Nur keine Hektik

10. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Schwungvoll wie im letzten Jahr reißen sich Investoren auch im Jänner um Unternehmensanleihen und Aktien. Sinkende Risikoprämien und andere fundamentale Bewertungen spielen keine Rolle mehr, und so mancher tanzt wie in der Vergangenheit, solange nur die Musik laut genug spielt …

Als Begründung zum Kauf einer Anleihe genügt es vielen, wenn man auf ein anderes Papier mit einer noch niedrigeren Rendite verweisen kann. Das klingt banal, ist jedoch überaus bemerkenswert, denn eine adäquate Risikoprämie hat die Funktion, den Investor für eingegangene Risiken zu entlohnen.

Der Vergleich verschiedener Risikoprämie mag hilfreich sein, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was andere machen. Auf dieser Basis lässt sich jedoch keine Aussage treffen, ob die Vergütung absolut betrachtet adäquat ist. Wenn alle sich mit zwei Hämmern auf den Kopf schlagen, mag es besser sein, sich nur mit einem Hammer auf den Schädel zu schlagen. Besonders schlau ist dies jedoch nicht. Auch eine relativ gute Idee kann absolut eine schlechte Idee sein.

So sind beispielsweise die Renditen von High Yield Bonds so tief, dass man für sehr lange Zeit sehr niedrige Ausfallraten erhoffen muss, um sich ein Investment noch schönreden zu können. Das hat zwar in der Vergangenheit nie geklappt und ist angesichts der Rekordemissionen qualitativ fragwürdiger Papiere auch nicht wahrscheinlich, aber solange auf Junkbonds noch mehr draufsteht als auf Investment Grade Papieren genügt dies vielen als Kaufargument. Schlussendlich werden viele wohl auch dieses Mal wieder teure Erfahrungen machen.

Auch am Aktienmarkt beginnt die gute Laune langsam aber sicher in Euphorie umzuschlagen. Noch treffender als Euphorie ist vielleicht die Bezeichung „erregte Sorglosigkeit“, die alle Jahre wieder ebenso schädlich wie unterhaltsam ist. Wie zur seligen Jahrtausendwende werden offensichtlich absurde Bewertungen einiger Firmen ignoriert. Als Beispiele seien Tesla und diverse Unternehmen aus dem Segment der „sozialen“ Netzwerke oder aus dem Online-Handel genannt, deren Aktienkurse seit Jahren (sehr gut) von der Hoffnung auf eine „neue Welt“ und eine damit verbundene Gewinnaufholung leben. Diese wird sich in den meisten Fällen nicht einstellen.

Nun ist die fundamentale Betrachtung nicht jedermanns Sache, was man auch für technische Betrachtungen sagen darf. Daher rührt ein Effekt, den wir „Technik-Fundamental-Paradoxon“ nennen wollen. Hält jemand eine Aktie und diese entfernt sich unangenehm weit von jeglicher fundamental zu rechtfertigenden Bewertung, wird die Technik-Mütze aufgesetzt und mit wichtiger Miene konstatiert, dass der Trend nun einmal nach oben zeige. Fällt hingegen diese Aktie in einem sauberen Abwärtstrend in Richtung Null, bemüht man das Argument, sie sei nun so billig, dass man sie halten müsse. Manche Aktien schaffen es im Zeitverlauf sogar, in einigen Anlegern beide Neigungen zu wecken. Und es kommt noch besser.. (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Nur keine Hektik"

  1. humanearth sagt:

    Die Systempresse , die MSM werden doch tatsächlich kritischer. Da müssen die Einschläge aber schon gefährlich nah gekommen sein.

    Die EZB ist mit ihrem Latein am Ende , die Banken pumpen das billige Geld in den DAX.
    Das erhöht die Fallhöhe . Man springt aus dem 50. Stockwerk und auf Höhe des 20.ten grinst man den Schafen zu : “ Ist noch gar nichts passiert“ .

    http://www.fr-online.de/wirtschaft/ezb-leitzins-der-ezb-ist-jedes-mittel-recht,1472780,25845186.html

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