Nur noch eine Cocktailkirsche. Dann ist Schluss!

10. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während die Preise für Eisenerz und Kohle zerbröseln ziehen die Hauspreise in Australien weiter an. Auch die Entstehung erster Geisterstädte durch den Rückzug der Bergbauindustrie kann die optimistischen Käufer nicht stoppen. Wer sagt denn eigentlich, dass Häuser bewohnt sein müssen?

In Australien stammte ein Großteil aller Investitionen der vergangenen Jahr aus dem Bergbausektor. Die seit Monaten wegbrechenden Erzpreise trocken aber die Kapitalströme der Minenbetreiber aus, so dass die Unternehmen deutlich reduzierte Investitionsausgaben planen. Zusätzlich zu schrumpfenden Neuengagements sind schon jetzt viele bestehende Anlagen betroffen. Einige Standorte wurden zeitweise stillgelegt, andere gänzlich aufgegeben, so dass schon von Geisterstädten berichtet wird.

Angesichts der bestehenden Überkapazitäten sollten die Investitionen noch deutlich geringer ausfallen, als dies in der unten stehenden Grafik abgebildet ist. Die Punkte stellen Schätzungen basierend auf aktuellen Unternehmensplänen dar. Aber selbst der gezeigte Rückgang um ein Viertel hätte gravierende Folgen für Australien.

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Bis die Arbeitslosenquote wieder sinkt dürfte jedenfalls eine ganze Weile vergehen. Die Entlassungen im Bergbausektor haben erst begonnen und nachgelagerte Sektoren werden die Auswirkungen erst mit Zeitverzug zu spüren bekommen.

Davon lassen sich die Teilnehmer in einem anderen Wirtschaftszweig nicht beirren. Es werden weiterhin fleißig Kredite aufgenommen, um vom Gipfel des Sahnehäubchens der Immobilienhausse noch das letzte Löffelchen abzubekommen.

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Die Kreditbewilligungen und die Hauspreise haben noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Wen interessiert schon die Realwirtschaft, man muss halt optimistisch bleiben.

Nun, wenn man australischen Hauskäufern eines sicher nicht vorwerfen kann, dann ist es ein Mangel an Optimismus. Die reale Hauspreisveränderung stellt die Verwerfungen in den USA locker in den Schatten. Die japanische Immobilienblase der 80er Jahre wirkte in dem unten stehenden Chart derart zwergenhaft, dass wir die Datenreihe entfernt haben, um ihr diese Schmach zu ersparen.

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Der zweite Teil des angelsächsischen Immobilien-Optimismus zeigt sich in der Annahme, dass man zwar beim Aufwärtsteil einer Blase alle in den Schatten stellen kann, bei der Talfahrt jedoch keinen Kratzer abbekommt. Diese Hoffnung mögen wir nicht teilen, aber es kann ja auch nicht jeder mitmachen.

Im Zuge der Steigerung der Gehälter und Hauspreise legte neben dem Hausbau selbst auch der direkt nachgelagerte Sektoren deutlich zu. Haushaltsnahe Dienstleistungen sind neben Bau und Bergbau der einzige Sektor mit nennenswertem Stellenwachstum. Seit 2011 wurden in diesem Sektor knapp 300.000 Arbeitsplätze geschaffen, im Baugewerbe waren es ca. 70.000. Im Bergbau setzte in 2013 der Rückgang ein, so dass nur noch ein leichtes Plus zu Buche steht, das sich in den kommenden Quartalen in ein Minus wandeln wird. Die Firmen des Sektors investieren weniger und bauen Arbeitsplätze in großer Zahl ab. Die Folgen für die Einkommen und mit dem üblichen Zeitverzug auch für den Konsum werden entsprechend ausfallen.



Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen wirkt die Debatte um den Renteneintritt mit 70 in Australien ebenso hilflos wie in Europa. Ob man sein Geld von der Rentenkasse oder vom Arbeitsamt bekommt, dürfte vielen ziemlich egal sein. Mit Mitte 60 kümmern sich zudem nur noch wenige um Bewerbungsratgeber und den ach so wichtigen Lebenslauf. Generell hat sich der Tonfall in der australischen Politik deutlich verschärft, was bei anhaltender Wirtschaftsabschwächung nicht besser werden dürfte. Was man anderen „Rohstoffländern“ so gerne vorwirft, trifft auf Australien sicher zu. Man lebt vor allem von der Preissteigerung von Dingen, die man zufällig im Boden hat. Das ist nicht verwerflich, aber man darf gespannt sein, wie das Land die Einnahmen genutzt hat um sich für den Abschwung zu rüsten. Das Schönwettersegeln ist beendet.

Man sollte darauf achten, wann sich unter den so genannten Repräsentanten Panik breitmacht. Erst dann ist wohl eine Bodenbildung bei den Rohstoffpreisen in Sicht. Bei der Einführung der „Mining Super Tax“ (Minerals Resources Rent Tax) bewiesen die Wirtschaftsplaner jedenfalls ein exquisites Timing. Die Steuer wurde am 1. Juli 2012 für Eisenerz und Kohle eingeführt. Seither ging es mit beiden Preisen steil bergab, der Kohlepreis fiel um 30%, der Eisenerzpreis halbierte sich. Nach einiger Zeit hat man die Steuer dann wieder aufgehoben. In den kommenden Jahren wird vermutlich eher wieder darüber nachgedacht, ob man die Branche nicht subventionieren sollte, wegen der Arbeitsplätze und so weiter. Es ist und bleibt der ewige Kreislauf.

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Schaut man sich das bereits jetzt erreichte Ausmaß der Preisrückgänge an, so darf man von sehr üblen Auswirkungen für die Unternehmen und die australische Wirtschaft ausgehen. Viele Projektplanungen wurden zu Zeiten deutlich höherer Preise angefertigt, die Kalkulationen dürften etwas für den Reißwolf oder das Kuriositätenkabinett sein. Da die Unternehmen naturgemäß jede Möglichkeit nutzten werden, so lange wie möglich stabil zu wirken, kann der Betrachter dazu neigen, davon auszugehen, die Firmen werden die Probleme schon umschiffen können. Darauf sollte man nicht wetten. Wer sich die Rekordverschuldung großer Rohstoffkonzerne und die tiefroten Cash Flows anschaut, geht doch lieber in Deckung. Nur weil derzeit viele Anleger auf Renditejagt sind und völlig indeskretionär Firmen per Anleihen Geld hinterherwerfen, muss das keine gute Idee sein. Ein Blick in den Ölsektor zeigt, wie schnell sich der eine oder andere Renditeschub sogar als sehr schlechte Idee erweisen kann.

Die Grafik zeigt den Verlauf einer Anleihe des Explorers Quicksilver Resources. Das Unternehmen wird netto vorerst keine neuen Stellen schaffen. Solche und ähnliche Charts werden im Energie- und Rohstoffsektor keine Seltenheit bleiben.

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Auch diese Medaille hat zwei Seiten, allerdings sind beide dunkel. Zum einen verlieren manche Anleger einen Großteil ihres Einsatzes. Zum anderen schließen sich die Finanzierungskanäle für viele Unternehmen in einem betroffenen Sektor gleichzeitig und oft sehr rasch. Wie viele andere Probleme am Finanzmarkt zeigen sich auch Kreditausfälle nicht gleichverteilt sondern gehäuft.

Beim Einfallsreichtum gilt für Australien das, was derzeit global gilt. Statt in einer natürlich schmerzhaften Normalisierung nicht nur das Negative zu sehen und die schmerzhaftesten Spitzen selektiv zu entschärfen wird wie andernorts das große Zinsbesteck gezückt. Zinsen runter, Währung abschwächen und das Beste hoffen. Mit der Währung ist man durch die aggressive Haltung schon ein gutes Stück vorangekommen. Ob aber das Beste dabei herauskommt darf bezweifelt werden.



 

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