Nur 3 von 23 Banken gut

23. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

„Anlageberatung – Nur 3 von 23 Banken gut“. So etwas reizt zum Lesen, zumal die Verbreitung dieser Botschaft über die Medien mal wieder funktioniert hat wie geschmiert…

Klar, dahinter steckt ja die Februar-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest. Die ist ein Ableger der Stiftung Warentest, und diese Organisation hat in breiten Kreisen der Bevölkerung ein Image wie einst die Bundesbank unter deutschen Sparern – kein Wunder, handelt es sich doch um eine staatliche Einrichtung, zum Großteil finanziert von Steuerzahlern.

Aber ist sie das wert, zumal aus Anlass eines Artikels über ein so sensibles Thema wie die Anlageberatung? In diesem Fall eindeutig: nein. Da wurden Tester zu Banken und Sparkassen geschickt, um anhand von 160 Beratungsgesprächen zu ermitteln, wie gut die Ratschläge der Banker waren.

Ausgangspunkt: 45.000 Euro sollten, im Bedarfsfall bei rasch verfügbarem Kapital, für zehn Jahre angelegt werden. Die beste Bewertung winkte den Beratern, die „eine ausgewogene Mischung aus sicheren Renten- oder Festgeldanlagen und riskanteren Geldanlagen wie zum Beispiel Aktienfonds“ empfahlen und ganz nebenbei auch auf die Kosten achteten. Nach welchen Kriterien ist eine Mischung ausgewogen, sind Renten (Anleihen) und Festgelder sicher, Aktienfonds riskant und Kosten akzeptabel? Die Antworten bleibt Finanztest schuldig.

Als Sieger sprangen heraus: Frankfurter Volksbank, Sparda-Bank Berlin und Nassauische Sparkasse. Als Verlierer: Hypovereinsbank und Hannoversche Volksbank. Die drei Sieger können nun mit ihrem Testsiegel fleißig werben, während die beiden Verlierer wohl eine Zeit lang ihre Wunden lecken müssen.

Aber wie stichhaltig ist die Bewertungsmethode überhaupt? Was besonders auffällt: Neben liquiden Anlagen stehen Fonds auf den Empfehlungslisten der Banken und Sparkassen obenan, aber Finanztest drückt sich darum, konkrete Fondsnamen zu nennen. Das ist von Steuergeldern finanziertes Wischiwaschi.

Dazu gleich ein extremes Beispiel: Fonds werden sowohl von der siegreichen Frankfurter Volksbank als auch von ihrer Schwester aus Hannover empfohlen, welche aus dem Stegreif die rote Laterne verpasst bekommen hat.

Die Anlagevorschläge der einen findet Finanztest „sehr gut“, die der anderen „viel zu riskant“. Im ersten Fall lauten die Empfehlungen: ein defensiver europäischer Mischfonds, ein defensiver globaler Mischfonds, ein flexibler globaler Mischfonds und ein börsengehandelter Indexfonds auf den Weltaktienindex MSCI. Das ist, ohne dass von Finanztest konkrete Fonds genannt werden, sogar Wischiwaschi hoch vier.

Die Hannoversche Volksbank empfiehlt: ein Mischfonds mit hohem Aktienanteil, ein deutscher Aktienfonds und ein weltweit investierender Aktienfonds, dazu drei weitere Vorschläge. Alles in allem also eine breite Streuung, wobei Finanztest den Hinweis schuldig bleibt, ob es sich bei den Empfehlungen um einmalige oder mehrfache Anlagen oder Sparpläne handelt.

Im zweiten und dritten Fall hätten die Hannoveraner den Sieg verdient, zumal bei einer auf zehn Jahre gezielten Empfehlung. Denn bekanntermaßen schlagen professionell zusammengesetzte Aktienportfolios auf so lange Sicht in der Regel die meisten anderen Anlagen. Wobei noch zwischen preiswerten direkten Aktienanlagen und kostenbeladenen Aktienfonds zu unterscheiden ist.

Man muss sich wirklich ernsthaft die Frage stellen, ob deutsche Anleger dank finanzieller Unterstützung durch den Staat mit minderwertigen Tests für dumm verkauft werden sollen.

Finanztest weist kurz auf Produktinformationsblätter hin, die mehr schlecht als recht die vermeintlichen Risiken einzelner Anlagen beschreiben. Außerdem etwas umfangreicher auf die umstrittenen Beratungsprotokolle, die von mehreren Beratern im Test erst gar nicht erstellt wurden. Das ist, obwohl rechtlich problematisch, gut zu verstehen. Denn allein schon der für solche Protokolle erhebliche bürokratische Aufwand wirft die Frage auf, ob Banker noch bei Trost sind, wenn sie überhaupt Anlageberatung anbieten – zumal zugunsten des Betrags in Höhe von 45.000 Euro, der unter Einschluss von Personal- und Sachkosten zu einem dicken Minusgeschäft ausartet.

Worin besteht für Anleger die Alternative? Sie sollten sich darüber im Klaren werden, dass kein Anlageberater ihnen mehr helfen kann als sie selbst – indem sie ihre Finanzen von sich aus in die Hand nehmen, sie strukturieren, das Timing beachten und alles permanent im Auge behalten. Der dafür erforderliche zeitliche Aufwand ist notwendig, und er rentiert sich.
Manfred Gburek – Homepage

 

2 Kommentare auf "Nur 3 von 23 Banken gut"

  1. Hallo,

    super Artikel. Am besten finde ich aber das Ende mit der Aufforderung die Geldanlage in die eigene Hand zu nehmen.

    Gruß Klaus-Dieter

  2. EuroTanic sagt:

    Bei sowas zitiere ich gerne Volker Pispers. „Geld arbeitet nicht. Oder haben sie schon mal einen Euroschein mit ’ner Schippe inner Hand gesehen?“ 😀

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