Oh, Du Lächerliche!

10. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) An der Börse ging es munter, meistens rauf und kaum noch runter. Herrlich, wie der DAX jubelt, während die Wirtschaft gerade weg kippt, aber alles besser bleibt. Da sind sich die Experten einig und klingeln zum Einstieg…

Der DAX wäre so etwas wie alternativlos. Und 2013 könnten die Zinsen dann durch die EZB noch weiter sinken, denn die Wirtschaft will nicht anspringen, trotz des billigen Geldes. Inflation wäre gar kein Thema. Richtig! Und lächerlich. Man versteckt diese wie die Weihnachtsgeschenke für die Kleinen. Morgen Kinder, wird’s was geben!

2012 war das beste Börsenjahr seit neun Jahren. Wenn die Party am schönsten ist, sollte man eigentlich gehen. Doch wohin? Verkaufen heißt, man tauscht seine Aktien in… Ja in was?

Vielleicht sollte man sich endlich mal etwas gönnen? Etwa eine Zweitlampe bei den Strompreisen?

2012 war ein Jahr, wo viel eingesteckt werden musste, vor allem in den Banken. Die Boni erreichten wie der DAX fast schon wieder Allzeithochs. Da hat sich die Retterei mit dem Steuergeld doch gelohnt. Und in Griechenland wird es ebenso sein. Für zehn Milliarden Euro kauft der griechische jetzt Staat Schuldenpapiere zurück – mit Geld, das ihm die Nachbarn borgen mussten. Scheitern ist weiterhin keine Option.

Am heute geht es mit viel Jubel, wenn drei der nicht gewählten EU-Vertreter dann den Friedensnobelpreis in Stockholm entgegen nehmen – während der Kontinent im Süden implodiert und die Stimmung auf den Straßen explodiert.

Dafür ist Deutschland als Exportnation der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Und bald bringen wir auch den Frieden in die Krisengebiete – gerade zur Weihnachtszeit. Das wird unter Umständen ein mächtiges Feuerwerk geben, viel größer als das an der Börse.

©Frank Meyer, Kolumne für die Lübecker Nachrichten


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8 Kommentare auf "Oh, Du Lächerliche!"

  1. John Doe sagt:

    Hi Frank,

    was unterscheidet einen Börsianer von einem System-Lottospieler?

  2. John Doe sagt:

    Hi Frank,

    vielen Dank für die Bestätigung, dass sich der Börsianer in nichts vom System-Lotto-Spieler unterscheidet. Ist für einen Börsianer der Glauben an den blinden Zufall aber nicht kontraproduktiv?

    Als was entlarvt sich dann die Selbstdarstellung der Zunft? Wozu braucht es dann überhaupt noch Fondsmanager oder ratgebende Börsianer? Die Transaktionskosten können wir uns doch sparen!

    • Frank Meyer sagt:

      Nix Bestätigung. Nix verstanden.
      Lotto hat w e n i ng e r Treffer- und hat mit Überlegungen und Strategie nichts zu tun.
      Man versteht eben das, was man verstehen will.
      Außerdem kann man nicht nicht in einem Markt sein.

      • Ashraf Khan sagt:

        Wenn ich in Gold bin, bin ich in keinem Markt – eine Unze ist immer eine Unze, oder? 😉

      • John Doe sagt:

        Hi Frank,

        sorry, zwar rhetorisch zulässig ad hominin zu gehen, aber es ist keine Antwort, sondern dient nur der Immuninisierung, wovor eigentlich? Oder der beliebte Satz: Das muss Ihnen erst noch genau erklärt werden! Mangel der Fähigkeit etwas erklären zu können oder … ? What shall´s, macht aber trotzdem Spaß!

