Onkel Sam legt die Daumenschrauben an

9. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott  

Still und leise werden in den USA die Daumenschrauben an den Händen europäischer Großbanken angezogen. So manche Bank, die sich aus unerfindlichen Gründen noch immer für ausreichend kapitalisiert hält, wird sich bald auf Kapitalsuche begeben müssen …

Zwei wichtige Entscheidungen der US-Behörden werden in einige europäischen Banken für Sorgenfalten sorgen. Jeder geht mit den Neuerungen auf seine Weise um. Die eine Bank bemüht sich bereits nach Kräften, schon vor dem Inkrafttreten der neuen Regulierung im Grab zu liegen, die andere erfreut sich ungerührt an der unseligen Baselschen Risikogewichtung.

So soll etwa der Finanzchef der Deutschen Bank seinen Arbeitgeber als eines der am besten kapitalisierten Geldhäuser weltweit einstufen, freilich unter Einbeziehung der Risikogewichtung, die weite Teile der bilanziell vorhanden Risiken mit Null bewertet. Nun ist ein Risikogewicht von Null unabhängig vom Asset natürlich Unfug, aber ohnehin wird die Deutsche Bank mit dem Baseler Werkzeugkasten in den USA nur bedingt punkten können.

Durch die Neufassung der Kontrolle der Aktivitäten ausländischer Banken in den USA durch die Fed ergeben sich Probleme, die auch die hilfreichen Hände des Baseler Ausschusses nicht aus dem Weg räumen können. Die Zuständigkeit ist klar geregelt und Onkel Sam wird sich diese Knute nicht aus der Hand nehmen lassen. In Bezug auf die Erhöhung der Eigenkapitalquoten ist dies begrüßenswert und hilfreich bei der Minderung des Einflusses des europäischen Weichspülers.

In addition, under the Bank Holding Company Act and the International Banking Act, the Federal Reserve is responsible for approving, reviewing, and monitoring the U.S. nonbanking activities of foreign banking organizations that have a branch, agency, commercial lending company, or subsidiary bank in the United States.

Die neuen Regelungen zur Foreign Banking Organization (FBO) Supervision sind durchaus bedeutungsvoll. Umso erstaunlicher ist die geringe Beachtung dieser Regulierung in den Medien. Sicherlich will man den Bürger nicht verunsichern, ein Ziel, bei dessen Erreichung mittlerweile auch das Weglassen von

Nachrichten an Beliebtheit gewinnt. Da es seit Jahren zur Aufnahme in die so genannten „Wirtschaftsredaktionen“ einiger Sender offenbar genügt, wenn man den Kurs des Euro zum Dollar ablesen kann, um sich dann zwischen den zu verwendenden Verben „katapultieren“ (Euro steigt) und „nachgeben“ (Euro fällt) sicher auszuwählen, wird diese Arbeitsersparnis dankbar aufgenommen.

Die Kernpunkte der umfassenden Neuregulierung sind die Zusammenfassung der US-Aktivitäten ausländischer Banken in Holdings (Intermediate Holding Companies, IHC). Diese wird für Banken bindend, die insgesamt Assets im Umfang von mindestens als $50 Mrd. halten und deren US-Töchter mindestens $10 Mrd. an Assets vorweisen können. Jede größere Bank mit nennenswerten US-Aktivitäten gehört in diese Kategorie und fällt damit unter die FBO Regulierung.

Banken, die zu dieser Kategorie zählen, sind dann nicht nur für die Einhaltung der Basel-Richtlinien verantwortlich, sondern müssen ebenfalls die Kapitalanforderungen erfüllen, die für US-Bankholdings gelten. Eine überaus sinnvolle Regelung, die so manche europäische Bank angesichts der akuten Unterkapitalisierung Sorgen bereiten dürfte.

Die neue Fassung der Eigenkapitalanforderungen, die eine Harmonisierung des Dodd-Frank Acts und der Basel 3 Regularien schaffen soll, bringt für die US-Holdings der europäischen Banken zwei ungeliebte Kennzahlen mit sich.

Zum einen ist dies die US-Version der Leverage Ratio. Bei den Europäern ist diese Kennzahl unbeliebt, was man durchaus mit der zu geringen Eigenkapitalausstattung begründen kann. Die Leverage Ratio, die nun in den USA eingesetzt wird, bringt einige sinnvolle Veränderungen mit sich. Das Minimum liegt bei 4%, um als „gut kapitalisiert“ zu gelten, muss der Schwellenwert von 5% erreicht werden.

Die Baselsche Leverage Ratio begnügt sich mit sparsamen 3% Eigenkapital. Es kommt noch dicker, denn so manches, was den Bilanzkünstlern ans Herz gewachsen ist, fließt nicht mehr in die Berechnung des Eigenkapitals ein, etwa der goodwill. Auch die deferred tax assets, von denen man sich im Insolvenzfalle nichts kaufen kann, fallen aus der Berechnung heraus, so dass man sich bis auf leichte Modifikationen der äußerst sinnvollen tangible common equity ratio (TCE Ratio) nähert. Auch diese ist in Europa nicht sonderlich beliebt. Die folgende Grafik lässt ahnen, woran es liegen könnte.

bpn

Allen Ausreden zum Trotz erwächst die Abneigung gegen härtere und vor allem nachvollziehbare Kennzahlen vor allem an der dünnen Eigenkapitalausstattung vieler hiesiger Banken. Zumindest beachten sollte man diese Kennzahlen dennoch, denn eines ist klar: Von Goodwill kann man sich im Ernstfall nichts kaufen, und ein Risiko verschwindet nicht deshalb, weil irgendjemand auf die Idee kommt, es mit Null zu gewichten.


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