Nur Bares ist Wahres. Nicht nur auf Zypern.

24. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Ein starkes Stück, wenn ein Pleitestaat über Nacht mit der Rasenmäher-Methode die Konten seiner Bürger plündert. Zypern zeigt im Kleinen, was auch im Großen passieren kann – Anschläge auf jedermanns Eigentum. Und es zeigt noch etwas: Im Ernstfall ist es besser, sein Geld zu Hause zu haben als unverzinst auf der Bank – auch wenn es nur schnöde Baumwollstreifen sind…

Da die Leute ja noch an die Magie der Zettel glauben, ist keine Gefahr in Verzug. Solange ist Bares wirklich Wahres. Sonst sollte man das Finanzsystem über den goldenen Weg verlassen.

Die Polizei in Zypern erweist sich in dieser Lage als besonders humorvoll. Sie warnt wegen der Kanppheit an Bargeld vor Taschendieben. Das ist erstaunlich. Eigentlich hätte man doch erwarten können, als Freund und Helfer warnt sie vor staatlichen Strauchdieben, die sich an den Konten zu schaffen machen wollen. Doch das nur nebenbei.

Warum sollte man einer Bank vertrauen? Ich kenne keinen Grund. Dass sie mit meinem Ersparten arbeitet? Ich bitte Sie! Jetzt werden Sie einwenden, das Bargeld zu Hause wäre durch Einbrecher gefährdet. Gegenfrage: Zeigt sich nicht gerade auf Zypern, dass Geld auf dem Konto viel gefährlicher ist? Was es wert ist, erfährt man dann, wenn die Konten plötzlich dicht sind und es zu Kapitalverkehrskontrollen kommt.

Für längere Zeit sollen Sparer nur begrenzt auf ihr Geld zugreifen können. Diese Botschaft rennt jetzt durch Europa, dass in der Not Beschränkungen greifen. Diese Botschaft bleibt in den Köpfen. Bei jeder Turbulenz am Finanzmarkt. Willkommen in der neuen Freiheit, wo der der Staat seinen Bürgern das Ersparte „sozialverträglich“ zuteilt. Diese Freiheit haben wir uns doch gewünscht. Nicht wahr?

Es mag beruhigen dass Frau Merkel jetzt schon wieder die Bankeinlagen garantiert. In der Not wird auch hierzulande der Staat zum Räuber. Muss man sich Sorgen machen? Nicht doch! Man sollte nur nicht auf jedes Versprechen hereinfallen. Im Ernstfall wird es gebrochen. Aber dann gibt es ja zumindest ein Neues.

©Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten


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11 Kommentare auf "Nur Bares ist Wahres. Nicht nur auf Zypern."

  1. Reiner Vogels sagt:

    Der große Unterschied zwischen einem geordneten Insolvenzverfahren und dem Diebstahl, den Brüssel zusammen mit der zypriotischen Regierung plant, ist, dass es in einem Fall gerecht zugeht und im anderen nicht. Bei einem geordneten Verfahren werden unter Aufsicht eines unabhängigen Gerichts alle Vermögenswerte des Schuldners auf den Tisch gelegt und gleichmäßig und quotenmäßig an die Gläubiger verteilt.

    Da zu den Gläubigern Zyperns natürlich auch die EZB gehört, die viele zypriotische Staatsanleihen hält, ist der Verdacht sicher nicht von der Hand zu weisen, dass die EZB den Plan zum Diebstahl favorisiert, damit sie selbst ungeschoren davonkommt. Sie will sich gegenüber den anderen Gläubigern einen ungerechtfertigten Vorteil verschaffen.

    Das kann sie, weil sie auf beiden Seiten des Tisches sitzt, auf der Seite der „Retter“ und auf der Seite der Gläubiger. Nach meinem Rechtsgefühl sollte so etwas mit Freiheitsstrafe geahndet werden.

  2. samy sagt:

    Psychologisch gesehen ist das ein Desaster. Allein die Ansteckungsgefahr für Griechenland ist riesig. Wenn der ehemalige zypriotische Zentralbankchef und die orthodoxe Kirche Zyperns derart auf den Euro einprügeln, dann wird das auch Gewicht in Griechenland haben.

    Falls (!) Zypern aus der EU austreten sollte, dann schauen wir mal wie die Griechen reagieren. Wenn die dann auch raus wollen, ist das wieder das Signal für den Anstieg der PIGS-Anleihezinsen usw..

    Auch sehe ich zumindest kurzfristig keinen Vorteil darin, wenn das ausländische Kapital Zyperns Banken meiden wird. Dann hängen die erst recht am Tropf der EZB. Aber vielleicht ist das der Plan.

    Wäre ich russischer Multimillionär/Milliardär, ich würde mich mit einer Währung anfreunden, die von keinem Staatsbankrott bedroht sein wird.

    Gold!

    Nachtrag:

    wisst ihr wie der zypriotische Zentralbankchef mit Vornamen heisst?

    Panikos! 🙂 (Panicos Demetriades)

    Hey, Herr Schäuble, don’t Panic, but if there is a Panikos, panic first!

