Ordnung muss sein!

30. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Na hören Sie mal! Schließlich ist es äußerst unappetitlich, ständig in Hundehaufen zu treten. Oder finden Sie es etwa gut, wenn jemand Kaugummis auf Gehwege spuckt, in der Öffentlichkeit uriniert oder seine Zigarette wegwirft? Nicht mehr lange, denn Ordnung muss sein!

Wenn eines Tages die meisten Leute nur noch in der Lage sein werden, soweit zu denken wie dicke Sauen hopsen, wird es Zeit für eine Revolution. Lange dauert es nicht mehr. Ihr Trog wird immer schneller gefüllt mit neuen Ideen, die sich der gemeine Bürger schon immer gewünscht hat – mehr Ordnung zum Beispiel. Dank der Gentechnik bleibt dieser Wunsch nicht unerfüllt. Man muss es nur klug anstellen. Und auch ein Staat wird dafür sein, allein schon aus Sicherheitsgründen. Jeder wird dafür sein, wenn man es ordentlich verkauft. Und glauben Sie mir, Weltverbesserer denken da noch viel weiter. Ihre Welt ist richtungsweisend, selbst wenn die Richtung nicht stimmt. Schauen Sie nach London, wo der Fortschritt pulsiert…

Barking ist nicht nur ein Stadtteil Londons, sondern bedeutet übersetzt auch „bellen“. Die Weltverbesserer nehmen dort zum Wohl von Bürger und Stadtkasse den Kampf gegen die Tretminen von Hunden auf. Jeder Kläffer soll in einer Datenbank mit seiner DNS gespeichert werden, so dass zweifelsohne der Verursacher des Problems auf dem Gehweg dingfest gemacht werden kann. Gegen viel Bares. In Barking scheint es übrigens viele Hunde zu geben. Vielleicht ist der Preis für Tierfutter viel zu tief oder die Einsamkeit der Leute viel zu hoch? Wir wissen es nicht.

Sie suchen eine krisenfeste Anstellung? Werden Sie Ab-Stricher. Man nennt das dann zwar anders, aber hat dennoch etwas mit Strich zu tun, wenn ein Heer von
Langzeitarbeitslosen im Auftrag der Stadt Abstriche von gefundenen Hundehaufen macht. Ähnliche Projekte haben in den USA die Hundehaufen-Dichte um 90 Prozent reduziert. Sollte die Zahl der abstrich-geeigneten Objekte geringer werden, wird der Ab-Stricher seine Tätigkeit auch auf Kaugummis, Zigaretten und ähnlichen Auswurf anwenden – mit einer menschlichen DNS-Datenbank. Die Kosten für diese Innovation dürften überschaubar sein bei den zu erwartenden Einnahmen. So muss im Londoner Barking Gen-Sammler pro Schicht nur einen einzigen Hundehaufen ausfindig machen. Kostenpunkt für den Hundebesitzer: 80 Pfund oder umgerechnet 110 Euro zuzüglich der Bearbeitungsgebühr. Das dürfte dem Mindestlohn eines Ab-Strichers entsprechen.

Hey, das ist ja teurer als Hundefutter für ein Jahr, werden manche einwenden. Warum ist eigentlich Hundefutter so billig? Dass sich jeder, aber auch wirklich jeder so einen Tretminenproduzenten leisten kann? Ich sehe schon die Kommentare… Immer mehr Haustiere werden heute ohnehin als Ersatz für andere Defizite gehalten. Sie kennen ja die Bilder, wo sich Leute ähnlich wie Hunde verhalten bzw. sich das Aussehen von Hund und Mensch anpassen.

Da die Not in der Staatskasse meistens auch latent vorhanden ist wie der Wille, seine Schäfchen zu kontrollieren, werden ständig neue Einnahmequellen erschlossen. Natürlich nur zum Wohle des Volkes. So führt auch die EU-Kommission an vielen Fronten aussichtsreiche Kämpfe, um ihren Gönnern neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Kampf gegen die Plastiktüte ist das neue Projekt der nach Brüssel abgeschobenen Kommissare ohne nachweisbare Produktivität in der Realwirtschaft. Oder wie erklären Sie sich diese vielen Vorschläge, die Erde zu einer Scheibe plattzudrücken? Europa ist in dieser Hinsicht etwas rückständiger als die Briten.

Was wirklich noch fehlt, ist eine Gen-Datenbank für Menschen. Aber man ist schon einfrig dabei und gut unterwegs. Bewegungsprofile sind ja schon da und die Überwachung von der NSA auch. Aber Fragen Sie den Herrn der Misere. Der sagt Ihnen sicherlich die Wahrheit. Oder fragen die bei der NSA nach, wenn Sie mal ihr Passwort vergessen haben.

Ordnung ist ein Wachstumsmarkt. Ihr sind Wirtschaftskrisen egal und entpuppt sich als super Geschäftsmodell gegen leere Stadtkassen – ist universell einsetzbar und grenzenlos erweiterbar. Das britische Tierexperiment dürfte ein weiterer Meilenstein für eine neue Welt ohne Privatsphäre sein. Mit Tierexperimenten beginnen viele bahnbrechende Entwicklungen. Nicht nur in der Medizin. Und mal ehrlich, sind wir nicht alle Versuchskaninchen?

 

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6 Kommentare auf "Ordnung muss sein!"

