Ostern 2009

13. April 2009 | Kategorie: RottMeyer

Es tut gut, die Zeitungen in der Ecke liegenzulassen. Sie eignen sich übrigens hervorragend als Unterlage, wenn man alten Pflanzen neue Erde zukommen lassen will. Wenn man dann auch noch die TV-Fernbedienung verschusselt, dann hat man fast schon die Garantie auf ein friedliches Osterfest. Dann sitzt man im Garten, bewundert die explodierende Natur, schnauft mal durch, geht mittags essen, beobachtet Leute und redet mit Freunden und Bekannten auf einem langen Osterspaziergang über Alltäglichkeiten…

„Die Dinge klein halten“, sagen die Großmütter. Sie wissen noch, was echte Werte sind, haben sie doch deren Veränderungen in vielen Jahrzehnten durchleben müssen und können. Wenn sie es nicht einschätzen können, wer dann? Beispielsweise sind Kochen und Backen Dinge, mit denen viele trotz der inflationär laufender Kochshows kaum noch etwas anfangen können. Das muss es auch nicht, kann man doch auch mitreden, wenn man da regelmäßig zuschaut. In einer Zeit, in der man eine Birke nicht mehr von einer Heckenrose unterscheiden kann, ist alles käuflich, alles ersetzbar, selbst der Mensch. Wer nicht funktioniert, wird ausrangiert. Dafür gibt es genügend Abstellgleise.

Wir verkaufen unsere Lebenszeit, um auf einem Karussell der Eitelkeiten mitfahren zu können, rennen zu Trainern, Beratern, Ärzten und Apotheken, um diese Lebenszeit noch effektiver ausbeuten zu können. Gleichzeitig lehrt man den Kindern im zarten Alter, dass es nur schneller, nur weiter und nur höher gehen kann.
Abweichungen vom Normalen wird als Individualität gesehen, aber bitte nur in geregelten Bahnen.

Welche Dinge werden unsere Kinder an uns später bewundern? Ich weiß es nicht. Vielleicht staunen sie über die Fähigkeiten, wie wir mit geldlichen Dingen umgehen. Sie werden sich darüber wundern, wie es uns immer wieder gelingt, mehr auszugeben, als wir einnehmen, ohne auf die schiefe Bahn zu kommen bzw. von dieser abzurutschen. Doch sagen Sie das mal einem, der auf dieser Bahn schon unterwegs ist. Anderen Leuten Geld zu schulden, ohne die Absicht, es auch wieder zurückzugeben, ist heute nichts Ungewöhnliches. Probleme werden auf die Zukunft verschoben wie das Vorhaben, bald mit dem Rauchen aufzuhören. Wer heute so durchs Leben kommt, ist in guter Gesellschaft. „Das hatte was von einer Massenbewegung…“ werden unsere Enkel in ihre Geschichtsbücher niederschreiben. „…und kaum einer hat es gemerkt, dass er auf dem Holzweg war….“

Die Leute im Jahr 2009 lebten in Teams und Kollektiven, beäugten und beobachteten sich gegenseitig und auch ihre Nachbarn. Sie orientierten sich an Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und Fernsehshows, die ihnen zeigten, welche Kleidung man trug, in welchen Wohnungen man lebt, mit welchen Autos man fährt und wie man die Freizeit verbringt. Sie gaben Geld aus, was sie sich immer borgten und glaubten, ihre Welt würde damit besser. Dafür zahlen wir heute die Zeche. Die Leute waren früher wirklich dumm.“

Inmitten einer Masse möchten die wenigsten an der Seitenbande stehen und zuschauen. Am liebsten erzählt jeder von sich und von seinen Erfolgen. Die Masse bestimmt wie man sich fühlt. Unsere Kinder werden uns vielleicht auch fragen, warum wir soviel Unsinn mitgemacht haben im Glauben, es werden andere wieder in Ordnung bringen. Und vielleicht lachen sie über unsere heutigen Politiker, denen zu allem etwas einfällt, aber nichts, was wirklich hilft. Doch wenn man abends mit Leuten an einem Lagerfeuer sitzt, erzählen manche, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann. Und dann schenkt man sich gegenseitig noch ein Bier ein.

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