Ölpest und andere gefährliche Hitzeschäden

26. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Herrschaftszeiten! Der Ölpreis ist dieses Jahr um 20 Prozent gefallen – seit dem Hoch sogar um 72 Prozent. Merken wir das an der Tankstelle? Wir nicht. Nur Experten bei diesen hohen Temperaturen…

Hoch den Hintern! Es ist Zeit, sämtliche Tanks zu füllen, am besten dreimal gleichzeitig. Führende Meinungs-Experten in ihren überhitzten Büros behaupten gerade stur, die Verbraucher würden derart viel sparen, da käme beim Tanken richtig Freude auf, wahrscheinlich beim Schnüffeln an der Tankpistole.

Da mein Auto das Doppelte verbraucht als offiziell angegeben, spare ich sogar noch doppelt so viel. Es schluckt sechs Liter Super auf 100 Kilometer, was mich pro Fahrt an die Börse und zurück 9,50 Euro kostet. Sinkt der Spritpreis um zehn Cents, schön wäre es, spare ich 72 Cents täglich oder 3,60 Euro pro Woche. Eine Erdumrundung, warum sollte ich das tun, brächten mir 240 Euro zusätzlich. Bloß nicht alles auf einmal ausgeben!

Nach einer Woche könnte ich mir sogar zwei Flaschen Wasser aus dem Regal für überteuerte Erfrischungsgetränke an der Tanke leisten. Bier wäre billiger, aber nicht bei 40 Grad am Lenkrad. Ein Liter Wasser kostet dort übrigens fast dreimal soviel wie Benzin.

Ist Benzin billig? Oder Wasser teuer? Auf der Toilette gibt’s das übrigens umsonst aus dem Wasserhahn. Wer aber kommt auf diese Idee in diesen postfaktischen Zeiten?

Wie dem auch sei, es gibt zu viel Öl und die Preise sinken. Wir werden noch stinkreich, wenn das so weiter geht. Theoretisch! Entweder wird zu viel gefördert oder zu wenig nachgefragt – und das bei diesem Wirtschaftsboom, von dem Experten erzählen.

Manche Spezies, beheimatet in irgendwelchen anderen Finanz-Analyse-Abteilungen erkennen, wohl wegen der viel zu hohen Ozonwerte, dass billiges Öl jetzt auch noch den DAX belastet. Steigende Preise wären dagegen gut für ihn. Komisch. Wenn Sie bei der Hitze viel Zeit haben, legen Sie doch mal den Chart von Öl und DAX übereinander. Doch erst ab 35 Grad Außentemperatur verschwimmen die vermeintlichen Übereinstimmungen zu einem Gesetz, welches man auch im Papierkorb ablegen kann.

Als ein Fass der schwarzen Brühe noch 150 US-Dollar kostete, hätte der DAX doch mindestens bei 30.000 Punkten stehen müssen. Nun, bei diesen Temperaturen gibt es nicht nur Blow Ups auf den Autobahnen, sondern auch in manchen überhitzen Oberstübchen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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