Nur mal angenommen … oder: Luftgeld kann sich auch wieder auflösen

8. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Über fünf Jahre steigende Kurse an den Aktienmärkten machen die Bären langsam marode. Es gibt kaum noch jemanden, der ernstlich glaubt, dass es zu einer Trendwende kommen kann, solange die Notenbanken der Finanzindustrie Geld fast umsonst zur Verfügung stellen…

Dabei geht es weniger um diese LTROs, die jetzt wieder in Höhe von 400 Milliarden über den Banken ausgeschüttet werden. Der Ausleihesatz der EZB wurde von fast nichts auf so gut wie nichts – konkret von 0,75 auf jetzt 0,40 Prozent gesenkt. Und dieses Geld ist nicht wirklich zweckgebunden, kann also fröhlich in die Aktien fließen. Wie also sollten diese jemals fallen?

Wer fest davon überzeugt ist, dass der Weg nach unten schlicht nicht mehr existiert, sprich die Börse nun doch eine Einbahnstraße ist, ignoriert nicht nur, dass das Kursverhalten vermuten lässt, dass diejenigen, die sich dieses billigen Geldes jahrelang bedient haben, seit Monaten im Bereich der bisherigen Hochs Positionen reduzieren. Er ignoriert zudem, dass der Zufluss in die Bondmärkte trotz niedrigster Renditen ungebrochen blieb, wir dort eine richtige Hausse seit Januar sehen, während die Aktienmärkte nur gefühlt, durch mediale Parteilichkeit unterstützt, täglich steigen, de facto aber fünf Monate lang auf der Stelle traten, bis sie letzte Woche ihr Nase ein kleines Stück aus dieser Seitwärtsspanne heraushoben.

Und er unterstellt auch einen Aspekt, der nicht zutrifft. Denn immer wieder wird postuliert, dass das viele Geld ja irgendwohin müsse. Dass man, wenn man an einer Stelle verkauft, sofort in einer anderen investieren muss und deswegen der Weg nach unten verbaut ist, letztlich immer nur einzelne Indizes und Branchen im Wechsel mal steigen und mal konsolidieren. Nicht zuletzt, weil es ohnehin in den Aktien bleiben müsse, da die „sicheren Häfen“ ausgedient hätten. Was die Anleihen angeht, stimmt das ohnehin nicht – siehe oben. Und dass Gold nicht aus dem Kreuz kommt, liegt keineswegs daran, dass man im Bereich körperlichen Goldes wirklich eine Abkehr sehen würde. Aber:

Der eigentliche Punkt ist nicht, dass es keine Alternativen gäbe. Des Pudels Kern, der die feste Überzeugung, dass die Aktienmärkte „unfallbar“ seien, untergräbt, ist der Aspekt, dass „das Geld“ einfach da ist und da bleibt. Das ist ja nicht einmal, obwohl das viele sich nicht vorstellen können, bei der sogenannten Börsenkapitalisierung der Fall. Wenn die Aktien fallen würden, hätte das Geld, das den in Aktien investierten Anlegern plötzlich entfleucht, nicht irgendwer anderer. Es wäre einfach nicht mehr da – genauso, wie es ja vorher aus dem Nichts entstanden ist. Da ich in den letzten Jahren immer mal wieder umfängliche Rechenbeispiele für Zweifler gebracht habe, verzichte ich einfach diesmal darauf. Denn es geht ja nicht nur – oder im ersten Moment sogar gar nicht – um dieses Kapital der Anleger. Es geht um das Kapital der Banken.

Denn da würde der Ast ja zuerst angesägt. Konkret: Wenn die großen Spieler an den Kapitalmärkten der Ansicht sind, dass es sich lohnt, dieses billige Geld bei den Notenbanken „zu ziehen“, dann tun sie es. Das Geld kann in Anleihen, Aktien … natürlich auch in Kredite … fließen, aber man ist so in jedem Fall imstande, quasi auf Kredit zu spekulieren. Das zu geringsten Kosten, daher gerne auch mal heftig gehebelt, z.B. über die Futures. Dass dieser Aspekt entscheidend dafür war, dass die Indizes in den letzten Jahren trotz enttäuschenden bis nicht vorhandenen Wachstums in der Eurozone oder den USA immer weiter gestiegen sind, wird von kaum jemandem angezweifelt.

Aber kaum jemand wagt den Gedankengang: Was, wenn diese großen Adressen versuchen, die Bestände, die so auf Pump immer weiter aufgebläht wurden, zu reduzieren? Das Risiko zu verringern, indem man die Hebelung herunterfährt und Aktien-Positionen abbaut? Wie sollte das – und womit – kompensiert werden…? (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Nur mal angenommen … oder: Luftgeld kann sich auch wieder auflösen"

  1. lowabras sagt:

    Herr Gehrt, Zustimmung zu der These, dass die Banken mit irem Luftgeld das Rad an den Boersen drehen und alles darunter eigentlich nur Mitlaeufer sind. Mitlaeufer, auf deren Einsaetze man es aber abgesehen hat und die man ziemlich planvoll melken kann, wenn man am grossen Steuerrad sitzt, welches von den sog. Aufsichtsbehoerden mit einer Bannmeile versehen ist ueber die sie gewissenhaft wachen, was ihre eigentliche Aufgabe ist!
    Was aber, wenn diese Banken nur noch gegeneinander zocken, weil die grosse Masse sich verabschiedet und nicht mehr mitspielt, also nichts mehr zu holen ist?
    Was dann kommt, ist der grosse Knall, denn das Luftgeld muesste auf einmal Bilanziert werden, wenn bis dahin die Bilanzierungsregeln der Bilanzverlaengerung nicht geaendert wird! Nun koennen wir ab er mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese Luftbuchungen bis dahin durch eine einfache gegenbuchung wie durch ein Wunder wieder verschwinden, genauso wie sie erschienen sind!
    Also wird nichts, aber auch gar nichts passieren, ausser dass eine Menge Assets eingesammelt werden, welche bei der jahrelangen „Reise nach Jerusalem“ entstanden sind!
    Wer die gesetze macht, der ist immer unter dem Dach und das sind nicht die Politiker, schon lange nicht mehr, sondern die Banken fuer die dahinter stehende Hochfinanz!

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