  1. paulepanter sagt:

    Neue Pflicht, dank der EU, sind ab 2018 bei Neuwagen -PKW ein SOS-Warnsystem. Da hört man genug Meinungen unserer Bürger: Das ist doch sinnvoll. Kostet für einen Neuwagen nur 100€ mehr, und Hilfe kommt beim Unfall sofort. Nebenbei wissen unsere Überwacher gleich, wo ich mich befinde.
    Da habe ich doch gleich noch einen neuen Vorschlag für die EU: Wer hilft mir beim Laufen oder Fahrradfahren? Was ist wenn ich stürze oder die Treppe herunter falle? Da muss eine Lösung her, natürlich so dass ich keine Wahl habe -ob ich möchte oder nicht!

    • meinereiner sagt:

      Laut Bericht wird das System erst ausgelöst sobald ein Airbag auslöst – irgendwie muss es ja auch erkennen wann eigentlich ein Unfall vorliegt. Ich schätze entsprechend ausgestattete Mitmenschen werden den Wahrheitsgehalt dieses Berichtes je nach Modell auch ziemlich schnell herausfinden (eine aktive Mobilfunkverbindung lässt sich relativ einfach nachweisen).
      Falls das System ansonsten die Klappe hält und keine Daten sammelt oder sendet wäre das ok. Ein Notruf mit GPS-Daten (idealerweise innerhalb 30 Sekunden nach dem Auslösen des Airbags noch von Hand abzubrechen) erhöht in vielen Fällen tatsächlich die Überlebenschance drastisch.

    • FDominicus sagt:

      Suchen Sie mal nach RFID Chips. Checken mal wie das heute bei den Tieren gemacht werden (ich glaube) muß. Aber ist ja alles nebensächlich, mit den mobilen Telefonen hat man eine nahezu unerschöpfliche Informationsquelle. Bilder, Kontakte, Termine, Mails, Notizen und was weiß ich noch. Viele schon mit eingebautem GPS und Straßenkarten die man sich vielleicht mal eben von Google oder so holt. Wo Sie gerade sind? Wenn Sie es nicht wissen, wird es wohl eine App im Mobiltelefon geben die es ihnen sagt.

      Wir brauchen uns um die Daten wirklich nicht mehr sorgen. Die Leute sind glücklich und zufrieden. Das Bier ist kalt, der Fernsehen warm. Der Strompreis steigt zwar aber auch da wird man wohl einen Soli einrichten können. Die Bild findet immer noch über 2 000 000 leser und kümmert sich um die Außenpolitik und das „Maul des Volkes“. Was soll das schief gehen?

    • Skyjumper sagt:

      Werter @paulepanter: Bei Ihren Überlegungen kann ich doch nur den Kopf schütteln. „Eile mit Weile“ erwidere ich Ihnen. Das kommt schon noch, aber es muss eben alles schön der Reihe nach gehen. RFID-Chips im Experimentalstadium können bisher 50 m weit senden, das lässt sich sicher noch optimieren, und schwupps kriegen Sie alternativlos so ein Ding unter die Haut injektiert.

      Was da dann alles drauf und drin ist, da werden Sie ins Schwärmen geraten ob der unendlichen Möglichkeiten der Überwachung. Ach nein? Sie geraten nicht ins Schwärmen? Sollten Sie aber wenn Sie gesellschaftskonform sein wollen. Denn die Argumente mit denen man in etwaigen Gesprächen Ihre Ohren quält und Ihr noch denkfähiges Gehirn vergewaltigt werden genau die gleichen sein wie beim e-call fürs Auto.

  2. Lickneeson sagt:

    Den Tretminen begegnen die Menschen meiner Meinung nach mit zu wenig Phantasie. Aus Hundesicht ist ein sorgfältig drapierter „Scheisshaufen“ nur ein Serviervorschlag. Einfach etwas Petersilie oder Brunnenkresse dazulegen – schon entsteht ein keiner Jamie Oliver. Die „MC Doof“ – Überbleibsel der „Hohlkopfgeneration“ sind dagegen immer noch im Stadtpark oder Strassengraben, wenn die Notdurft von Hasso längst den Weg alles Irdischen genommen hat. Aber erklären Sie mal einem debilen Idioten das Wort Vernunft.

    Ordnungsliebe ist übrigens nur eine genetische „Hilfstörung“ im Kopf eines Autisten, ohne die er wahnsinnig werden würde.

    Tip: Sammelt alle Tretminen und legt sie der EU zu Füssen – eine Hommage an den Irrsinn, den sich die verquasten Hirne in Brüssel mitunter ausdenken.

    MfG

  3. Tim Timeless sagt:

    Jawoll! Ordnung muss sein!
    Deshalb diskutier ich auch alle paar Tage mit ‚Ordnern‘, ob meine Töhle ohne Leine laufen darf oder nicht. Blöd nur für die ‚Ordner‘, wenn ich dann in mein Portmonaise greif und einen Stadtplan mit eingezeichneten Bezirken raus hol.
    Beim Thema Kackbeutel bin ich echt froh, wenn die EU hier eingreift. Dann kann ich bei Bedarf behaupten, Beutel sind alle. Erst wieder nächstes Jahr.
    Wir haben hier in Oldenburg etwa 6500 angemeldete Köter. Dazu kommen etwa 3000 bis 6000 illegale
    OK, um es einfach zu machen: 10000 Hunde. Jeder geht etwa 3 mal am Tag Gassi. 30000 Tüten pro Tag. 365 mal im Jahr…. (moment, ich rechne noch…) Kapp 11 Mio Baggies in Oldenburg im Jahr. Und das ganze hochgerechnet auf die ‚BRD’… ähhh, kriegt mein Taschenrechner nicht mehr hin.
    In 1000 Jahren werden sich Archäologen den Kopf darüber zerbrechen, welchen Gott wir wohl mit in Polyäthylen verpackten Hundeschiet besänftigen wollten.
    Tim

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