Null, Nichts, Nullinger

17. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Halleluja! Erstmals fiel die Umlaufrendite aller deutschen Staatsanleihen auf 0,00 Prozent. Die armen Sparer! Wer noch ein paar Prozente sucht, der zahlt seine Kredite zurück. Das spart richtig Geld. Wie geht es weiter?

Wir werden in den kommenden Jahren viel Aufregendes erleben. Der Zinssozialismus sorgt für die entsprechenden Ereignisse und Verwunderungen. Die Zeichen stehen an der Wand. Aus der Nummer kommen Notenbanken nicht mehr heraus. Wer zahlt die Zeche? Und warum sehen Sie sich gerade im Spiegelbild? Zufall?

Je mehr Nullen das Sagen haben, desto mehr Nullen tauchen auf. Null Ahnung, Null Erfolg. Nachdem die schwarze Null ihr mediales Unwesen getrieben hat und die Schulden im Vergleich zum BIP bis 2020 dann angeblich auf 60 Prozent gefallen sein sollen, werden wir die die Rechnung präsentiert bekommen…

Am Ende steigt Zahl der Nullen bei Schulden und auf Geldscheinen. Ach, die Inflation in der Eurozone stieg im März auf null Prozent. Wer weiß, wo und wie sie gemessen wird, doch man soll ja die Feste feiern, wie sie fallen. Apropos… Früher oder später fällt die Kaufkraft jeder Papierwährungen auf ihren inneren Wert: Null. Diese Idee stammt nicht von mir, sondern von Voltaire. Bis dahin dauert es aber noch.

Die älteste noch funktionierende Papierwährung ist das britische Pfund. Damals war es mit zwölf Unzen Silber bzw. 373 Gramm gedeckt. Damit konnte man wuchern. Diese Menge kostet heute 137 britische Pfund. Vom ursprünglichen Pfund sind also noch 0,7 Prozent Kaufkraft übrig. Der Rest verschwindet auch noch. Vielleicht notiert der DAX später bei einer Million Punkten und man kann sich dafür weniger als heute kaufen. Wir wissen es nicht. Sicher ist dagegen, dass die Deutschen zwei Billionen Euro gespart haben. Das ist eine zwei mit 12 Nullen. Wenn dieser Geldberg in Bewegung kommt…

Dafür kommen die Edelmetalle in Bewegung. Gold und Silber verteuerten sich um 13 Prozent in diesem Jahr. Dabei erwarteten die Experten fallende Notierungen. Laut dem World Gold Council haben die Deutschen im letzten Jahr 113,8 Tonnen Gold gekauft, also Bares gegen Wahres getauscht. Ob die Zahlen stimmen? Nehmen wir an, sie wären richtig. Jeder Bundesbürger hätte 2015 sagenhafte 1,4 Gramm Gold im Gegenwert von 50 Euro gekauft. Fast Null. Was für eine gigantische Spekulationsblase!
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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4 Kommentare auf "Null, Nichts, Nullinger"

  1. Paul Mueller sagt:

    … waaaas?,… bis 2020,…so lange müssen wir das noch ertragen?…. mensch Meyer, du spinnst wohl ;-))

  2. poerschie sagt:

    „Die älteste noch funktionierende Papierwährung ist das britische Pfund. Damals war es mit zwölf Unzen Silber bzw. 373 Gramm gedeckt. Damit konnte man wuchern. Diese Menge kostet heute 137 britische Pfund. Vom ursprünglichen Pfund sind also noch 0,007 Prozent Kaufkraft übrig.“
    Das Ergebnis dieser Rechnung ist um den Faktor 100 falsch. Richtig wären 0,7 %.
    Aber auch die 0,7 % Kaufkraft, die noch übrig geblieben sind, sind beeindruckend genug.

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