Oh happy day…! Schnäppchenjagd bei US-Immobilien

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Es gibt etwas zu feiern. Neue Häuser! In Amerika verkaufen sie sich wieder wie geschnitten Brot. Die Rezession ist vorbei, sagt die Börse, wenn es überhaupt eine solche gegeben hat. Es ist eben nur eine Frage des Lockmittels. Wie überall und wie inzwischen üblich…

Oh happy day…! Die US-Hausverkäufe stiegen im Juli um 9,6 Prozent auf 433.000. Das sind 43.000 mehr verkaufte Häuser als noch im Juni und auch noch mehr als erwartet. Man muss sich offenbar mit dem Hauskauf beeilen, denn es gibt fast nichts mehr auf dem Markt. Die Homebuilders hatten im Juli nur noch 271.000 Häuser, so wenige wie in den letzten 16 Jahren nicht mehr. Binnen 7,5 Monaten sind diese Häuser weg, errechnen Statistiker. Nix wie ran an den Speck. Erstkäufer bekommen bis Ende November mit einer Steuergutschrift in Höhe von 8.000 Dollar von der Regierung, die der „Krise“ den Garaus machen möchte.

Die Anzahl der Hausverkäufe ist mindestens so wichtig wie die erzielten Preise. Diese sind binnen eines Jahres um 13 Prozent gefallen auf 210.000 USD. Schnäppchenalarm? Die Neubauverkäufe machen 15 Prozent des gesamten US-Häusermarktes aus.

Oh Bama! Die Leute werden auf eine falsche Spur gelockt. Zwei Drittel der Hausverkäufe gehen auf das Stimulieren durch die Regierung zurück, meldet der Verband der Immobilienmakler. Die Mitnahmementalität scheint nicht nur ein deutsches Phänomen zu sein. 8.000 Dollar sind doch was! Oder? Letzt aber los! Dieses Programm läuft Ende November aus. Man wird sich danach wohl etwas Neues einfallen lassen. Eine Häuser-Abwrackprämie hätte bestimmt auch ihre Wirkung. Kann ja noch kommen…

Die Kurbel gefunden

Ach, die Dinge sind so einfach, liebe Leserinnen, liebe Leser. Man muss nur die Wirtschaft ankurbeln, heißt es, dann wird und bleibt alles gut. Ohne Wachstum fressen wir Baumrinde, sagte neulich ein Frankfurter Analyst. Heute „fressen“ wir aber das schon weg, was eigentlich für unsere Kinder vorgesehen wäre. Die heutige Kurbel heißt Schulden. Doch das soll jetzt mal nicht unser Problem sein, denn schließlich ist die Lage erst. Wollen Sie etwa Baumrinde zum Frühstück knabbern? Nicht doch! Was früher der Markt regelte, regeln jetzt die Regierungen und Notenbanken. Man muss einfach positiv denken und sich vor allem keine Sorgen mehr machen, wenn es irgendeinen Deppen gibt, der die Schulden samt Zinsen bezahlt. In God we trust. Gab es eigentlich früher in den USA ein Leben ohne die FED? Wahrscheinlich nicht…

Während die FED das Geld für die Banken faktisch kostenlos zur Verfügung stellt, kostet ein 30-jähriger Hypothekenkredit aktuell 5,37 Prozent. (Quelle: www.bankrate.com) Im Juni lag der Satz noch bei 5,48 Prozent, im Juli bei 5,38 Prozent. Ein nettes Geschäft für Banken. Man könnte vermuten, dass die Zinsen nie wieder steigen dürfen, sonst werden staatliche Anreize schnell teurer, Kredite auch, bei dann schneller wachsenden Schuldentürmen bis an die Frühstückstische der Götter da oben. Ein Spiel auf Zeit, ein Balancieren auf einem Drahtseil.

