Noch nicht wirklich ein Grizzly-Bärenmarkt

30. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Eine Schlagzeile im Wall Street Journal fiel uns letzte Woche in die Augen: „Aktien fallen schon wieder. Wo ist die FED?

Diese Frage kam mehrmals in Mumbai auf, wo wir vor kurzem Zeit auf einer Geschäftsreise verbrachten. Wir waren von der Economic Times of India und von Bloomberg TV befragt worden. Sie wollten wissen, was wir in Indien tun und was wir mit Blick auf die aktuelle Marktlage dachten.

Unsere Antwort ist Ihnen sicherlich bekannt…

„Was steigt, muss auch wieder nach unten gehen“, sagten wir auf verschiedene Weise. „Was stark steigt, muss auch stark fallen.“

Die Finanzmedien auf dem Subkontinent können sich das einfach nicht vorstellen. Es will einfach nicht in die Köpfe der Nachwuchsjournalisten und leitenden Ökonomen, dass Märkte UNABÄNDERLICH nach oben UND nach unten gehen. Sie denken, dass Märkte nur in eine Richtung gehen. Und zwar nach oben. Vorbehaltlich gelegentlicher Rückschläge und politischer Fehler. Und der Fehler, den sie sehen, ist die vermeintliche „Verschärfung“ der Kreditkonditionen durch die Fed.

Grizzlybär aus der Hölle

„Würden Sie nicht sagen, dass die Fed verfrüht dran war, die Zinssätze im letzten Monat zu erhöhen… gerade auch mit Blick auf den aktuellen höllischen Rückgang der Aktien?“, fragte ein Reporter.

„Nein. Zunächst würden wir nicht sagen, dass die Verkaufswelle „höllisch“ gewesen ist, überhaupt nicht. Bisher ist dieser Bärenmarkt kein Grizzly aus der Hölle. Es ist ein Kuschelpanda. Und die Fed war nicht zu früh dran. Sie war zu spät dran.“

Das Problem bei dieser Antwort ist, dass diese viel zu viel Erklärung erfordert. Die Finanzmedien haben keine Zeit für sie. Sie wollen kleine Happen – bevorzugt positive.

„Dies ist ein erneuter Versuch der Korrektur des Jahres 2008 … aber schlimmer. Die Welt hat über 57 Billionen US-Dollar neuer Schulden gemacht, seit Lehman Brothers zusammenbrach. Also werden wir den Dow unter 6000 sehen, bevor die Korrektur vorbei ist.“

Unter uns … das war keine ernsthafte Vorhersage. Wir sind ziemlich sicher, dass der Dow schlussendlich erheblich fallen wird. Aber wir haben keine Ahnung, wann es wirklich so weit ist oder wie tief es gehen wird.

Die Finanzmedien sind Teil der Unterhaltungsindustrie, die weitgehend von der Wall Street finanziert wird. Erwarten Sie nicht, von denen ernsthafte Kommentare oder Analysen zu bekommen.

Von den Kommentatoren wird erwartet, dass sie einfache und flotte Analysen liefern – mit möglichst wenig Qualifikationen. Emphatisch. Zuversichtlich.

Schulden-Querschläger

Unsere Verlagspartner in Mumbai wollten aber zusammen mit einigen ihrer besten Kunden mit uns tiefergehende Gespräche führen. Es stellten sich die gleichen Fragen, aber wir hatten viel mehr Zeit, diese detailliert zu beantworten.

„Das Problem sind die Schulden. Es gibt zu viele davon. Das ist genau das, was passiert, wenn man zu lange mit viel zu niedrigen Zinsen Geld ausleiht. Menschen leihen sich Geld, um zu konsumieren … oder in Dinge zu investieren, die nicht wirklich sinnvoll sind.

„Dann können sie die Schulden nicht zurückzahlen. Das war das Problem mit all den Subprime-Hypothekenschulden in 2007 und 2008. Heute haben wir die Problematik mit den Studenten-Schulden, Auto-Schulden, Unternehmensanleihen und der Staatsverschuldung. Die Welt häufte in den vergangenen 20 Jahren einen Schuldenberg in Höhe von 170 Billionen Dollar auf. Aber die Weltwirtschaft wuchs in dem Zeitraum nur etwa 3% pro Jahr.“

„Das Interessante daran ist, dass diese Schuldenblase bei den Verbrauchern und der Finanzindustrie in den USA entstand… dann zu den Exporteuren nach China versandt wurde… und von China aus auch die Lieferanten in Brasilien und die anderen rohstoffreichen Volkswirtschaften erreichte.“

„Nun fliegt dieser Ball voller schlechter Schulden wie ein Querschläger von einer Volkswirtschaft auf die nächste.“

Nerventest

Wir erklärten unsere Hypothese…

„Die Märkte sind Mythen-Zertörer. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahrhundert greifen sie den zentralen Finanz Mythos unserer Zeit an: dass eine Gruppe von PhD-Ökonomen erfolgreich sein kann, wo Generationen von Zentralbankern vor ihnen versagt haben … dass sie eine Papierwährung verwalten können – und eine ganze Weltwirtschaft – ohne sich dabei selbst in die Luft zu jagen.“

„Paul Volcker konnte es“, das haben wir bereits konzediert. „Aber das war in einer Zeit, als die USA nur einen Bruchteil der Schulden von heut hatten.. und es war, bevor die Weltwirtschaft schuldensüchtig geworden ist.

„Sobald wir jetzt einen schweren Abschwung – und den haben wir noch längst nicht – bekommen, geraten alle Zentralbanken in Panik und kommen mit noch aggressiveren Stimulus-Programmen daher.“

Vielleicht sollten wir es jetzt so formulieren: Die Phase, in der die Zentralbanken die Preise von Vermögenswerten mit experimenteller Politik antreiben, ist wohl noch nicht vorbei.

Die Märkte werden die Nerven der Fed testen. Sie werden ihren Mut mit fallenden Aktienkursen und einer Rezession testen. Dann wird die Fed reagieren. Es ist immer noch „Daten abhängig.“

„Haltet einfach durch. Es wird spannend werden. Das ist wahrscheinlich das einzige, was wir sicher sicher sagen können. Es wird interessant werden.“
Quelle: Kapitalschutz Akte
Noch nicht wirklich ein Grizzly-Bärenmarkt (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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