    😉

  3. maurice sagt:

    Möchten Sie einen Kredit von der Bank, so haben Sie Geschäfts- und Kreditbedingungen im Format eines Neckermann-Kataloges zu unterschreiben.

    Im Gegenzug geben die Sparer und Kontoinhaber der Bank das Geld hin ohne jedwede Sicherheit.

    Ich habe meine Mäuse von der Bank geholt. Zinsen sind ohnehin ein Witz.

    Anlegern, die noch an das System glauben, empfehle ich, eine selbstschuldnerische Bürgschaft des Bankvorstandes für die Einlage abzufordern. Daran werden Sie dann die Qualität der Sicherheit Ihrer Einlage erkennen. Der Vorstand wird Ihnen keine Bürgschaft geben, denn der Vorstand vertraut nicht einmal seiner eigenen Bank.

  4. walt sagt:

    Lieber Frank Meyer, Ihre bemerkenswerteste Leistung mit dieser neuen Kolumne liegt darin, eine Zäsur in Ihrem bekannt außergewöhnlich gutem (Schreib-) Stil auf den Punkt gebracht zu haben.

    Blöderweise werden Ihre Beiträge (auch weiterhin) nur von Leuten gelesen, die längst „auf dem Stand der Dinge“ sind. Lemminge erreichen Sie nicht. Gut oder schlecht?

    Nächste Anmerkung: Man müsste inzwischen eigentlich mit Merkel, Schäuble & Co. Mitleid haben. Mit einer beinahe vettelmäßigen Genauigkeit wird Jahr um Jahr die Grundlage ihrer Karriere in alle Einzelteile zerlegt. Nur muss man ihnen fairerweise zugestehen: Den Bockmist, den sie als aktuelle Leader verantworten müssen, haben sie – wie das üblich ist – von ihren Vorgängern geerbt. Sie können persönlich „eigentlich“ nichts dafür. Und mal unter uns und ganz ehrlich: Würden Sie, Frank Meyer als derzeitige Bundeskanzlerin tatsächlich andere Entscheidungen treffen? 😉

    Es bleibt dabei: Die beste aller Wahlen ist diejenige, sich seines eigenen Verstandes (genauer: gesunden Menschenverstandes) zu bedienen. Es war, ist und bleibt die beste Lebensversicherung aller Zeiten. Und kostet keinen einzigen Cent. Jedoch – zugegeben – Mühe. Die machen sich keine 5% im Land. Es ist ihnen zu „anstrengend“. Genau wie Sie und Ihre Leser bin ich gespannt, über was wir uns in fünf Jahren unterhalten werden. Dann, wenn die ersten Rechnungen dieser Politik längst verschickt worden sind. Lachen Sie eigentlich gerne? Ich glaube, Sie werden lachen. Und viele mit ihnen.

    Noch eine abschließende Bitte, weil sie unglaublich kreativ sind. Wie heißt eigentlich das Gegenteil von „Lemming“?

    • stonefights sagt:

      @walt
      Auch wenn ich sie nicht mit meinem Kommentar adeln kann, so doch hoffentlich erfreuen.
      Solche Fragen finde ich mittlerweile im vorgezeichneten Filmverlauf viel spannender als das zu erwartbare „Fine“ des „Rien ne va plus“ Verlaufs unserer Zeit.
      Als Vorschlag hätte ich da die Gattung der „Lateral(e)“.
      Im Sinne von „Laterales Denken“ als Gegenteil zu den Spiel-Lemmingen unseres europäischen Spiels „Lemmings“.
      Wer bei diesem kalten Wetter keinen Spass am Surven hat, sollte zumindest soviel über unser Spiel wissen:

      „Die Spiel-Lemminge sind kleine Geschöpfe mit grünen Haaren und blauem Anzug. Sie sind nicht besonders intelligent und gehen stur geradeaus, bis sie auf ein Hindernis stoßen, in einen Abgrund fallen oder auf platzierte Objekte stoßen, die ihnen eine neue Richtung geben. Aufgabe des Spielers ist es, in diesen Automatismus mit verschiedenen Aktionen einzugreifen.“

      Soll mal einer behaupten, Computerspiele machten dumm 🙂

      lg, stonefights

  5. wolfswurt sagt:

    Mal unterstellt, daß die Zypern-Entwicklung kein Fake ist, was bitte schön helfen einem Euro-Scheine unter der Matratze wenn der Euro kaputt geht?

    Euro-Bargeld ist absolut unsinnig, wenn man glaubt das es den Euro zerbröselt. In dem Zusammenhang schöne Grüße von Werner.

    Entweder ist man vom Euro überzeugt und hält ihn unter der Matratze oder man befürchtet 100% Wertverlust und geht in Gold oder Fremdwährung physisch.

    • FDominicus sagt:

      „Entweder ist man vom Euro überzeugt und hält ihn unter der Matratze oder man befürchtet 100% Wertverlust und geht in Gold oder Fremdwährung physisch.“

      Ich sehe das anders. Sie brauchen „alles“ Bargeld (in Form von Euros), Gold und ausländische Währungen. Zuerst werden Sie wie in Zypern die Banken schließen, die Bezahlung wird aber in Euro weiterlaufen. Sind Sie dann „flüssig“, haben Sie damit kein Problem. Dollar etc muß niemand annehmen, Euros schon (sogar der Staat (noch!)).

