Fonds ist im Vergleich mit den Mittelbewegungen im gesamten Edelmetallsektor sogar relativ schwach. Die seit Jahren anhaltende Korrektur bei Gold und Silber hat viele Investoren einschlafen lassen. Manche haben sich von den Edelmetallen sogar gänzlich abgewendet, was angesichts der ebenfalls eingeschlafenen Kurse nicht ungewöhnlich ist. Selbst neue Mehrjahreshochs beim Palladiumpreis genügten offenbar nicht als Weckruf und so flossen auf Jahressicht sogar Mittel aus Palladium ETFs ab, obwohl es stärkste unter den Edelmetallen war. Das ist eine überaus ungewöhnliche Entwicklung.

Die Versorgungssituation wird sich nicht schlagartig verbessern, denn weder wird die Förderung über Nacht steigen noch wird sich an der Einschränkung der Verkäufe aus Russland etwas ändern. Metalle wie Palladium oder auch die in zahlreichen Technologien benötigten Seltenen Erden werden von den Russen schlauerweise nicht mehr wie in den vorangegangenen Jahrzehnten an Konzerne in anderen Ländern verschleudert, deren Regierungen sich dann mit Sanktionen bedanken, sondern werden als strategische Positionen betrachtet. Das ist nachvollziehbar und langfristig wesentlich intelligenter als diese Metalle irgendjemandem für eine handvoll Dollar en masse zu verhökern. Durch eine Finanz- und Wirtschaftspolitik, die mehr auf die Vermeidung extremer Risiken und einer breiteren Aufstellung der Wirtschaft vom Agrarsektor bis zur High Tech Branche ist man nicht mehr darauf angewiesen, Rohstoffe zu verramschen. Für die sehr knappen Rohstoffe gilt das noch wesentlich stärker als für Öl und Gas. Diese Politik war überaus erfolgreich, wie nicht nur die sehr moderat ausgefallene ökonomische Abschwächung nach den westlichen Sanktionen und die darauf folgende rasche Erholung zeigt.

Die Knappheit schlug sich in den letzten Jahren deutlich in den Preisen wieder. Besonders gut lässt sich dies auch an der relativen Entwicklung von Palladium im Vergleich zu Gold, Platin und Silber ablesen.

Palladium ETFs mit Mittelabflüssen trotz steigender Preise beim Edelmetall

2016 erhielt man für eine Unze Gold etwa 1,8 Unzen Palladium. Jetzt sind es nur noch 1,2 Unzen. Die fehlende Euphorie der Anleger ist als weiterhin positives Zeichen für die Preisentwicklung zu werten. Ein zusätzlicher Nachfrageschub bei den ETFs ist angesichts der sehr guten Preisentwicklung und der üblichen prozyklischen Herangehensweise denkbar. Vielleicht tauscht ja der eine oder andere einen bitcoin gegen ein paar Unzen Palladium. Was man hat, das hat man.

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3 Kommentare auf "Palladium. Ein gibt doch Glanz bei den Edelmetallen."

  1. MFK sagt:

    Die supply/demand Statistik oben bezieht sich auf Platin und nicht Palladium. Ein Unterschied zwischen Platin und Palladium ist, dass bei Palladium Russland Hauptförderland ist. Könnte es sein, dass die Russen hier den Hahn etwas zudrehen?

  2. Skyjumper sagt:

    Palladium liest sich zugegebenerweise im laufenden Jahr viel attraktiver als Gold oder Silber. Gleichwohl kann ich mich nicht so recht damit anfreunden. Zum einen habe ich, genau wie beim Silber, das Problem mit der Mehrwertsteuer. Das bedeutet zumindest bei physischer Haltung schon mal einen gravierenden Kostennachteil der erst einmal eingeholt werden will.

    Zum anderen ist Palladium auf Gedeih und Verderb an die Automobilindustrie, und hier wiederum ausschließlich an Verbrennungsmotoren, gekoppelt. Über 50 % des Jahresverbrauchs entfallen auf die Verwendung in Katalysatoren.
    Und hier sehe sehe ich durchaus Zukunftsrisiken. Zum einen wird die Recyclingquote immer besser, und zum anderen ist der Verbrennungsmotor generell ein langsam absterbender Ast.

    Zum langfristigen physischen Halten wäre das daher für mich nichts. Und um zu spekulieren gibt es dann reichlich andere Mittel als ein paar Unzen Palladium. Aber das kann und darf man natürlich auch anders sehen.

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