        Beim Lotto ist die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige zu haben, nahe Null. Trotzdem gibt es jedes Jahr ein paar Dutzend neue Lottomillionäre. Wieso, Frank? Die System-Lottospieler behaupten, dass dies nur mit ihrem strategischem Verhalten zu tun hat; Zahlenreihen auf Häufigkeiten zu untersuchen und dann an zu kreuzen. Dem strategisch orientierten System-Roulettespieler passiert, dass langfristig die Spielbank 1/36stel der eingesetzten Summen bekommt, und das macht den Anreiz für die Spielbank aus. Langfristig gewinnt aber nur die Bank. Langfristig findet ein Ausgleich aller Summen statt (minus der Kosten für das Glücksspiel, zu der auch der Gewinn der Spielbank gehört). Damit wäre das Glücksspiel vollkommen uninteressant, wenn man es langfristig spielen würde. Aber kurzfristig kann es sich lohnen, und das macht den Anreiz für den individuellen Spieler aus, korrekt? Passiert dies nicht auch beim Börsenspiel?
        Es wird kolportiert, dass einige Börsianern in feuchtfröhlicher Runde initiierten: das Dart-Portfolio. Die zu kaufenden Aktien wurden durch (von Dart-unerfahrenen Laien) geworfenen Dartpfeilen bestimmt. Dieses Portfolio gehörte fünf lange Jahre zu den Top Performern an der Börse! Ebenso die Kolportage, dass in einem virtuellen Börsenspiel mehrere Top Fondmanager gegeneinander antraten. Es gab aber noch einen weiteren geheimen Teilnehmer: einen dressierten Schimpansen. Dieser wählte die zu kaufenden und zu verkaufenden Aktien nach seinem Gutdünken aus. Und er war als Fondmanager besser als die anderen: Er schlug sie alle!
        Wie erklären Sie dieses Ergebnis? Nun, mit einer geheimnisvollen Fähigkeit (in außersinnlicher Wahrnehmung oder wirtschaftlichem Durchblick), mit Betrug (beim Versuchsaufbau, durch Insider-Geschäfte) oder mit statistischem Zufall. Sie tendieren zur geheimnisvollen Fähigkeit. Aber, können Sie langfristig ihre bisherigen Erfolge wiederholen? Verschwindet diese Fähigkeit nicht unter geheimnisvollen Umständen nach einer gewissen Zeit? Kein Fond konnte bislang eine gute Position für längere Zeit halten, korrekt?
        Ihre Basis ist die streng wissenschaftlich fundierte Strategie. Worin besteht nun dieses Geschick, verraten Sie sie uns? Nun, die meiste Prognostik basiert doch auf der Extrapolation von linearen Verläufen – eine Gerade auf einem Chart in die Zukunft zu verlängern. Nun, die Charts liefern aber nur gute Aussagen über vergangene Ereignisse. Oder, es ist die angenommene geniale Fähigkeit in einem Haufen von Zufälligkeiten ein Muster zu erkennen. Wie schnell erkennen Sie aus wahllosen Klecksen auf einem Blatt Papier ein Muster? Oder, intuitiv mit dem Gewinn an Kontrolle den Zufall zu eliminieren zu wollen, die Zukunft antizipieren zu können. Hybris? Oder, Experten sehen meistens auf die (möglichen) Kurssteigerungen, nicht auf die Dividenden. Laien handeln genau andersherum: Dividenden sind eine Art Zinsen, und man legt sein Geld einfach für gute Zinsen an. Wer ist klüger, der Laie oder der Experte? Oder, die allgemeine Regel: Kaufe, wenn die Kurse niedrig sind, verkaufe, wenn die Kurse hoch sind. Die Gegenposition denkt genauso, passiert dann aber noch etwas?Wie überlisten Sie jetzt aber diese Gegenposition, durch eine Art von Betrug oder durch den Zufall?
        Welchen Grund geben die unzähligen Börsianer, Experten, Blogger an, wenn sie Tipps, Ratschläge, Empfehlungen, z. B. für Gold, Aktien, massenhaft in die Öffentlichkeit tragen, Altruismus? Sie verlangen Geld dafür! Umkehrschluss: Wenn die angeblich totsichere, geniale Strategie funktionieren würde, dann müsste man doch seinen Unterhalt nicht mit den paar Groschen „Gebühr“ verdienen, korrekt?
        Was ist die Börse für Sie? Ein deterministisches System oder ein nicht-deterministisches System?
        Beliebter Börsianer Satz: „Ich gewinne, weil ich strategisches Geschick hatte, ich verliere, weil ich Pech hatte. Aber wenn sich der Markt aufwärts bewegt, gewinne ich langfristig mehr, als ich verliere“. Frage 1: Welchen logischen Fehler hat der erste Satz? Frage 2: Gegen welches Ergebnis soll der Satz 1, 2 immunisieren?

        Gruss und einen tollen Advent!

        • samy sagt:

          Hi,

          pflichte die bei vielen Bemerkungen bei.
          Spontan fällt mir vor allem bei so mancher Chartanalyse der „Barnum-Effekt“ ein. Mit diesem psychologischen Trick arbeiten Wahrsager, man meint sie haben eine Aussage gemacht, man fühlt seine Vermutungen bestätigt, aber in Wircklickeit haben sie gar nichts gesagt. (Beispiel, aus den Fingern gesaugt: „Ein Widerstand ist in unserem ersten Szenario die Marke x, kann diese nicht nachhaltig überschritten werden, droht ein langer Seitwärtstrend. Hält die massive Unterstüzung bei y nicht, können Kursverluste bis zur neuen Unterstützung z theoretisch nicht ausgeschlossen werden. Letzteres ist unser alternatives Szenario … bla … bla …bla)

          „http://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt“

          Deswegen bin ich immer froh, wenn ein Marktexperte eine klare Aussage macht und diese gut begründet. Liegt er falsch, dann haben wir wenigsten einen „begründeten Irrtum“, wir können hieraus lernen. Und gibt der Experte das auch im Nachhinein zu, dann ist doch alles okay.

          Ach ja, und die Börsen-Omi Ingeborg Mootz fällt mir auch noch zu dem Thema ein. Eigene einfache Grundsätze entwickeln und durchziehen.

          VG

        • wolfswurt sagt:

          Hallo John Doe,

          warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht?

          Die Börse ist ein Ort an dem jeder jeden zu bescheißen versucht.

          Ob im Rohstoffmarkt, EM-Markt, Aktien-Markt, Anleihe-Markt oder Derivate-Markt ist bei jeder Transaktion die Hoffnung auf einen Dümmeren die Grundlage der Aktivität.

          Übrigens verhält sich jede Obrigkeit den Untertanen gegenüber nicht anders, hofft sie doch, daß ihr Prinzip der Ausbeutung von Leistungsträgern durch Leistungslose von der Mehrheit nicht bemerkt werden wird.

          Tausendjährige Tradition: gestern – heute – morgen.

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