      Erst wenn die Währung völlig zusammenklappt, nützt ihnen Gold oder Fremdwährung etwas. Nur wird es den Dollar auch (in dieser Form) nicht mehr „ewig geben“.

      Nein Herr Meyer hat schon recht. Bares ist solange wahres, solange man damit noch „bezahlen“ kann….

  6. EuroTanic sagt:

    Ich habe seit Jan 2012 kein Kto mehr. Ich lasse mir alles bar auszahlen, und zahle alles in bar. Klappt prima. Aus meinen Kröten macht keine Bank mehr noch mehr Geld aus Luft, werden keine Boni und Puffbesuche gezahlt. Ich schlafe bestens.

    • stonefights sagt:

      @EuroTanic
      Das mag wohl in der heutigen Zeit (wenn auch mit jetzt schon vielen Hürden) noch funktionieren, aber es wird in spätestens 20 Jahren nicht mehr funktionieren.
      Wer sich den Verlauf der letzten 20 Jahre im Hinblick auf bargeldlosem Handel ansieht, seih es „neuere“ Themen (im Sinne dieser Zeit-Range) wie Kartenchips, e-Tickets, Apps, etc.
      der wird wohl oder übel in 20 Jahren aus seinem Schreber-Garten mit dem Wollpullover seiner Schafe das Karotten-Beet jäten.
      Was aber, wenn das eigene Pflanzgut der Kartoffeln am Ende keinen Ertrag mehr bringt…?
      Das ist doch genau der springende Punkt der heutigen Zeit.
      Das Bargeld ist das Weihwasser der heutig teuflischen Entwicklung.
      Somit werden sie alles dafür tun, diese Freiheit abzuschaffen, abgeschwächt „zu ersetzen“ in etwas „Verbraucher-Freundlicheres“ 😉
      Für mich ist nicht die Frage, ob, sondern bis wann sie es geschafft haben, das „Spannende“… 😉
      lg, stonefights

    • stonefights sagt:

      Auch wenn’s keiner mehr liest, da die Nachricht bereits im Strudel der Nächsten überspült wurde, ich hab’s nun los 🙂

      Dieser verlinkte Artikel ist nur ein Tropfen im Meer der Entwicklungen, welche ich meinte…
      Kann gut sein, dass meine übertriebene Zeit-Range von genannten 20 Jahren meiner Hoffnung den Realitätsbezug entzieht:

      http://www.merkur-online.de/aktuelles/wirtschaft/schweden-schafft-bargeld-2769638.html

      Wer dazu das Orakel von Patmos befragt, wird auf diese Stelle stossen:
      16 Und es bewirkt, daß allen, den Kleinen und den Großen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn,
      17 und daß niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.
      18 Hier ist die Weisheit! Wer das Verständnis hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666.

      Es gibt viele Interpretationen dieser sagenumwobenen Zahl.
      Manch einer interpretiert sie z.B. mit den heutigen Bar-Codes, welche eine 3 * 6 Streifenlogik aufwiesen.

      Meine ganz persönliche ist simpler, den Weniger ist bekanntlich Mehr.
      Im Hebräischen Alphabet steht das „Waw“ für den 6.Buchstaben:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Hebr%C3%A4isches_Alphabet

      Dieses „WaW“ entspricht am Ehesten unserem lateinischem „W“:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Waw_(Hebr%C3%A4isch)

      Nun „berechnet“ mal 666 🙂
      ==> „WWW“

      Und wofür steht unser heutiges „WWW“ im o.g. Sinne des Bargelds oder besser eben bargeldlosen Zeit ?

      In diesem Sinne,
      frohes Osterfest mit den Wünschen, dass ihr alle nicht nur Eier suchen geht, sondern die Wahrheit, welche ihren Weg gehen wird,
      man muss lediglich aufhören in „Menschenlebenszeit“ zu denken.

      LG; stonefights

  7. MARKT sagt:

    Für mich ist nicht die Frage, ob, sondern bis wann sie es geschafft haben, das “Spannende.

    da gehe ich absolut konform mit Ihnen. Und ich bin mir sicher, dass es eher 2-3 Jahre statt 20 Jahre dauern wird bis es soweit kommen muss.

    Trotzdem gehe ich aber auch davon aus, dass jetzt erst einmal die Steuerzahler (Mehrwertsteuer, kalte Progression), Immobilienbesitzer (Grundsteuer, Eigentumssteuer, Lastenausgleich) sowie die Aktionäre (Kursverluste) geschröpft werden.

    Links anttäuschen um rechts zu überholen. Schlussendlich werden durch den unvermeidbaren Schuldenschnitt natürlich auch zwingend und logischerweise alle Geldwerte „eingefroren“. Die unglaublichen 30-40% die derzeit für Zypern im Gespräch sind, dürften dabei deutlich übertroffen werden.

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