Nullen und Minuszeichen: Der ganz normale Wahnsinn

15. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

Glosse von Frank Meyer

Wenn Wahnsinn als Währung gehandelt würde, der DAX sähe dagegen ziemlich blass aus. Der Freitag war wieder so ein Tag – einer voller wahnsinniger Normalität. Um 20 Uhr kam wie immer die „Morgen-Schau“. Eine Stunde zuvor sendete das ZDF sein „Neues aus der Anstalt“. Echte Nachrichten kommen heute immer in der echten „heute-show“…

Nein, heute war kein Freitag der 13, aber nah dran. Dabei sind Dienstage oder Donnerstage auch kaum von Freitagen zu unterscheiden. Und Freitage haben nie frei. Bedenken Sie das! Damit muss man umgehen können.

Ich habe den Tag an der Börse verbracht und konnte aus meiner Zuneigung zur neuen FED-Chefin keinen Hehl machen. Als irrer Goldbug liebe ich den Geruch von Dynamit, also dem Wahnsinn hoch gepresst. Yellens Koffer ist voll davon und sie behauptet, es wäre Mehlstaub. Mein Kollege Raimund Brichta meinte, die Börse würden doch die Billionen mögen. Wer könnte da schon nein sagen? Oh ja!

Wenn ich etwas gelernt habe, dann sind es schon wieder Neuigkeiten aus dem Reich der Mogelpackungen. Die Verbraucherschützer schlagen schon wieder Alarm. Viel Luft, weniger drin, höherer Preis. Dabei frage ich mich ernsthaft, wie Verbraucherschützer Verbraucher schützen wollen, wenn sie sie nicht auch vor den Nachrichten warnen und schützen. Wie dem auch sei, wären Mogelpackungen an der Börse notiert, ich würde einen Call darauf schreiben.

Nachrichten sind heute keine Dinge mehr, nach denen man sich richten sollte, sondern eher nach deren Gegenteil. Oder besser, man ignoriert das alles. Dann hätte man auch heute nicht erfahren, dass Tintenfischringe aus Schweinedarm gefertigt werden. Die EU warnt davor. Sie sollte besser vor sich selbst warnen.

Wenn Minuszeichen an der Börse gehandelt würden, der DAX sähe dagegen blass aus. Ich liebe Minuszeichen und kann nie genug von ihnen bekommen. Diese brauche ich keinesfalls für eine schlechte Stimmung, ganz im Gegenteil. Ich benötige sie, um so viele Nachrichten mit diesen Minuszeichen multiplizieren, um wirklich etwas Neues zu erfahren. Nachrichten werden heute mit einem Minuszeichen erst zur Realität. Deshalb werden die Minuszeichen eines Tages knapp, so meine Befürchtung.

In Sachen Wirtschaft und Prognosen empfehle ich dringend immer eine Packung Minuszeichen mit sich zu führen. Auch Experten werden erst in der Multiplikation mit einem Minuszeichen erträglicher. Scotty auf dem Raumschiff Enterprise hätte sie allesamt weg gebeamt. Aber soweit sind wir noch nicht.

Sollten Sie im Ernstfall aber keine Minuszeichen besitzen, es also zu einem Engpass an Minuszeichen kommt, dann besorgen Sie sich so schnell wie möglich eine Null als Ersatz und multiplizieren Sie die Nachrichten damit. Nullen als Verwandte der Experten neutralisieren diese, wenn man sie damit multipliziert. Das wirkt doppeltsichergut und wird künftig weniger von den Verbraucherschützern, aber vom normalen Menschenverstand empfohlen. Das Ergebnis ist in jedem Fall irrelevant bzw. gleich Null, also unschädlich. Wenn Sie die aber die mit einem Minuszeichen versehenen Dinge miteinander multiplizieren, dann müssen Sie vorsichtig sein. Dann entsteht ein Plus.

Ein dringender Bedarf an Nullen kann schnell in der Politik gestillt werden. In Berlin oder in den Landeshauptstädten gibt es immer einen kostengünstigen Überschuss. Als Großlieferant gilt unter Insidern die EU-Kommission. Und gar nichts mal gar nichts macht bekanntlich gar nichts. Aber wer kennt sich heute schon noch in Zeiten des Doppelplusgut mit Mathematik aus. Bitte meiden Sie das Teilen durch eine Null. Das ergibt einen ERROR. Diesen schicken Sie dann bitte zurück an den Absender.


 

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2 Kommentare auf "Nullen und Minuszeichen: Der ganz normale Wahnsinn"

  1. Michael sagt:

    Zumal Währung mittlerweile zum Risky Asset wurde … was soll man noch sagen. Ein dickes Plus gibt es dafür nicht. Buchwerte sind geduldig. Negativzins ist cool, dann brechen die Businessmodelle der Banken zusammen, von Gebühren leben die nicht. Banken werden Zahlstellen der FED. Die FED als ‚Monetative‘. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Irgendwie so könnte es werden. Wir leben in einer interessante Zeit.

    Österreicher reagieren ja zunehmends schlauer. Damit der Bürger Schaden leidet, müssen Banken und Politik zusammenspielen. Nun war eine Endscheidung fällig. Tauschmittel wird benötigt.

  2. Gandalf sagt:

    Mich wundert nur, das hier die Freigeldideologen nicht applaudieren, ob der Monetative, die sie ja mit der FED schon immer hatten. Haben sie etwa Bedenken, das der bislang heimliche Schwundgeldschwindel nun den offen angekündigten Praxistest nicht besteht?

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