Notenbankaktien: Sichere Dividendenzahler mit einer Option auf mehr

2. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Christoph Karl

Eine Aktie mit einem Buchwert von knapp 850.000 CHF für rund 3.600 CHF kaufen – das klingt zunächst einmal nach einem hervorragenden Geschäft. Noch viel mehr, wenn es sich dabei um die alt-ehrwürdige Schweizerische Nationalbank handelt…

Sie haben richtig gehört: Eine Notenbank, noch dazu die Hüterin über den Schweizer Franken, ist selbst börsennotiert. Nach einer jahrelangen Seitwärtsbewegung scheint die Aktie der SNB im Laufe des letzten Jahres aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Eine Empfehlung in dem Börsenbrief „Die Actien-Börse“ sorgte seit Juli dieses Jahres für einen weiteren Schub nach oben. Zu schön klingt es in den Augen von Anlegern, an einer Institution beteiligt zu sein, die selbst Geld drucken kann. Was ist also dran am Boom um die SNB-Aktie und wie lukrativ sind Notenbankaktien generell?

KGV von 0,01

Auf den ersten Blick ist die Mathematik bestechend: Eine Marktkapitalisierung von lediglich rund 360 Mio. CHF steht einer Bilanzsumme von unglaublichen 746 Mrd. CHF und einem Eigenkapital von 85 Mrd. CHF gegenüber. Dazu ein totsicheres Geschäftsmodell: Durch die sogenannte Seigniorage erzielt die Zentralbank quasi garantierte Gewinne. Da der Materialwert eines Geldscheins weit unter dem nominellen Wert desselben liegt, streicht die Zentralbank üppige Monopolgewinne ein. Zudem kann sie private Banken dazu zwingen, zinslose (oder zuletzt sogar negativ verzinste) Einlagen bei sich selbst zu halten. 2016 erzielte die SNB damit einen Gewinn von 24,5 Mrd. CHF. Die Aktie notiert damit rechnerisch bei einem KGV von 0,01 (!). Doch es gibt gewichtige Gründe, warum die Aktie alles andere als ein Schnäppchen ist.

Maßgeschneiderte Gesetze

Zunächst einmal sind die Rechte der Aktionäre im Unterschied zu jeder anderen Aktiengesellschaft nicht durch das Aktiengesetz bestimmt, sondern durch das Nationalbankgesetz. Und darin ist ein ganzer Katalog an Grausamkeiten definiert, der den SNB-Aktionären den Spaß an ihren Aktien verleiden soll.

So ist zunächst einmal das Stimmrecht nicht öffentlicher Aktionäre auf 100 Stimmen/Aktien beschränkt. Der Dividendenanspruch ist bei 6% des Aktienkapitals gekappt. Dieses beträgt je Aktie 250 CHF. Die maximale Dividende liegt damit bei 15 CHF im Jahr. Zum aktuellen Kurs ist dies eine bescheidende Rendite von 0,4%. Der Rest des ausschüttbaren Ertrags steht laut Gesetz zu einem Drittel dem Bund und zu zwei Dritteln den Kantonen zu – völlig unabhängig davon, ob diese Aktionäre sind oder nicht.

Nur begrenzter Einfluss

Obwohl die Kantone und die dortigen Kantonalbanken nur 52% der Aktien kontrollieren, hat der Staat damit seine Hand fest auf der SNB. Als außenstehender Aktionär ist der deutsche Dr. Theo Siegert mit 6,72% an der SNB beteiligt – Motiv weitestgehend unbekannt. Der Unternehmer Siegert, der in den Aufsichtsräten von E.ON, Henkel und Merck sitzt, hat seine Position im Jahr 2016 sogar um 125 Stücke erhöht. Insgesamt ist sein Aktienpaket damit rund 20 Mio. EUR schwer. Womit er dennoch keinerlei Einfluss auf die SNB ausüben kann.

