Oans, zwoa, bargeldlos

31. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Ohne Bargeld auf die Wiesn: Heuer geht’s!“ (Abendzeitung, 28.7.2017)

Na, das sind doch einmal gute Nachrichten. Die Münchner Abendzeitung weiß zu berichten, dass dieses Jahr offenbar ein Herzenswunsch der Oktoberfest-Besucher in Erfüllung gehen wird. Endlich, ja endlich, können Sie ohne Bargeld auf das größte Volksfest der Welt gehen. Was auch bisher schon möglich war: Nach einem feucht-fröhlichen Abend ohne Bargeld wieder nach Hause zu gehen. Nun also ganz ohne Bares, wofür der Leser wohl recht dankbar sein soll. Zumindest erschien der Redaktion die Nachricht so wichtig, dass sie dafür sogar die Titelseite freigeräumt hat.

Bei einigen Menschen hapert es allerdings mit der Dankbarkeit. Und für solche hartnäckigen Fälle fährt die Anti-Bargeld-Lobby auch schon einmal schwerere Geschütze auf. Unter der Überschrift „Visa bezahlt Restaurants dafür, Bargeldannahme zu verweigern“ berichtet Norbert Häring in seinem Blog „Norbert Häring – Geld und mehr“ über eine neue „Cashless Challenge“ des Kreditkartengiganten Visa.

Ob die Verweigerung der Annahme von Bargeld überhaupt rechtens ist, ist eine Frage, die bei solchen Aktionen in den Hintergrund tritt. Auch ist dieser fragwürdige Wettbewerb kein Ausrutscher eines übereifrigen Werbestrategen, sondern fügt sich nahtlos in einen Mehrfrontenkrieg gegen das Bargeld ein, der nach dem altbewährten Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ geführt wird. Schon früher klärte Häring über die Machenschaften der „Better-Than-Cash-Alliance“ auf, die unter anderem von den Kreditkartenriesen Visa und Mastercard finanziert wird („Wie eine gekaufte UN-Organisation mit Visa und Mastercard an der Abschaffung des Bargelds arbeitet (1)“).

Für Freunde des Bargelds wird es da zunehmend eng. Denn die Allianz aus Kreditkartenunternehmen und Regierungen verfolgt ein gleichgerichtetes Interesse: Die Zurückdrängung des ungeliebten Bargelds in den Bagatellbereich. Während bei der ersten Gruppe das wirtschaftliche Interesse dominiert, einen lästigen Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, sind es bei der zweiten die Wünsche nach maximaler Überwachung und Besteuerung der Bürger.

Dass sich zu dieser Allianz auch noch weitere Finanzunternehmen, der Handel und diverse Stiftungen/NGOs gesellen, rundet das Bild ab. Um wenigstens ein kleines Zeichen zu setzen, können Sie noch immer die Initiative „Stop Bargeldverbot“ (www.stop-bargeldverbot.de) mitzeichnen. Wenn Ihre Enkel Sie dann einmal fragen werden, was sie eigentlich getan haben, als das Bargeld „verschwand“, können Sie zumindest etwas vorweisen.
© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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3 Kommentare auf "Oans, zwoa, bargeldlos"

  1. paulepanter sagt:

    Die Initiative ist eine gute Sache. Allerdings interessiert es die unter 30-jährigen nicht. Die Antwort: „Ich zahle sowieso nur mit Karte.“ habe ich schon häufig bekommen. Wenn es der Jugend egal ist – deren Zukunft es ist – sollten die Enkel eines Tages anders denken?

  2. bluestar sagt:

    „Wenn Ihre Enkel Sie dann einmal fragen werden, was sie eigentlich getan haben, als das Bargeld „verschwand“, können Sie zumindest etwas vorweisen.“
    Wir sollten es lieber für uns selbst tun, ich glaube nicht daran, dass unsere Enkel eines Tages solche Fragen stellen werden. Beobachtungen bei Einkäufen und Gespräche mit der Jugend lassen klar erkennen, das bargeldloses Bezahlen trendy ist. Und natürlich ein Beitrag des geschulten Gutmenschen gegen Drogenhändler, Terroristen und Steuerhinterzieher.
    Bargeld ist schlecht, sehr schlecht und außerdem unhygienisch. Sie werden die Abschaffung einfordern und dann feiern…

  3. Otto sagt:

    Bargeld-Abschaffung ist doch eine Gute Sache.
    Stellen Sie sich vor, sie stehen vor Gericht, Strafsache, und der Richter hat Ihre kompletten Kontounterlagen vorliegen. Ihr Anwalt spart sich die Mühe auf die Höhe des Bußgelds einzuwirken, der Richter hat ja alles schon vorliegen. Es gibt dann sicher strafmilderne Überweisungen, z.B. an regelmäßig an die Amadeu Antonio Stiftung, aber auch strafververschärfende Überweisungen, z.B. Mitgliedsbeitrag an die AfD.
    Mit etwas Glück erhalten Sie von fast jedem Behördenmitarbeiter für kleines Geld ab 20,– € aufwärts die Kontounterlagen Ihrer Konkurrenten. Das erweitert Ihre Möglichkeiten doch erheblich.
    Man muss nicht alles gleich schlecht sehen, es hat auch viele Vorteile.
    Demokratie, Demokratur, große Schwester, Sie können es hinnehmen wie damals. Sie können aber auch etwas dagegen tun.
    Warum eigentlich ? Zumindest erspart es die Laberei mit den Enkeln…
    Ansonsten werden Sie im September gefragt, vielleicht zum letzten Mal.
    Übrigen, haben Sie bereits an die AfD überwiesen, so können Sie sich schon heute einen Job im Öffentlichen Dienst abschminken. nicht einmal als Chauffeur kommen Sie noch in Frage.

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