Neee, nicht noch ne Krise!

19. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Theoretisch stünde der DAX jetzt bei 11.356 Punkten. Praktisch aber notierte er in dieser Woche zeitweise 3.000 Punkte tiefer. Wie kann das sein, was nicht sein darf?

Innerhalb weniger Tage löschte der DAX seine kompletten Jahresgewinne aus. Mehr noch: Kaum ein Experte hat das kommensehen. Entsprechend wurden diese jetzt wieder um ihre Ratschläge gefragt. Wie Sie wissen, können Ratschläge auch Schläge sein, wenn man keine eigene Meinung hat.

Erinnern Sie sich? Als der DAX die 10.000er Marke übertrat, hieß es Aktien wären so billig wie noch nie. Man käme gar nicht an ihnen vorbei und Dividenden wären die neuen Zinsen. Erstaunlicherweise schaffen es immerhin 90 Prozent der Leute, einen großen Bogen um Aktien zu machen. Zumindest gab es den DAX jetzt bis zu 15 Prozent billiger. Ist ja schon mal was!

Der DAX wäre nicht so weit hochgekommen, wenn die Gelddrucker nicht so fleißig gewesen wären. Aber offensichtlich tun sie immer noch zu wenig. Kaum verliert der DAX mal drei Prozent, sprechen die Ersten vom Crash. Es ist ja auch Oktober. Und sofort wird Ausschau nach Rettern gehalten, also nach den Verantwortlichen, die die Kurse erst nach oben geschossen haben. Schließlich ist man es gewohnt, dass es Magentropfen für das Finanzmonster gibt, wenn es sich unwohl fühlt. Oder man mit dem Geld-Tropf um die Ecke geschossen kommt.

Und tatsächlich, es gab warme Worte aus der US-Notenbank, die die Märkte haben drehen lassen. Und das ausgerechnet von einem Herrn Bullard, der wenige Tage zuvor noch vom Gegenteil dessen geschwätzt hatte, was er am Donnerstag sagte… weiterhin tiefe Zinsen… Zinswende verschoben… weitere Aufkäufe. Nein, das sagte er nicht so, aber so ähnlich.

Ein paar nette Worte, und schon war der Spuk erst einmal vorbei. Dauerhaft? Die Experten hängen jetzt erst mal wieder ihre Fahnen aus dem anderen Fenster hinaus. Und die trüben Aussichten für die Wirtschaft? Vergessen Sie es! Je schlechter die Daten, desto näher der Tag der Rettung. Das ist das neue „Normal“ in Zeiten des Interventionismus.

Die Anleihen im Süden Europas fingen auch wieder etwas Feuer. Die Renditen der Südstaaten schossen hoch, was den Riss quer durch Europa wieder einmal sichtbar machte. Au Backe! Kommt jetzt die Eurokrise 2.0? Da die erste Krise nie geendet hat, wird es auch keine zweite Eurokrise geben. Sind das nicht gute Nachrichten?

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)




 

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3 Kommentare auf "Neee, nicht noch ne Krise!"

  1. FDominicus sagt:

    Höre ich hier jemanden QEx bieten?

  2. Michael sagt:

    Eine Krise findet zu 50% im Kopf und zu 50% in der Geldbörse der Arbeitnehmer statt. Unternehmen und Aktienmärkte kennen keine Krise.

  3. bluestar sagt:

    Wunderbarer Artikel vom Meister.
    „Zeiten des Interventionismus“ das trifft es genau.
    Interventionen gegen Märkte, gegen die Krise, gegen die Wahrheiten, gegen Vernunft, gegen Unabhängigkeit, gegen bürgerliche Freiheiten, gegen friedliches Miteinander, gegen unabhängig lebende Länder usw.
    Die Leute scheinen sich daran langsam zu gewöhnen wie Ratten an Müll.
    Die MSM kauen ihn schon jeden Tag mundgerecht zum Schlucken vor.
    Einige sind aber noch standhaft und halten dagegen. Meinen Dank und meine Hochachtung an Herrn Meyer.

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