Die SNB ist gleichzeitig nicht die einzige Zentralbank, die über solche Regelungen kontrolliert wird. Die belgische Banque Nationale de Belgique ist ebenso wie die SNB aus historischen Gründen börsennotiert. Auch sie wird jedoch durch eine spezielle Gesetzgebung gesteuert und sieht sich selbst als öffentliche Institution.

Dividende ohne Risiko

Die Hauptversammlung der Bank besitzt weder das Recht, den Vorstand zu besetzen, noch jenes, über die Verwendung des Gewinns zu entscheiden. Darüber befindet ein eigens eingerichtetes „Council of Regency“, das von der Politik dominiert wird. Für die Aktionäre sind dagegen lediglich eine Dividende von 6% auf das Aktienkapital sowie 50% der Nettoerträge des Anlageportfolios (aktuell ca. 85 Mrd. EUR) vorgesehen. Derzeit sind dies 140,79 EUR je Aktie. Bei einem Kurs von 2.850 EUR immerhin eine Dividendenrendite von 4,9%.

In den Statuten ist dafür klar geregelt, dass die Zentralbank die Devisen- und Goldreserven lediglich treuhänderisch für den belgischen Staat verwaltet. Die Aktie ist damit zwar ein attraktives Dividendenpapier ohne Insolvenzrisiko, vom hohen Buchwert, der ca. fünfmal so hoch ist wie der Kurs, dürften Aktionäre jedoch auch hier wenig haben.

Krisenprofiteur

Eine ähnliche Regelung wird auch bei der griechischen Bank of Greece angewandt. Anders als sich vermuten lässt, haben sich die Erträge der Bank durch die griechische Schuldenkrise sogar noch erhöht. Schließlich wird in den letzten Jahren in Hellas deutlich mehr Zentralbankengeld nachgefragt. Zuletzt erwirtschaftete die Notenbank daher rund 1,1 Mrd. EUR Ertrag. Noch 2012 lag das Ergebnis lediglich bei 320 Mio. EUR.

Trotz einer Marktkapitalisierung von lediglich 270 Mio. EUR bedeutet dies für die Aktionäre dennoch keinen warmen Geldregen: Lediglich 12% des Stammkapitals, rund 13 Mio. EUR oder 0,67 EUR je Aktie, werden an die Aktionäre ausgeschüttet. Zwar gab es bis 2011 eine jährliche Bonusdividende aus den Überschüssen, diese wird jedoch erst dann bezahlt, sobald ein sogenannter „Regular Reserve Fund“ mindestens dem Eigenkapital entspricht. Mit etwas kreativer Buchführung lassen sich die Aktionäre also gut hinhalten. Immerhin erhalten diese aber eine „garantierte“ Dividendenrendite von 4,9% sowie das Upside, in Zukunft wieder an den Überschüssen beteiligt zu werden.

Fazit

Zentralbankaktien bieten zwei Alleinstellungsmerkmale: Quasi durch das Geschäftsmodell bedingt, können diese praktisch nie insolvent werden. Da lediglich ein minimaler Teil der Profite auf die Aktionäre entfällt, darf diese Dividende als gesichert gelten.

Darüber hinaus gibt es durchaus die Aussicht, dass die jeweiligen Staaten versuchen könnten, ihre mehr oder weniger nervenden Mitaktionäre loszuwerden. Ein historisches Beispiel dafür lieferte die BIZ, also die Schweizer Zentralbank der Zentralbanken. Dort wurde dem Free Float von rund 13% des Kapitals im Jahr 2000 immerhin 16.000 CHF je Aktie geboten, obwohl diese zuvor lediglich bei der Hälfte notierte. Die Annahme, dass die Staaten die Notenbankenaktionäre an den üppigen Devisen- und Goldreserven partizipieren lassen, ist jedoch weit hergeholt. Möglicherweise gibt es beim Abschied von der Börse aber ein gewisses „Zuckerl“.

© Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

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