Aus der Börsengeschichte weiß man, dass das Platzen einer Blase seine Zeit braucht. Viel Zeit. Eine neue Blase taucht nie dort auf, wo eine alte Blase vor sich hin platzt. Am US-Immobilienmarkt wird es so schnell keine neue Blase geben, wäre zu vermuten, aber anderswo, wünscht sich der kluge Professor Paul Krugman…

… um ehrlich zu sein, eine neue Blase würde uns derzeit aus einigem heraus helfen, selbst wenn wir später dafür bezahlen müssten. Es wäre wirklich eine gute Zeit für eine Blase…“

Man kümmert sich gerade darum. Nur, wo wird die nächste Blase auftauchen und platzen? In der Staatsverschuldung? Wahrscheinlich.

Nach dem Einbruch des amerikanischen Immobilienmarktes wird braucht er Zeit, um sich zu erholen. Wellenförmig mäandert er mal abwärts, mal aufwärts. Jetzt sind erst mal die Schnäppchenjäger unterwegs, heißt es in den Schlagzeilen, wobei sich erst noch zeigen muss, ob die heute gekauften Häuser wirklich Schnäppchen sind. Bei einer offiziellen Arbeitslosenquote von 16 Prozent (U6) und 34 Millionen Lebensmittelkartenempfängern (11,5 Prozent der Bevölkerung), beginne ich nach den Leuten Ausschau zu halten, die sich ein Haus leisten können. Mit einer um sich greifenden Verarmung, droht dem Markt nach und nach die Käuferschaft abhanden zu kommen. In zweiten Quartal ist der Anteil an Krediten, die nicht mehr bedient werden konnten (eine bis mehrere Raten) auf 9,24 Prozent gestiegen, teilte die Vereinigung der Hypothekenbanken mit. Nach Subprime frisst sich der Schuldwurm nun in den Prime-Bereich. Man wird keine andere Wahl haben, den Markt weiter zu stimulieren bzw. damit auch zu manipulieren, ihn sozusagen vor einer Bereinigung zu schützen.

Markt in Erholung

„Der Markt heilt erst dann, wenn der Immobilienmarkt, der Auslöser der „Krise“ gesundet, hieß es vor einem Jahr. War wirklich der Immobilienmarkt der Auslöser für die Schwierigkeiten oder eher das zutage treten ganz anderer Probleme? Vergessen wird, dass es zu billiges Geld war, dass den Leuten die Hirne weich, hie Herzen heiß und den Hintern blau werden ließ. Mit steigenden Zinsen und einer Sättigung fand die Blase ihre Nadel. Poof! Alan Greenspan hantierte mit Benzin und der arme Ben Bernanke muss wohl die kommenden vier Jahre seiner zweiten Amtszeit mit Obama auf dem Nebensitz die Benzinlaster steuern, die man heute als Löschfahrzeuge benutzt. Unabhängig davon, der US-amerikanische Immobilienmarkt befindet sich erst einmal in einer Zwischenerholung. Wie lange diese dauert, hängt davon ab, inwieweit sich der US-Konsument weiter verschulden will bzw. kann.

Verschiedene Charts zeigen, dass sich in den letzten Wochen sich die „unerwartet überraschenden freundlichen Daten“ und die „guten Nachrichten“ aus dem US-Haussektor mehren. (Wirtschaftsberichte kommen heute mit ca. 100 Worten aus)

Der NAHB-Index (Einschätzung der Stimmung von Bauunternehmern) stieg von seinem Tief von unter 10 auf fast 20.

Der Hypothekenanträge-Index scheint bei 500 sein Tief vorerst gefunden zu haben.


Die an der Börse gelisteten Homebuilder haben sich inzwischen kräftig erholt.
S&P Homebuilder – Index (Ticker S5HOME) (Quelle: Bloomberg)

Der Mensch, der sich vor allem durch die Fähigkeit auszeichnet, aus den Erfahrungen seiner Artgenossen lernen zu können, zeichnet sich ebenso durch den offensichtlichen Unwillen aus, von dieser Fähigkeit Gebrauch zu machen ( Douglas Adams)

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