Omas Silber wieder unterm Hammer

12. Dezember 2010 | Kategorie: Aufgelesen

von Hans – Jörg Müllenmeister

Zur Silberhochzeit am Hoch im Januar 1980 trugen die Bürger scharenweise ihr vererbtes Familiensilber zum Markt. Damals bekam man für ein Kilogramm Silber rund 2.500 DM; heute entspricht das etwa 1.278 Euro. Das war schon ein hübsches Sümmchen. Da trennte man sich gern von einem alten angelaufenen Kaffeeservice für ein paar Tausend Mark…

Noch ist das Hoch von einst nicht erreicht. 1980 hatte ich ausgiebig Gelegenheit, das Treiben der Silber-Hype zu verfolgen. Zentnerweise karrte man Tafelsilber und andere Gebrauchsgegenstände aus Omas Zeiten zu den An- und Verkaufsstellen. Kein Winkel auf dem Speicher blieb bei der Suche nach Silberutensilien verschont. Es kam zu einer regelrechten privaten Enthortung. Laut und vernehmlich platze dann die Silberblase – danach fiel Silber ins Koma. Bis zum erneuten Einatmen des Silbermarktes vergingen mehr als 20 Jahre. Erst 2001 war das Tief bei 5 US-D erreicht. Von da an setzt sich die Silberlawine erneut beschleunigend in Bewegung.

Fakt ist, dass es mehr als sechsmal soviel Gold wie Silber auf der Welt gibt. Keiner weiß es genau. Sicher ist nur, dass man jährlich achtmal mehr Silber als Gold aus der Erde holt. Das sind über 21.000 Tonnen und entspricht einem gedachten 12,6 Meter großen Silberwürfel. Indes wird wesentlich mehr an Silber verbraucht (25.000 Tonnen), vor allem industriell. Man schätzt, dass es nur noch einen Silberbestand von 18.600 Tonnen auf der Welt gibt. Das ist weniger als eine Jahresproduktion!

Als gewiefter Silberbug wissen Sie genau, wie es um das Investment Silber steht. Nämlich vielversprechend. Die von US-Banken konzentrierten Shortpositionen in Höhe von 300 Millionen Unzen auf das Investment Silberzwerg ist weitaus größer als die physischen Weltbestände. Es ist absehbar, dass dieses Treiben weltweit zu einer Verknappung und damit zu einem exorbitanten Preisanstieg führt, und zwar bald!

Schon jetzt beobachten Händler einen Rückfluß-Effekt wie Ende der 70er Jahre. Omas kunstvolles Silber tritt wieder den Weg in die Schmelzöfen an. Offensichtlich gab es doch noch unentdeckte Schätze. Sogar kostbares historisches Silbergut wird jetzt verscherbelt – gegen bunte Papierfetzen, die sich Euro nennen. Kulturbanausen wollen das schnelle Geld, der Preisanstieg lockt. Dabei kauert Silber erst in den Startlöchern. Doch Gemach, Gemach! Noch muss man 48 Silberunzen für eine Goldunze berappen.

Es bedarf aber nicht der Glanzzeit von 1480, in der eine Goldunze drei Silberunzen wert war. Das entsprach einer Kaufkraft von heutigen 2.400 Euro. Selbst wenn Silber sein historisches Mittel von 15 (z.Zt. 48) auf Gold erreicht, kann der Silberpreis noch um das Dreifache steigen. Nun ist aber der große Bruder Gold keine Konstante; er nimmt auf seinem Weg auch eine historische Marke in Augenschein. Das ist der Dow Jones-Index. In den nächsten Jahren könnten sich beide auf Augenhöhe bei 1:1 begegnen, sagen wir bei 5000. Was für ein leckeres Potential hat Silber auf seiner Agenda! Nur ein visionärer Schelm würde aus dem Zahlenspiel 5000:15 = 333 daraus für das Jahr 2014 einen Silberunzenpreis von 333 US-D ableiten.

Gewiss für einen Silbersammler – und das ist die Kehrseite der Münze – ist es auf Dauer langweilig nur Silbermünzen oder -Barren im häuslichen Fort Knox zu beherbergen. Deshalb empfehle ich mal einen anderen Weg. Ersteigern Sie Silbersachen auf Auktionen. Auch auf Flohmärkten können Sie fündig werden. Zudem macht das Spass, denn gar nicht so selten ergattern Sie antike silberne Gebrauchsgegenstände zum bloßen Silberpreis. Sie können damit ihr Heim verschönen und haben ihre tägliche Freude am Gebrauch der Löffel, Kannen, Vasen, Untersetzer, Becher oder Gewürzschälchen. Rasch haben Sie sich gewisse Kenntnisse angeeignet, denn was heißt hier Silber?

Ist Feinsilber etwa Münzsilber oder welchen Silbergehalt hat ein 12lötiges Objekt Ihrer Begierde? Nun, 925er Silber ist Sterlingsilber und hat einen Anteil von 925 Teilen Feinsilber und 75 Teilen Kupfer. Dann gibt es das sogenannte Gebrauchssilber mit 800 oder 835 Anteilen Feinsilber. Neusilber heißt auch Alpaka und ist nur eine silberähnliche Kupfer-Zink-Nickel-Legierung. Gar nicht so selten begegnet dem Sammler das sogenannte 13lötige Silber. Wieviel Prozent Silber steckt da drin? In diesem Fall sind es 81,2%. 16lötiges Silber enthält 99% Ag. Allgemein als Formel ausgedrückt: 6,5 mal „Lötigkeit“ gleich Silberanteil in %.

Bei Eßbestecken gibt die eingeschlagene Kennzahl 60 g, 90 g oder 120 g über den Versilberungsgrad für ein Dutzend genormter Besteckteile Aufschluss. Das ist die Niederschlagsmenge von Silber in Gramm. Dabei wird zu Grunde gelegt, dass sich 60; 90 oder 120 Gramm Silber auf einer Fläche von 24 Quadratdezimeter niederschlagen. Das entspricht etwa der Oberfläche von 12 Gabeln und 12 Löffel. Wenig bekannt ist, dass auch aus „vollem“ Silber gefertigte Qualitätswaren zusätzlich noch einen galvanischen Überzug aus Feinsilber erhalten können, um Lötfugen zu kaschieren und Farbunterschiede auszugleichen.

Gelegentlich können Sie bei Ihrer Suche auf Schmuck- und Ziergegenstände stoßen, die aus dem südostasiatischen Raum stammen. Doch Vorsicht: Nicht selten sind das giftige Silber-Cadmium-Legierungen. Erst eine Röntgenfluoreszenzanalyse entlarvt sie. Meist liegt der Silbergehalt unter dem Mindestfeingehalt von 800/1000 Teilen Silber.

Schließlich hat es Ihnen eine russische Ikone angetan mit einem sogenannten Silber-Oklat. Das ist ein Überzug aus Metallblech auf der Ikone, die nur Gesicht und Hände einer sakralen Figur preisgibt. Für was auch immer Ihr Sammlerherz schlägt, Silber ist in jeder Form eine lohnende Anlage. Wohl dem, der sich in Geduld übt und seinen Silberschatz nicht verscherbelt. Das hastige Verflüssigen zu schnödem Geld wäre fatal. Eher übergibt „Opa“ seinen Erben ein wirklich kostbares Geschenk, denn bereits in der nächsten Generation sind sämtliche Silberminen dieser Welt erschöpft. Welch eine Motivation! Noch viel Spaß beim Sammeln.

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